Der oberste Oberpfälzer

Axel Bartelt ist seit knapp zwei Jahren Regierungspräsident der Oberpfalz. Er hat in dieser Zeit schon viele Besuche in den verschieden- sten Regionen gemacht und kennt sich deshalb bestens in seiner neuen Heimat aus.

Herr Regierungspräsident, was macht die Oberpfalz aus?

Die Oberpfalz ist eine sehr liebenswerte und vielfältige Region mit einer hohen Lebensqualität. Gemeinschaft und Verlässlichkeit haben hier einen großen Stellenwert. Ich habe die Oberpfälzer als sehr heimatverbundene, geradlinige, weltoffene und hilfsbereite Menschen erlebt. Es gibt hier viele sehr erfolgreiche Unternehmen, hochmotivierte Mitarbeiter, eine gute Infrastruktur, viele Bilderbuchlandschaften und eine herrliche Natur. Ich fühle mich wohl in der Oberpfalz und habe mir auch vorgenommen, nachdem ich jetzt alle Landkreise und kreisfreien Städte besucht habe, in den nächsten Jahren nach und nach alle größeren Gemeinden zu besuchen, damit ich den Regierungsbezirk noch besser kennenlerne.

Die Oberpfalz bietet nicht nur einen großen Reichtum an schönen Landschaften und kulturellen Höhepunkten, sie ist auch Standort für tausende Unternehmen. Welche Stärken hat der Standort?

Als Erstes fallen mir da die zentrale Lage innerhalb Europas mit der Brückenfunktion nach Osten sowie die hervorragend ausgebildeten und überdurchschnittlich motivierten Arbeitskräfte ein. Durch die Universität sowie unsere zwei ostbayerischen technischen Hochschulen, die OTH Regensburg und die OTH Amberg-Weiden, sind wir auch als Wissenschaftsstandort eindrucksvoll aufgestellt. Unsere Wirtschaftsstruktur kann man zudem als sehr stabil und gesund bezeichnen: Neben etlichen Großunternehmen gibt es eine Vielzahl von sehr innovativen und äußerst erfolgreichen kleinen und mittelständischen Betrieben. Die Bandbreite ist dabei sehr groß: Spitzentechnologien aus dem Bereich der Automobilindustrie, Elektronik und Elektrotechnik, Kunststoffverarbeitung und Mechatronik sind bei uns genauso vertreten wie sogenannte Zukunftstechnologien. Daneben haben sich die traditionelleren Branchen wie die Glas-, Porzellan- oder Keramikindustrie dank intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit mittlerweile zu modernen, zukunftsträchtigen Wirtschaftszweigen "gemausert". Kurzum: Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist enorm.

Sie sind in Ulm geboren, haben Ihre berufliche Laufbahn aber vor allem in München verbracht. Schaut die Hauptstadt fast schon ein bisserl neidisch auf die Dynamik in einigen Oberpfälzer Regionen?

Sicher ist auch der Süden des Freistaats ob unserer außerordentlichen Wachstumsraten in den letzten Jahren ein bisschen beeindruckt. Schließlich wurden wir nicht nur einmal im Industriebericht des bayerischen Wirtschaftsministeriums als "eine dynamische Aufsteigerregion mit großem Potenzial" oder als "die Konjunkturlokomotive Bayerns" bezeichnet. Noch im Jahr 1990 betrug unsere Arbeitslosenquote mit 7,1 Prozent zwei Prozentpunkte mehr als die des Freistaats (5,1 Prozent). Nun stehen wir mit 2,9 Prozent sogar besser als Bayern insgesamt (3,3 Prozent) da. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf hinken wir zwar mit rund 35 000 Euro dem bayerischen Durchschnitt (40 000 Euro) noch etwas hinterher. Betrachtet man jedoch allein den Anstieg in der letzten Dekade, wird klar, dass wir auf dem Weg nach vorn sind. Kein anderer Regierungsbezirk konnte höhere Wachstumsraten aufweisen. Mit einer Exportquote im verarbeitenden Gewerbe von zuletzt 52,7 Prozent brauchen wir uns weder in Bayern (51,2) noch in Deutschland (48,3) verstecken.

