Der Tag, als der Frieden kam

Jede Nacht Alarm, Flugzeuge und Bomben - das war lange Zeit Alltag für Eckhard Schimpf. Er war sechs Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg tobte. An den Tag des Kriegsendes kann er sich noch gut erinnern - und an seinen ersten Kaugummi.

Das Ende des Krieges hat Eckhard Schimpf verschlafen. Damals war er sechs Jahre alt. Tagelang hatte er mit seiner Familie in einem Bunker aus Beton ausgeharrt. Aus Angst vor Flugzeugen, die Bomben auf die Häuser abwarfen. Und vor Soldaten, die sich gegenseitig in der Stadt bekämpften. Damals tobte in Deutschland der Zweite Weltkrieg. Das war im Frühjahr 1945 - vor fast 70 Jahren.

"Schlaf weiter"

Heute ist Eckhard Schimpf 76 Jahre alt. Er erzählt von den letzten Stunden des Krieges: Er war völlig erschöpft eingeschlafen. Als Flugzeuge über das Haus dröhnten, schreckte er plötzlich hoch. Doch seine Mutter strich ihm über die Haare und sagte so etwas wie: "Keine Angst, wir müssen nicht in den Schutz-Bunker. Schlaf weiter, es ist Frieden." Denn die Deutschen hatten aufgeben - und der Krieg war endlich vorbei.

Den Krieg hatten die Deutschen angezettelt. Damals regierten die Nationalsozialisten, kurz Nazis. Ihr Anführer hieß Adolf Hitler. Er wollte über ein riesiges Reich herrschen und griff mit seinen Soldaten viele Länder an. Die Nazis brachten außerdem sehr viele Menschen um, die ihnen nicht passten. Das waren etwa politische Gegner, Menschen mit Behinderung und Sinti und Roma.

Die Nazis töteten auch besonders viele Juden - also Menschen, die dem jüdischen Volk angehören oder der Religion Judentum. Die Gegner Hitlers wollten die Verbrecher stoppen. Sie taten sich zusammen und bekämpften Deutschland von allen Seiten. Außerdem warfen sie Bomben auf deutsche Städte. Viele Leute starben dabei.

Haus abgebrannt

Als der Krieg endlich vorbei war, waren viele Städte in Deutschland völlig zerstört. Eckhard Schimpf wohnte damals in Braunschweig. Die Stadt gehört heute zum Bundesland Niedersachsen. Das Haus seiner Eltern war im Krieg abgebrannt. Nur der Keller stand noch. Dort wohnte er mit seiner Schwester und den Eltern. Er erinnert sich: "Überall in der Stadt lagen Trümmer. Reste von Hauswänden ragten wie Gerippe in den Himmel."

In der Stadt hatten jetzt zunächst Soldaten aus dem Land USA das Sagen. Sie hatten gemeinsam mit anderen Ländern Deutschland besiegt. Eckhard Schimpf erinnert sich noch an die erste Begegnung mit einem Amerikaner: "Der war zu uns Kindern sehr nett. Er schenkte uns Schokolade und etwas, das ich vorher noch nie gesehen hatte: ein Kaugummi!"

Der Soldat strich dem kleinen Jungen über die Haare, grinste und sagte etwas auf Englisch. "Das verstanden wir natürlich nicht", sagt Eckhard Schimpf. "Aber es war auch egal: Wir waren einfach froh, dass sie da waren."
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