Dresden war voll mit Flüchtlingen

Auch mir fällt auf, dass seit 1965 die Opferzahlen verringert werden, je weiter man sich von dem Ereignis entfernt. Ich erfuhr selber von Zeitzeugen, dass die Flüchtlinge aus Schlesien damals keineswegs nur an die sicheren Stadtränder verfrachtet wurden, sondern der Bahnhof und das gesamte Stadtviertel schon seit Wochen voll waren mit Flüchtlingen. Die Dunkelziffer von zusätzlichen, nicht mehr identifizierbaren Opfern dieses Bombenhauptzieles darf nicht abgestritten werden.

Ist es übrigens erlaubt, hier von Opfern zu sprechen? Der im Januar verstorbene, hochgeehrte Schriftsteller Ralph Giordano verbat sich dieses Wort energisch für deutsche Kriegstote, weil man damit "den Unterschied zwischen Tätern und Opfern verwische". In Filmen wie "Unsere Väter, unsere Mütter" werden die bis 1945 deutschen Ostgebiete behandelt, als seien sie 1939 von Hitler erobert und 1945 von der Wehrmacht noch gegen polnische Partisanen gehalten worden. Polnische Partisanen gab es im Januar 1945 in meiner Heimatstadt Glatz (heute Klodzko) nicht. Auch ich demonstriere gegen Neo-Nazis. Aber wenn sich bei unserer "politischen Korrektheit" und verordneten öffentlichen Meinung auffallende Ungereimtheiten einschleichen, dann muss man befürchten, dass man gerade dadurch Neo-Nazis züchtet.

Roland Gröger, 92660 Neustadt
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