Drastische Erkältungswelle in Sulzbach-Rosenberg
Tausende mit Fieber und Husten

Die Walter-Höllerer-Realschule wurde vergangene Woche von der Grippewelle heimgesucht. Von 700 Schülern meldeten sich zu Spitzenzeiten 130 krank. "Meistens waren über 100 nicht da", sagt Schulleiter Wolfgang Pfeifer. Bild: Hartl

Sulzbach-Rosenberg.(roa) Die Arztpraxen sind voll. Die Patienten mit Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen stehen dort Schlange. In den Personalabteilungen flattern haufenweise Krankmeldungen auf den Tisch. Wer dieser Tage in Sulzbach-Rosenberg einen Ansprechpartner benötigt, hört oft nur einen Satz: "Tut mir leid, der ist momentan krank."

Eine Erkältungswelle schwappt über die Stadt. Die Gespräche bei Metzger, Bäcker, im Büro, Kindergarten, Schule oder Supermarkt drehen sich derzeit beinahe ausschließlich um Grippe-Beschwerden. Besonders krass war die Situation vergangene Woche an der Walter-Höllerer-Realschule: 700 Schüler besuchen die staatliche Einrichtung. Das Sekretariat verzeichnete den absoluten Spitzenwert: 130 Krankmeldungen an einem Tag. Von 50 Lehrern fehlten zehn. Wie schafft man es trotzdem, den Betrieb aufrecht zu erhalten? "Irgendwie", sagt Rektor Wolfgang Pfeifer. Zum Teil seien Klassen zusammengelegt worden, die Schüler hatten Vertretungsstunden ohne Ende. Diese Situation von vergangener Woche habe sich seit Montag schon wieder weitgehend entspannt. "Die Viren übertragen sich in einem Gebäude mit so vielen Menschen rasend schnell", sagt Pfeifer. "Da benutzen eben alle die gleichen Türklinken." Deshalb verweist der Schulleiter auf ein Info-Blatt, herausgegeben vom Gesundheitsamt Amberg-Sulzbach.

Lange Erholungsphasen

Deren Leiter, Roland Brey, gibt derartige Rundschreiben nur noch zu besonderen Anlässen heraus. Heuer war so einer: "Es ist eindeutig so, dass die Grippewelle in Sulzbach-Rosenberg am stärksten zugeschlagen hat." Beim Gesundheitsamt seien mittlerweile rund 100 Meldungen zur Influenza eingegangen - das ist aber nur die Spitze des Eisberges, da lediglich Labornachweise meldepflichtig sind, nicht die Krankheit an sich. "Sicher sind Tausende krank und die Sulzbach-Rosenberger hat es wohl am schlimmsten getroffen", sagt Brey. Wer jetzt Fieber und Husten bekomme, könne davon ausgehen, an Grippe zu erkranken. Und noch etwas stellt der Gesundheitsamtsleiter fest: "Die Leute brauchen viel länger, um sich zu erholen."

Grippebedingte Ausfälle

"Wir haben tatsächlich grippebedingte Ausfälle", bestätigt Dr. Klaus Nester. Der Ärztliche Direktor des St.-Anna-Krankenhauses betont aber im gleichen Atemzug, dass sich die Anzahl der Erkrankten beim Personal "gottseidank" in Grenzen halte. Alle Positionen seien besetzt. Der Mediziner führt diese Tatsache auf die prophylaktische Grippeschutzimpfung für Arbeitnehmer zurück - eine Empfehlung des Robert-Koch-Instituts. Grippekranke Patienten kommen dagegen täglich ins Krankenhaus. "Die Welle ist definitiv stärker ausgeprägt als in den vergangenen drei Jahren - die ich zumindest mitbekommen habe", sagt Dr. Klaus Nester. Teilstationen seien sogar isoliert worden.

Typisch für diese Jahreszeit

Für die insgesamt rund 650 Beschäftigten des Landratsamtes Amberg-Sulzbach kann Sprecher Harald Herrle sagen, dass es heuer keine signifikante Häufung von Krankheitsfällen gebe, allerdings sei eine Tatsache auffällig: "Die Leute sind heuer viel länger krank als die üblichen drei Tage." Also wenn schon Grippe, dann richtig? "Viele Mitarbeiter fallen mindestens eine Woche aus." Wie viele genau derzeit im Krankenstand verweilen, kann Herrle nicht sagen. Er bezeichnet es jedoch als "typische Grippewelle für diese Jahreszeit".

Viele Ausfälle bei der Rohrwerk Maxhütte

Im Rohrwerk Maxhütte sind dagegen so viele Mitarbeiter krank wie schon lange nicht mehr. Seit Mitte Januar geht die Zahl der Ausfälle "signifikant in die Höhe". "Eine Häufung in diesem Ausmaß haben einzelne Organisationsbereiche in den letzten zehn Jahren nicht erlebt", sagt Personalleiter Heinz Haushofer.
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