"Ein gefährliches Kirchturmdenken"
Leserbrief

Über die umstrittene Errichtung eines Handelszentrums in Nabburg machte sich ein Leser in der Nachbarstadt Pfreimd Gedanken:

"In Nabburg gibt es also eine Initiative für ein neues Handelszentrum am Stadtrand. Für mich nicht nur ein Beispiel für die Förderung der Verödung der Stadtzentren, sondern eben auch für klassisches Kirchturmdenken.

Da wird ernsthaft gemeint, dass mit diesem Handelszentrum keine Kaufkraft abfließt. Es hat sich scheinbar nicht herumgesprochen, dass nur ein Gesamtvolumen vorhanden ist, das verteilt werden kann. Die Menschen kaufen ja nicht mehr ein, nur weil in Nabburg ein Handelszentrum steht. Es werden nur andere Märkte Kaufkraft verlieren, nicht nur in Nabburg, vor allem auch in Nachbarorten. Wenn man dann liest, man brauche diesen und jenen Markt, nur damit eine andere Kommune ihn nicht kriegt, zeigt eben, dass jeder nur an sich denkt und nicht übergreifend.

Nabburg ist ein kleiner Ort mit 6000 Einwohnern und hat eben nicht mehr die Bedeutung wie früher, als die Menschen nur einen kleinen Radius hatten und oftmals auch kein Auto, um wo anders hinzukommen. Man schwächt die Oberzentren Schwandorf, Weiden und Amberg, wenn jetzt jedes größere Dorf seine eigenen Handelszentren baut, dabei haben diese die Funktion der Einkaufsstädte, sie müssen ja auch Einrichtungen finanzieren, die Bürger von Kommunen wie Nabburg nutzen.

Warum sollte zum Beispiel Kaufland nach Nabburg bauen, welches viel zu groß für diesen Ort ist? Damit zieht man Kaufkraft aus den eigenen Märkten Amberg und Weiden ab und schwächt die Rückkehr nach Schwandorf, hat aber nur eine begrenzte Kaufkraft vor Ort. Der Schwarzenfelder fährt doch lieber nach Schwandorf mit größerem Angebot als nach Nabburg. Der Schmidgadener ist genauso schnell in Amberg. Sollen 6000 Nabburger reichen, um ein Kaufland wirtschaftlich auszulasten und nebenbei noch alle bereits existierenden Märkte in Nabburg?

Das Einzugsgebiet ist doch viel zu gering, da die wichtigen Oberzentren von Nabburg alle nur 20 bis 30 Kilometer entfernt sind. Man muss die Region endlich übergreifend betrachten und seine Oberzentren stärken. Orte wie Nabburg haben eben eine reine Nahversorgerfunktion. Jede Kaufkraft, die zusätzlich nach Nabburg fließen würde, geht wo anders verloren, und wer das will, der fördert ein gefährliches Kirchturmdenken, das nur an den eigenen Ort denkt und nicht an die Region an sich, die nämlich unter so einem Denken nur verlieren kann. Mit der Kirchturmpolitik im Handelswesen schadet man der gesamten Region nur, anstatt ihr zu nützen."

Stefan KreuzeckPfreimd

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