Druck zum "Kapitalimperium"

"Ein Riss in der Beziehung":

Es stimmt, "die" angeblich so schrecklichen Amerikaner gibt es nicht, darin hat Professor Stephan Bierling zweifellos Recht. Bei seinen Analysen zu den Gründen für den angeblich wachsenden Anti-Amerikanismus und die "Verteufelung Amerikas" in Deutschland stößt er auf die durch Propaganda verhetzte ostdeutsche Bevölkerung, das Internet sowie "unzählige Schreiberlinge", die von Russland bezahlt werden.

Worauf er leider nicht gestoßen ist, das sind zum Beispiel die Folgen der Verteidigung eines Weltimperiums der amerikanischen Oberstklasse, das auf der Kontrolle der Erdölvorräte basiert, für die amerikanische wie für viele andere Gesellschaften. Darauf gestoßen ist hingegen der 2012 verstorbene amerikanische Professor Dr. Ernest Callenbach, der u. a. den Roman "ökotopia" verfasst hat. Professor Callenbach geht nicht von böswilligen Personen aus, sondern von dem als Sachzwänge wahrgenommenen Druck innerhalb der obersten Etage des amerikanischen Kapitalimperiums, seine Führungsposition in der Welt mit Zähnen und Klauen zu behaupten.

Eine wenn auch noch so leise Ahnung von derartigen Zukunftsaussichten könnte vielleicht besser die Vorbehalte vieler Menschen erklären gegen ein Vorhaben wie TTIP. Erklären könnte diese Ahnung auch die ungebrochene Bewunderung für gar nicht schreckliche Amerikaner(innen), die gegen diese imperiale Klassenpolitik aufzubegehren wagten wie Juan Baez, Bob Dylan oder Martin Luther King.

Ein Riß scheint durch fast alle Gesellschaften zu gehen zwischen einer kleinen radikalen Minderheit oben und dem Rest der Bevölkerung, ob in den USA, Deutschland oder Russland. Und ein anderer Riß zwischen den integren Vertretern wertfreien wissenschaftlichen Forschens, die globale Entwicklungen kritisch beleuchten, und einer neuen Garde von Professoren, denen der Fanatismus des Karrieristen aus den Augen schaut.

Dr. Hannsjörg Bergmann 92637 Weiden
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