Eine Hand sagt mehr als 1000 Worte

Der Redner fuchtelt nervös mit den Händen, tritt von einem Bein aufs andere und lässt die Schultern hängen. Überzeugend wirkt so ein Auftritt nicht. Wie sieht die richtige Körpersprache im Beruf aus?

(dpa/tmn) Über den ersten Eindruck entscheiden nicht die ersten Worte. Es sind der lasche Händedruck, die sorgenvolle Miene, die verschränkten Arme. Das sagt schon alles. Der Körper verrät viel über einen. Und in der Kommunikation läuft eine Menge ohne Worte ab. "Wir reagieren viel stärker auf die Körpersprache als auf die gesprochene Sprache", erklärt Imme Vogelsang, Imagetrainerin aus Hamburg. Wenn jemand die Hand hochreißt, zucken viele intuitiv zusammen. Und wenn jemand eine Präsentation halten soll und unsicher ist, sieht man ihm das oft an. Dann kann der Vortrag inhaltlich noch so gut sein - er wirkt einfach nicht überzeugend.

Die Dos und Don'ts im Überblick:

Füße nicht vergessen:Schon Kleinigkeiten können den Eindruck verderben, erklärt Vogelsang. Sie beobachte zum Beispiel oft, dass Frauen die Fußspitzen leicht nach innen richten - ein Zeichen für Verlegenheit. Ähnlich verräterisch ist es, wenn ein Fuß zum Ausgang zeigt, erklärt die Kommunikationstrainerin Caroline Krüll aus Berlin, die mehrere Bücher zum Thema Körpersprache geschrieben hat. So eine Fußhaltung ist ein unbewusstes Zeichen dafür, dass der Redner am liebsten den Saal verlassen würde.

Freistoßhaltung:Eine Angewohnheit mancher Männer, die man aus dem Fußball kennt. Die Arme sind vor dem Körper, beide Hände liegen übereinander vor dem Schambereich. Der ungewollte Effekt: "Man guckt den Männern dann zuerst auf den Schritt", erklärt Vogelsang. Denn der Blick gehe immer zuerst dorthin, wo es hell ist. Vor einer dunklen Hose ziehen die Hände daher den Blick auf sich. Berufstätige machen aber auch keine gute Figur, wenn sie die Arme seitlich hängen lassen. "Das sieht aus wie ein flügellahmer Adler."

Hände hinterm Rücken:Das weckt schnell Misstrauen. Denn es erzeugt den Eindruck, jemand habe etwas zu verbergen, erklärt Vogelsang. Ein Reflex, der noch aus Urzeiten stammt. "Wir vermuten dann gleich die Keule hinterm Rücken", erklärt Krüll. Die Hände gehören daher vor den Körper, wo andere sie sehen können.

Stehen ohne Standpunkt: Die Grundregel für die richtige Haltung im Stehen lautet: Kopf hoch, Schultern zurück, Brust raus und Bauch rein. Frauen stellen die Füße dabei oft zu eng zusammen, hat Vogelsang beobachtet. Dadurch machten sie schnell einen wenig standfesten Eindruck. Das führt dazu, dass sie nicht überzeugend wirken, wenn sie ihren Standpunkt darlegen. "Denn Standpunkt kommt von Stehen." Noch schlimmer: Mit den Füßen über Kreuz stehen. "Das hat so etwas Niedliches." Männer stünden dagegen häufig zu breit. "Das wirkt schnell machomäßig." Am besten stehen die Füße daher hüftbreit, die Fußspitzen sind leicht nach außen gedreht. "Also bloß nicht wie Donald Duck oder Charlie Chaplin", sagt Krüll.

Sitzen ohne Haltung: Am besten sitzen Berufstätige aufrecht und mittig auf dem Stuhl, erklärt Carolin Lüdemann, Business-Coach aus Flein bei Heilbronn. Die Ellbogen kommen auf die Lehne oder den Tisch - so nimmt man mehr Raum ein. Frauen machten oft den Fehler, dass sie sich vom Oberkörper her zu schmal machten. "Dann bleibt optisch nicht mehr viel von ihnen übrig." Frauen dürften dabei ruhig die Beine übereinanderschlagen, wenn sie einen Rock anhaben. Eine breitbeinige Sitzhaltung sieht sonst komisch aus.

Hand in der Hosentasche: Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat bei Reden oft die linke Hand in die Hosentasche gesteckt. Das ahmen Berufstätige aber besser nicht nach, um lässig zu wirken. Denn es signalisiert: Hier werden Gefühle versteckt, erklärt Krüll. Generell wirkt es schlecht, wenn die Hände unter der Gürtellinie sind, ergänzt Vogelsang. Sie bleiben besser oberhalb der Taille.

Merkel-Raute: Für Angela Merkel ist diese Haltung eine Art Markenzeichen: Beide Hände formen eine Raute. "Im Prinzip ist das von der Höhe der Hände vor dem Körper gut", sagt Vogelsang. Berufstätige sehen damit aber schnell so aus, als wollten sie die Bundeskanzlerin imitieren. Das kann unfreiwillig komisch wirken. Eine Alternative: Beide Hände vor der Körpermitte halten und dabei zum Beispiel eine lose geballte Faust in die nach oben offene andere Hand legen. Das wirkt dynamisch.

Kopf schief halten:"Das machen Frauen oft", sagt Krüll. Es sei aber ein Zeichen von Unterwürfigkeit. "Das ist wie in der Tierwelt, wo sich der Schwächere unterwirft, indem er seine Halsschlagader offenbart", ergänzt Lüdemann. "Und es signalisiert ein Gefallen-Wollen." Es wirke daher wenig überzeugend, wenn die Frau mit dieser Haltung ihren Standpunkt durchsetzen will.

Dauergrinsen: Ein Lächeln kommt immer gut an? Von wegen - im Beruf ist es nicht immer das richtige Signal. Das gelte etwa in einer Gehaltsverhandlung mit dem Chef, erklärt Krüll. Hier passt ein Lächeln nicht zum Ernst der Situation. "Und mit Nettsein kommt man da nicht weiter."
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