Der Sternenhimmel im Oktober 2016
Voll der Vollmond

Anblick des Südwesthimmels gegen 19:30 Uhr mit der Planetenparade Venus - Saturn - Mars. Am 6. Oktober gesellt sich der zunehmende Mond zu Saturn. Grafik: dpa
 
Die Sternkarte zeigt den gesamten sichtbaren Sternenhimmel zur angegebenen Uhrzeit am angegebenen Tag. Die Sternbilder erscheinen am Himmel wesentlich größer, als es die Karte vermuten lässt. Da man die Karte in den Himmel hält, sind Ost und West in der Grafik seitenverkehrt. Die Sternkarte muss dabei so gedreht werden, dass diejenige Himmelsrichtung nach unten zeigt, in die man gerade blickt. Grafik: dpa

Der Vollmond wirkt im Oktober am Sternenhimmel besonders groß. Am Abendhimmel verabschieden sich Sommersternbilder. Und die Tageslänge verkürzt sich nun deutlich.

Stuttgart. Mit fortschreitender Abenddämmerung zeigt sich im Oktober tief im Südwesten der Abendstern, die Venus. Venus ist zwar der hellste aller Planeten, wegen der horizontnahen Stellung ist der innere Nachbarplanet der Erde aber noch nicht besonders auffällig. Am 3. wandert die schmale Sichel des zunehmenden Mondes an Venus vorbei. Zweimal kommt der Mond im Oktober in Neumondposition: am 1. um 2.11 Uhr und am 30. um 18.38 Uhr. Vollmond tritt am 16. um 6.23 Uhr ein, wobei der Mond besonders groß erscheint. Denn nur einen Tag später passiert er seinen erdnächsten Bahnpunkt, wobei ihn 357 860 Kilometer von uns trennen. Das Zusammentreffen von Vollmond und Erdnähe führt zu Springfluten mit besonders hohem Tidenhub. Nicht nur Venus, auch Mars und Saturn sind noch am Abendhimmel sichtbar. Beide stehen knapp über dem Südwesthorizont. Gegen Ende Oktober zieht sich Saturn vom Abendhimmel zurück. Am 30. wird Saturn von Venus weit südlich überholt. Um Saturn noch zu erkennen, empfiehlt es sich, ein Fernglas zu benutzen. Auch Mars ist nicht mehr leicht auszumachen. Kurz nach zehn Uhr abends wird er im horizontnahen Dunst unsichtbar und geht unter.

Merkur am Morgen


Zu Monatsbeginn ist der flinke Merkur gut am Morgenhimmel erkennbar - ab sechs Uhr knapp über dem Osthorizont. In der zweiten Oktoberwoche zieht sich Merkur vom Morgenhimmel zurück und wird unsichtbar. Jupiter hingegen, der in den letzten Wochen unbeobachtbar nahe der Sonne am Taghimmel stand, taucht Mitte Oktober am Morgenhimmel auf. Der weiß glänzende Riesenplanet wandert durch das Sternbild Jungfrau. Ende Oktober geht Jupiter bereits um 4.35 Uhr auf.

Uranus kommt zur Monatsmitte in Opposition zur Sonne. Der grünliche Planet steht somit der Sonne am irdischen Firmament genau gegenüber und ist die gesamte Nacht am Sternenhimmel präsent. Um Uranus im Sternbild Fische zu entdecken, ist ein Fernglas oder Teleskop nötig. Er ist so lichtschwach, weil er doppelt so weit von der Sonne entfernt ist wie Saturn. Uranus wurde 1781 rein zufällig von Wilhelm Herschel mit einem selbstgefertigten Teleskop im Sternbild Zwillinge entdeckt. Ein Menschenleben lang - 84 Jahre - ist dieser Planet unterwegs, um einmal um die Sonne zu laufen. Zur Opposition ist Uranus 2835 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, dies entspricht der 19-fachen Erde-Sonne-Distanz.

Kalter Uranus


Das von Uranus reflektierte Sonnenlicht ist zwei Stunden und 38 Minuten unterwegs, um die fast drei Milliarden Kilometer bis zu uns zurückzulegen. Mit 51 000 Kilometern Äquatordurchmesser ist der Uranusglobus viermal größer als die Erde. Eine dichte Atmosphäre aus Wasserstoff und Helium hüllt ihn ein. Die Temperatur an der Wolkenobergrenze liegt bei minus 215 Grad.

Fünf große Monde des Uranus wurden von der Erde aus entdeckt, wobei die ersten beiden schon 1787 von Herschel gefunden wurden. Sie wurden Titania und Oberon getauft und sind knapp halb so groß wie unser Erdmond. Die Raumsonde "Voyager II" passierte im Januar 1986 als bisher einziger irdischer Späher den grünlichen Planeten und entdeckte dabei zehn weitere Satelliten, allerdings recht kleine. Inzwischen wurden mit großen Teleskopen im infraroten Spektralbereich weitere Minimonde aufgespürt, womit sich die Zahl der Uranustrabanten auf 27 erhöht hat.