Aktuell beherrscht der Zustrom von Flüchtlingen die Schlagzeilen. Wie ist die Oberpfalz auf die Bewältigung dieser großen Aufgabe vorbereitet? Welche Erfahrungen haben Sie hier in den vergangenen Wochen gemacht?

Derzeit sind rund 10 000 Flüchtlinge in der Oberpfalz untergebracht. Dazu kommen noch rund 1100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Täglich kommen tausende Menschen über die Grenzen nach Bayern. Bis Ende des Jahres 2015 müssen in der Oberpfalz rund 2500 zusätzliche neue Plätze in der Anschlussunterbringung geschaffen werden. Das ist eine immense Aufgabe, die wir nur gemeinsam lösen können. Ich bedanke mich deshalb ganz herzlich bei allen Landkreisen, Städten und Gemeinden in der Oberpfalz, die uns bei der Unterbringung der Flüchtlinge unterstützt haben. Ebenso bedanke ich mich bei den vielen ehrenamtlichen Helfern, ohne die wir diese Mammutaufgabe hätten nicht stemmen können. Gleichzeitig appelliere ich an die Gemeinden und Kommunen in der Oberpfalz, die bisher noch keine Asylbewerber aufgenommen haben - dies sind immer noch mehr als ein Drittel der Gemeinden. Bitte zeigen Sie sich solidarisch mit den Städten und Gemeinden, die bereits Flüchtlinge aufgenommen haben. Wenn nur jede dieser 80 Gemeinden zehn Asylbewerber aufnehmen würde, hätten wir sofort weitere 800 Plätze, die wir dringend benötigen, insbesondere jetzt, wo der Winter naht. Mein Ziel ist eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge auf allen Ebenen, in Europa, in der Bundesrepublik, in Bayern, in den Landkreisen, Städten und Gemeinden. Dass die Integration funktionieren kann, habe ich vor wenigen Wochen bei meinem Besuch in der Gemeinde Ammerthal im Landkreis Amberg-Sulzbach gesehen. In dieser Gemeinde mit circa 2300 Einwohnern sind rund 20 Syrer untergebracht. Ein syrischer Arzt, der dort schon lange Jahre wohnt, kümmert sich zusammen mit vielen Bürgern vorbildlich um die Neubürger, die bereits rege am Leben im Ort teilnehmen, sei es beim Fußballspielen oder beim Kirwatanz. Ich glaube der wichtigste Schlüssel zur Integration ist das schnelle Lernen der deutschen Sprache. Wenn wir die Flüchtlinge als Fachkräfte in Bereichen ausbilden, in denen bei uns bereits heute ein Mangel besteht oder sich abzeichnet, können wir auch wirtschaftlich als Region profitieren.

Das Motto dieser Beilage lautet "Gut leben in der Oberpfalz": Warum lässt es sich hier so gut leben?

Ganz einfach: Die Oberpfalz hat viel zu bieten! Neben attraktiven Arbeitsplätzen für die verschiedensten Qualifikationen und bezahlbarem Wohnraum können wir mit einer reizvollen Landschaft und hohem Freizeitwert punkten. Die vielfältigen Möglichkeiten machen Ihnen dabei die Auswahl schwer: Ob Besichtigungen von pittoresken Altstädten, abwechslungsreiche Wanderungen, alle Arten von Winter- oder Wassersport, Kletter- oder Mountainbike-Touren - Sie können sich bei uns in sportlicher Hinsicht verausgaben, aber auch in den Wellness-Oasen der sehr gut geführten Gasthäuser, Hotels und Bädern die Seele baumeln lassen. Kulturbegeisterte finden Museen mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten sowie eine reichhaltige Theaterszene. Mit über 600 Burgen sind wir darüber hinaus das "Burgenland Bayerns", zu dem letzte Woche mit der renovierten Burg Falkenberg ein Juwel in neuem Glanz dazugekommen ist.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.