Die Anwendung radioaktiver Stoffe bei Patienten
Die Notwendigkeit muss gegeben sein

Unbestreitbar ist, dass die Anwendung radioaktiver Stoffe gerade in der Krankenhausmedizin, aber auch in der ambulanten Medizin nicht mehr hinwegzudenken ist. Genauso unbestreitbar haben aber radioaktive Stoffe und ionisierende Strahlung gesundheitsschädliche Wirkungen auf den Menschen, abhängig von der Höhe der Einzeldosis, der Zeitdauer der Strahlendosen und welches Körperorgan der Strahlenexposition ausgesetzt ist.

Der Gesetzgeber erkannte frühzeitig, dass deshalb besondere Anforderungen gerade bei der medizinischen Anwendung derartiger Stoffe bestehen. Er sah sich veranlasst, dies gesetzlich zu regeln (z.B. in der Strahlenschutzverordnung, Röntgenverordnung, etc.).

So hilfreich der medizintechnische Fortschritt gerade auch in der verfeinerten Diagnostik zur möglichst frühzeitigen Erkennung gewisser Krebserkrankungen (beispielhaft durch das auch im Weidener Klinikum mögliche PET-CT-Verfahren) ist, so ist es andererseits erforderlich, den Grundsatz der Strahlenminimierung einzuhalten und dies ist von Anfang an eines der Ziele der jeweils aktualisierten Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) gewesen.

Letzteres bedeutet, dass in Ausübung der Heilkunde radioaktive Stoffe oder ionisierende Strahlungen unmittelbar am Menschen nur dann angewendet werden dürfen, wenn dies aus medizinischer Sicht erforderlich, d. h. indiziert ist, wobei ein im Strahlenschutz speziell ausgebildeter Arzt die Rechtfertigung einer solchen diagnostischen oder therapeutischen Behandlung beurteilen muss.

Dieser hat den Nutzen der Anwendung gegenüber dem Strahlenrisiko abzuwägen. Dieses Erfordernis nennt man "rechtfertigende Indikation" (§ 80 StrlSchV). D. h. der Nuklearmediziner hat auch dann, wenn er von einem überweisenden Arzt den Auftrag erhalten hat, beim Patienten eine strahlenbelastende Untersuchung und/oder Therapie vorzunehmen, die Erforderlichkeit dieser Maßnahme eigenverantwortlich gesondert zu prüfen.

Im Zweifelsfall muss er sich mit dem überweisenden Arzt abstimmen. Wegen der besonderen Bedeutung dieser Verantwortlichkeit war letzteres auch eines der Themen in einem medizinrechtlichen Vortrag, den ich auf der letzten Jahrestagung für Nuklearmedizin und Medizinische Physik/Medizintechnik im Juli 2015 an der OTH in Weiden halten durfte.

Die dort gehaltenen Fachvorträge der einzelnen Referenten bewiesen außerdem anschaulich die zunehmende Bedeutung, die die Nuklearmedizin und die Medizinphysik/Medizintechnik bei der Diagnose und Therapie in den beiden letzten Jahrzehnten genommen hat.

Die Anforderungen an den Nuklearmediziner nehmen durch weitere strenge gesetzliche Vorgaben im Strahlenschutz zweifelsfrei zu. Zum Wohlergehen des Patienten ist dies jedoch erforderlich.
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