Deutschland braucht Querdenker

Zu Peter Gauweiler:

Als der Querdenker seinen Rückzug aus der Politik bekannt gab, wurde dies in den Medien mit dem Abgang eines kompromisslosen, undisziplinierten und wenig obrigkeitshörigem Politiker gefeiert. Eigenartig ist, dass Gauweiler als einer der Wenigen die gewaltigen Probleme wie Verfall des Euro und damit den Zerfall des Euro-Raums sowie die übereilte europäische Osterweiterung voraus gesagt hat. Es war nur folgerichtig, dass er gegen die EZB-Rettungsschirme und letztlich gegen die Konkursverschleppung Griechenlands klagte und gegen weitere Griechenlandhilfen stimmte.

Egal, wie man zur Person Gauweiler stand: Jedem Wähler war bewusst, wofür er stand. Von wem weiß man das heute noch? Wenn es danach ginge, wer in der Vergangenheit die Zukunft richtig eingeschätzt hat, dann müsste der CSU-Vorsitzende Gauweiler heißen und nicht Seehofer, der all die falschen Entscheidungen mitgetragen hat. Der Bürger wählt seinen Abgeordneten und nicht die Partei. Der Abgeordnete unterliegt seinem Gewissen und nicht dem Willen seines Vorsitzenden. Kanzleramtsminister Pofalla sagte zum Abweichler Bosbach: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen!" Bosbach stimmte gegen die Griechenland-Hilfe. So reden Parteifreunde intern, wenn sie sich so richtig lieb haben. Herbert Wehner sagte einst zu Abweichlern: "Wer stellt euch für die nächste Wahl auf? Die Partei oder euer Gewissen?"

Gauweiler brauchte seine Fahne nicht nach Meinungsumfragen und Politbarometer auszurichten, weil er durch seine Kanzlei finanziell unabhängig war. Er konnte nicht mit einem Posten gezähmt oder mit Druck aus der Partei gebeugt werden. Solche Abgeordnete mag kein Vorsitzender. Wir brauchen in allen Parteien mehr Querdenker und interne Kritiker. Die Mehrheit irrt meistens.

Hermann Köpf, 95695 Mähring
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