Der Übernahme-Manager

"Ich werde 63 und bin in der komfortablen Situation, dass es mir Spaß machen muss", sagt Norbert Sporer lächelnd. Und ganz offensichtlich macht dem Mitglied des Leitungsteams bei ZF in Auerbach der Job im Production Council des Konzerns noch mächtig Spaß.

Tiefe Denkerfalten strukturieren Sporers Charakterkopf. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Führungskräfte eines Unternehmens nach der Übernahme ihren Einfluss sogar noch vergrößern können. Als ZF 2008 den Auerbacher Elektronikspezialisten Cherry in den Konzern integrierte, war der Kirchenthumbacher Gesamtproduktionsleiter. Heute bestimmt er als Vertreter des Bereichs Automotive eine weltweite Produktlinie im ZF-Geschäftsfeld Elektronische Systeme.

Mikro-Schalter-Erfinder

Seit 39 Jahren arbeitet der Elektrotechniker für das gewandelte Unternehmen, das Walter Cherry in den USA gegründet und das den deutschen Hauptsitz zunächst in Bayreuth hatte. Als die Firma erweiterte, ging man den Weg aufs Land, wo die Grundstücke günstig und genügend Mitarbeiter - vor allem ungelernte Frauen für einfache manuelle Tätigkeiten - zur Verfügung standen. "Wir hatten damals ja nur eine kleine Produktion", erinnert sich Sporer. "Wir entwickelten unter anderem die erste Tastatur für Setzmaschinen."

Der drahtige Techniker wohnt seit 40 Jahren im nahen fränkischen Ausland, in Pegnitz. Bei Cherry begann er als Gruppenleiter für die Tastaturanfertigung: "Walter Cherry hat den ersten Mikroschalter mitentwickelt", erklärt Sporer. "Über den Schalter kamen wir zur Tastatur." Hauptkunden waren damals NCR und Triumph-Adler. "Dadurch haben wir uns massiv entwickelt." Die Bauabschnitte 1-3 im Auerbacher Gewerbegebiet entstanden.

"Ich bin mit der Firma gewachsen", sagt der gelernte Informationselektroniker. Der ursprüngliche Cherry-Schalter sei für Anwendungen in der Automobilindustrie weiterentwickelt worden. "Elektronische Eigenentwicklungen kamen dazu und heute finden Sie in 80 Prozent aller Autos in Westeuropa unsere Produkte. Die Anwendungen wurden" vielfältiger, die Elektronik immer wichtiger: "Wir liefern induktive Steuerungen zur Topferkennung unterm Ceranfeld oder Getriebe-Steuergeräte für Hersteller wie Chrysler oder Jaguar. Da steckt eine unheimliche Intelligenz drinnen. Die Ventile, Ölzufuhr, Temperatur und Pumpmotor müssen gesteuert werden."

Ab Mitte des letzten Jahrzehnts wurde klar: Cherry würde verkaufen. "Es waren Interessenten aus Japan hier, auch Finanzinvestoren interessierten sich für unser Unternehmen, das den Ruf genoss, eine breite Technologiekompetenz zu besitzen, um komplexe Mechatronikprodukte zu industrialisieren", formuliert Sporer.

Achtgang-Getriebe

Mit ZF Friedrichshafen gesellte sich ein hochkarätiger Getriebebauer zu den Werbern: "Wer das Achtgang-Automatik-Getriebe für BMW herstellt, versteht sein Handwerk." Nur: Mit Mechanik allein, würde man auf Dauer die Marktstellung nicht halten können. "ZF hat verschiedene Firmen analysiert. Aufgrund unseres Benchmarks hat man Cherry als Schlüssel zum Erfolg identifiziert."

"ZF ist für Auerbach ein Glücksfall", bringt das Urgestein des Standortes den Vorgang auf eine griffige Formel. "Die Marke Cherry wurde bei Tastaturen und Schalter in weißer Ware sogar erhalten." Da haben sich zwei gesucht und gefunden: "Es ging ZF nicht um Synergien, sondern um die Ergänzung durch unsere Elektronik-Kompetenz", sagt Sporer. Und die AG vom Bodensee war klug genug, die Fachkompetenz des Oberpfälzers an sich zu binden.
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