Ein Cent für Elektro-Mobilität

Der Traum der Politik von einer Million Elektroautos bis 2020 auf deutschen Straßen droht wie eine Seifenblase zu platzen. Jetzt heizt Ferdinand Dudenhöffer die Diskussion an.

Keine 25 000 E-Fahrzeuge sind derzeit in Deutschland unterwegs. Und da ist sich die Autoindustrie einig: Ohne finanzielle Anreize geht es nicht. Wie soll das funktionieren? Einen neuen Vorschlag legte jetzt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer auf den Tisch. Er fordert eine zusätzliche Steuer von einem Cent pro Liter auf Diesel und Benzin von allen Autofahrern. Diese Sonderabgabe ergibt nach seiner Rechnung Einnahmen in Höhe von rund 650 Millionen Euro pro Jahr, also fast zwei Milliarden Euro innerhalb von drei Jahren.

Mit "Ein Cent für Elektro-Mobilität" bekomme Deutschland finanzielle Mittel, um international eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet zu übernehmen, argumentierte Dudenhöffer jetzt auf einer Veranstaltung an der Uni Duisburg-Essen. Das Geld soll unter anderem in den Aufbau von Strom-Tankstellen fließen und Prämien für den Kauf von Elektroautos finanzieren.

Dudenhöffer übt zugleich deutlich Kritik: "Im Rest der Welt passiert viel, bei uns passiert viel zu wenig." Weil Elektroautos leise und bei entsprechender Stromerzeugung auch abgasfrei seien, gebe es gerade für Ballungsgebiete große Vorteile. Auch das vom Smog geplagte China gelte als möglicher großer Absatzmarkt. Gerade für die Exportnation Deutschland sei Kompetenz auf dem Gebiet Elektromobilität "systemrelevant", so Dudenhöffer.

Das beurteilt Daimler-Boss Dieter Zetsche ähnlich. Er wolle zwar keine Subventionen fordern, aber: "Wenn die Bundesregierung an ihren Zielen festhält, muss sie aktiv werden. Ohne Kaufprämien wird es nicht gehen." Auch Privilegien wie Sonderparkplätze oder die Nutzung von Busspuren seien hilfreich. "Es geht nicht ums Gewissen, es geht erstmal ums Geld", sagt Zetsche. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass die Bürger schon jetzt viel Geld für Mobilität aufbringen müssten.

Auch Ford-Chef Bernd Mattes hält nichts von weiteren Steuern. Mobilität noch weiter zu verteuern, müsse man sich sehr genau überlegen. Da liege der Ball zunächst bei der Industrie. Diese müsste noch viele Bedenken bei potenziellen Kunden ausräumen. Die Angst vor der zu geringen Reichweite des Elektroautos sei groß. "Viele Kunden tun sich wirklich noch schwer. Sie warten lieber ab", meint Mattes.

Nissan-Deutschlandchef Thomas Hausch hält den Dudenhöffer-Vorschlag für sehr gut: "Wir müssen einen Anschub leisten." Auch Karsten Engel, verantwortlich für den Autobauer BMW in China, lobt den Diskussionsbeitrag.

Er verweist darauf, dass Deutschland beim Absatz von Elektro-Fahrzeugen derzeit deutlich hinter Ländern wie Norwegen, China, den Niederlanden oder dem US-Bundesstaat Kalifornien liege. Deshalb sei es sinnvoll, auch Optionen zu prüfen, die bislang noch nicht auf dem Tisch lagen.

Mit einer Milliarden-Offensive will Audi bei den Elektroautos auf der Überholspur fahren. Bis 2018 wollen die Ingolstädter zwei rein elektrisch angetriebene Serienautos auf den Markt bringen. Audi-Vorstand Rupert Stadler denkt dabei an einen Sportwagen und an einen sportlichen Geländewagen. Für den Audi-Chef müssen sich Elektroautos aber auch auf der Langstrecke behaupten. "Elektroautos mit 150 Kilometer Reichweite werden am Markt einen begrenzten Erfolg haben. 400 bis 450 Kilometer sind Pflicht." (mid)
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