Sommerdreieck im Westen


Am abendlichen Fixsternhimmel steht das Sommerdreieck mit den drei hellen Sternen Wega, Deneb und Atair noch hoch am Westhimmel. Typische Sommersternbilder wie Skorpion und Schütze sind bereits unter dem Horizont verschwunden. Auch Arktur hat sich von der Himmelsbühne verabschiedet. Der Große Wagen steht knapp über dem Nordhorizont. Das Himmels-W, die Kassiopeia, ist hoch über unseren Köpfen zu sehen. Die mittlere Spitze des Sternen-Ws deutet auf den Polarstern, der das Deichselende des Kleinen Wagens markiert. Der Kleine Wagen ist viel schwerer zu erkennen als der Große, da die meisten seiner Sterne viel lichtschwächer sind.

Hoch im Süden hat das Herbstviereck die Mittagslinie fast erreicht. Es gehört zum Sternbild Pegasus, ein Fabelwesen in Gestalt eines Pferdes mit Flügeln. An die Nordostecke des Pegasusquadrats schließt sich die Sternenkette der Andromeda an.

Tiefer Blick ins All


Gute Augen erkennen bei hervorragenden Sichtbedingungen im Sternbild Andromeda ein kleines, längliches Lichtfleckchen, den Andromedanebel. Er ist ein Sternensystem aus einigen Hundert Milliarden Sonnen. Die Andromedagalaxie ist das fernste Objekt, das man mit bloßen Augen sehen kann. Das Licht dieser fernen Sterne ist fast drei Millionen Jahre zu uns unterwegs, das entspricht einer Distanz von 30 Trillionen Kilometer - eine wahrhaft astronomische Zahl. Trotz dieser enormen Entfernung ist die Andromedagalaxie unsere Nachbarmilchstraße - die anderen großen Galaxien sind noch viel weiter entfernt.

Südlich der Andromeda stößt man auf das Tierkreisbild Widder. Zwischen Widder und Andromeda befindet sich das kleine Sternbild Dreieck, lateinisch Triangulum. Hoch im Osten hat sich der Fuhrmann breitgemacht. Hauptstern des Fuhrmanns ist die helle Kapella, eine gelbliche Doppelsonne in 42 Lichtjahren Entfernung.

Den Südosten nimmt der ausgedehnte Walfisch ein. Er ist kein Tier im zoologischen Sinn, sondern ein Fabelwesen, ein Meeresungeheuer, lateinisch Cetus genannt. Der ostfriesische Landpfarrer und Amateurastronom David Fabricius sah im August 1596 im Walfisch einen Stern, den er dort zuvor nie beobachtet hatte. Nach einigen Wochen war der Stern, der immer lichtschwächer wurde, verschwunden. Später tauchte er wieder auf.

Fabricius und andere Astronomen konnten sich dieses seltsame Verhalten nicht erklären. Sie nannten den Stern daher Mira Stella Ceti - seltsamer, verwunderlicher Stern im Walfisch. Heute weiß man, dass Mira Ceti ein pulsierender roter Riesenstern ist, in dem unser gesamtes inneres Sonnensystem bis zur Marsbahn bequem Platz fände.

Die Sonne wandert am absteigenden Ast ihrer Jahresbahn durch das Sternbild Jungfrau. Am 31. Oktober wechselt sie in das Sternbild Waage. In das Tierkreiszeichen Skorpion tritt die Sonne am 23. Oktober. Die Mittagshöhe der Sonne nimmt um fast elf Grad ab, die Tageslänge verkürzt sich im Hamburg um zwei Stunden und drei Minuten, in Stuttgart um eine Stunde und 44 Minuten.

Astro-TermineDie Sternwarte Tirschenreuth hat im Oktober freitags ab 20 Uhr geöffnet. Die Sternwarte Amberg-Ursensollen hat im Oktober freitags ab 19.30 Uhr geöffnet. Die Sternwarte Dieterskirchen (Landkreis Schwandorf) hat im Oktober freitags ab 19 Uhr geöffnet. Offener Stammtisch der Sternenfreunde Dieterskirchen am Dienstag, 18. Oktober, ab 19 Uhr im "Hexenhäusl" in Dieterskirchen. Offener Stammtisch des Arbeitskreises "Deepsky-Hunters Weiden" am Donnerstag, 13. Oktober, ab 18.30 Uhr in der Pizzeria "Da Peppino" in Theisseil (Landkreis Neustadt/WN). (za)

___



Weitere Informationen:

www.sternwarte-tirschenreuth.de

www.sternwarte-dieterskirchen.de

www.volkssternwarte-amberg.de

www.deepsky-hunters.de

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.