Die Qual der Wahl

Weil sie sich gute Zukunftschancen erhoffen, entscheiden sich viele für ein Ingenieurstudium. Doch die riesige Auswahl an Studiengängen überfordert manch einen Einsteiger. Ein Überblick über Studienschwerpunkte und spätere Einsatzgebiete.

(dpa/tmn) Ingenieur ist nicht gleich Ingenieur. Wer sich für eine Zukunft in dem Bereich entscheidet, hat eine große Auswahl an Studiengängen. Die Spezialisierungen reichen von Robotik, Nachwachsende Rohstoffe, über Technikmanagement bis hin zu Computervisualistik. Doch welcher Schwerpunkt passt zu wem?

Allen Studiengängen ist gemeinsam, dass Ingenieurwesen sehr international ist, sagt Anja Robert. Sie ist Koordinatorin des Career Centers an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen (RWTH). Auslandserfahrung und Praktika während des Studiums sind bei vielen Arbeitgebern Pflicht. Ansonsten gibt es jedoch sehr unterschiedliche Typen: "Unter den Studenten lassen sich Hardcore-Tüftler genauso finden wie Studenten, die es ins Management zieht", sagt Robert. Irgendwann müsse aber sich jeder entscheiden, ob er ein Generalist sein will oder bei einem Aspekt in die Tiefe gehen möchte. Ein Überblick über die einzelnen Fachgebiete.

Maschinenbau: Grundlagen in der Ausbildung sind wie in allen Fachbereichen die Naturwissenschaften. Hier liegen die Schwerpunkte in der Mathematik und Physik. "Einsatzfelder sind zum Beispiel die Fahrzeugindustrie und die gesamte Zuliefererbranche sowie der Anlagenbau. Bei diesen Feldern ist Deutschland ein starker Standort", sagt Robert. Auch bei Spezialgebieten wie Medizintechnik oder Luft- und Raumfahrt sind Maschinenbauer gefragt.

Doch wie bei den vielen Einsatzgebieten den richtigen Studiengang finden? "Wir empfehlen Studienanfängern im Bachelor, eine breite Basis zu schaffen und sich dann im Master zu spezialisieren", sagt Tina Lackmann vom Verein Deutscher Ingenieure. Zum Beispiel kann man mit Maschinenbau beginnen und sich im Master dann auf Fahrzeugtechnik, Luft- und Raumfahrttechnik fokussieren, je nach Interessenslage.

Elektrotechnik:Mit welchen technischen Lösungen kann elektrische Energie optimal genutzt, gespeichert, umgeformt und transportiert werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Elektrotechnik. Hier reicht die Bandbreite von Energiegewinnung, Steuerung und Entwicklung von Hochspannungsnetzen, bis hin zur Entwicklung von Schaltsystemen.

"Elektroingenieure übernehmen oft leitende Funktionen zum Beispiel in den Bereichen Informations- und Telekommunikationstechnik oder der Automatisierungstechnik", erklärt Paul Ebsen von der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.

Verfahrenstechnik:"In der Verfahrenstechnik dominiert aus den Naturwissenschaften die Chemie", erläutert Robert. Verfahrenstechniker kümmern sich zum Beispiel um die Materialentwicklung. An der RWTH arbeiten Studenten etwa an Membranen, die flüssige oder gasförmige Stoffe in die eine Richtung durchlassen, in die andere aber nicht.

Einsatzgebiete sind die Nahrungsmittelindustrie, die Pharmazie oder auch Energieerzeugung, erklärt Monika Mages vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). "Verfahrenstechnik wird zum Beispiel zur Entsalzung von Meerwasser eingesetzt, um Trinkwasser oder Betriebswasser für Industrieanlagen zu gewinnen", erläutert Mages. Auch zur Gewinnung von Biokraftstoffen sei Verfahrenstechnik nötig.

Informatik: Was kann man mit Nullen und Einsen alles anstellen? Ziemlich viel. Informatiker programmieren EDV-Systeme und Software, was für zahlreiche Lebensbereiche wichtig ist. Die Bioinformatik etwa entwickelt neuartige Medikamente. Medizinische Neuerungen wie der Herzschrittmacher oder die Überwachung von Intensivstationen konnten erst durch die Informatik realisiert werden, erklärt Cornelia Winter von der Gesellschaft für Informatik. Ob Informatik zu den Ingenieurwissenschaften zählt, ist umstritten. Einige Experten rechnen sie jedoch durchaus dazu.

Bauingenieurwesen:Straßenbau, Tiefbau, Tunnel, Häuser, Brücken - bei all diesen Bauten ist die Expertise von Bauingenieuren gefordert. Sie organisieren die Bauleitung, berechnen oder prüfen die Statik. Auch ein anderes Einsatzgebiet ist denkbar: "Bauingenieure können auch in der Baustoffindustrie tätig sein und wirken dort bei der Entwicklung neuer Baustoffe und -verfahren mit", erläutert Ebsen. "Während sich Architekten eher kreativ austoben und entwerfen, ist der Bauingenieur eher der Realisator", sagt Robert.

Wirtschaftsingenieur: Hier liegt es auf der Hand: Neben dem technischen Verständnis braucht es hier Interesse an wirtschaftlichen Prozessen. "Ein Wirtschaftsingenieur prüft zum Beispiel, ob es sich finanziell lohnt, eine neue Anlage zu bauen", sagt Robert. Er kann sich aber auch um den Vertrieb von Maschinen kümmern.
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