Deutsch als Fremdsprache
Die Profis bleiben außen vor

Aller Anfang ist schwer. Mit den richtigen Lehrangeboten fällt der Einstieg in die deutsche Sprache aber gleich viel leichter. Bild: dpa

Der Sprachunterricht für Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien muss nach Ansicht des DidaktikExperten Hermann Funk dringend verbessert werden.

Jena. (epd) Lehrer mit einem Bachelor- oder Masterabschluss für Deutsch als Zweitsprache oder Deutsch als Fremdsprache dürften in deutschen Schulen noch immer nicht unterrichten, kritisierte Funk in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er ist Professor am Institut für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache der Universität Jena.

Gar kein echter Mangel


Diese gut ausgebildeten Kräfte gingen ins Ausland, um dort zu unterrichten, weil ihnen für Deutschland der Lehramtsabschluss und somit eine berufliche Perspektive fehle. "Insofern ist es völlig falsch, immer den Mangel an geeigneten Lehrkräften zu beklagen. Wir haben die Lehrkräfte. Sie dürfen nur nicht unterrichten."

Einige der derzeit in Sprachvorbereitungsklassen eingesetzten Lehrkräfte leisteten in den Schulen sicher intuitiv gute Arbeit, betonte Funk. Aber sie seien insgesamt völlig unzureichend auf die Aufgabe vorbereitet, Kinder mit extrem unterschiedlichen Voraussetzungen zu unterrichten. "Da sitzen Kinder etwa aus Tschetschenien, die bereits eine gute Schulbildung genossen haben, neben Kindern, die aufgrund des Bürgerkriegs schon jahrelang keine Schule mehr besucht haben." Die Lehrerausbildung in diesem Bereich sei mangelhaft, kritisierte er. Unterrichtsmaterial, das die Lehrkräfte dabei unterstützen würde zu differenzieren, sei für die Vorbereitungs- und Sprachlernklassen praktisch nicht vorhanden.

Ein großes Problem ist nach Ansicht des Germanisten der Übergang von der Alltagssprache in die Bildungssprache. In der Alltagssprache fänden sich die meisten Schüler relativ schnell zurecht. Im Unterricht in den Regelklassen komme es aber darauf an, etwa Sätze mit Nebensätzen zu verstehen, Ursachen und Konsequenzen auszudrücken oder Einschränkungen und Widersprüche zu formulieren.

Die berufssprachliche Integration verläuft nach Ansicht des Experten noch schlechter: "Es herrscht Konzeptlosigkeit bei hoher Betriebsamkeit." Die Forschung konzentriere sich weitgehend auf die Schulen und vernachlässige dabei die Erwachsenenbildung. Sprachunterricht für junge Erwachsene müsste von Anfang diejenigen Fähigkeiten vermitteln, die in allen Berufen notwendig seien. Migranten sollten zum Beispiel lernen, Termine verbindlich zu vereinbaren, sachgerecht zu telefonieren oder mit schwer verständlichen Texten zu arbeiten.

"Es geht nicht um Fachsprache, sondern darum, dass Menschen sich bei uns im Beruf orientieren können, die aus völlig anderen Verhältnissen kommen."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.