"Die spinnen, die Berliner!"

Zur Ausgrabung des ehemaligen Lenin-Denkmals:

Es war einmal ein preußisches Dorf namens Großberlinum, umgeben von einer feindlichen Besatzungsmacht, die nahezu 45 Jahre vergeblich versuchte, es sich einzuverleiben. Nach deren Untergang begann man dort, einige bisher unmögliche Dinge anzufangen, so zum Beispiel, einen neuen Flugplatz ohne Brandschutz zu bauen oder den "Palast des Volkes" abzureißen, um dort das Schloss ihres alten Häuptlings Friederix neu aufzubauen. Auch beim neuen Bahnhof fiel den Bewohnern zwar nicht der Himmel auf den Kopf, aber einige Bauteile. Sie haben halt keinen Zaubertrank.

Vorher hatte man auch (müßigerweise) für teures Geld das Denkmal des umstrittenen Druiden Leninix mühevoll vom Sockel geholt und anonym begraben, damit sein Geist in Zukunft nichts mehr anrichte. Und während ringsum im Land die Straßen, Schulen und Brücken vor sich hin rotteten, an den Grenzen immer mehr Menschen ankamen, bei denen zu Hause kein Stein mehr auf dem anderen lag; bei denen es nicht nur um Kopf, sondern oft auch um Kragen ging, sei's wegen Hunger oder Krieg, grub man Ersteren wieder aus, um den Kopf vielleicht einmal auszustellen - nicht ohne vorher 6 Zauneidechsen für nur 12 000 Euro "umzusiedeln". Was für eine vergleichsweise "läppische" Summe, denn so viel rafft ein Schleuser, um ganzen zwei Menschen einen Platz in einem maroden Schlauchboot auf dem Mittelmeer zu verschaffen. Aber immerhin ging es oben ja um eine bedrohte Art und um einen "Großkopferten".

Nur gut, dass das der Gallier Obelix nicht mitbekommen hat. Ich sehe ihn schon sich an die Stirn tippen: "Die spinnen, die Berliner!"

Heiner Aichinger,92648 Vohenstrauß
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