Eine heiße Entscheidung

Wer ein Haus baut oder ein altes saniert, muss sich entscheiden: Wird über den Fußboden oder einen Heizkörper im Raum geheizt? Beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

(dpa/tmn) Eine Fußbodenheizung ist unsichtbar und sorgt für wohlig warme Fußsohlen. Viele Bauherren entscheiden sich heute für diese Heizvariante. Doch welche Vor- und Nachteile hat das System tatsächlich gegenüber einer Radiatorheizung?

Kosten: Laut einer Studie der Freien Universität Berlin im Auftrag des Bundesverbands Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF) in Hagen ist eine Fußbodenheizung nicht unbedingt teurer als eine Radiatorheizung. "Material- und Arbeitskosten sind annähernd gleich", sagt BVF-Geschäftsführer Joachim Plate. Falls es Mehrkosten gibt, sollte der Bauherr sich erkundigen, wie diese zustande kommen.

Einbau etwas teuerer

Ähnlich sieht das Matthias Wagnitz vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK): "Der Einbau ist etwas teurer, aber gerade beim Neubau ist das nicht gravierend." Der höhere Preis für Fußbodenheizungen gehe etwa auf die Dämmung zurück, die im Preis einkalkuliert ist. Bei einer Radiatorheizung spielt diese zum Beispiel in die Kalkulation des Estrichlegers hinein, was dessen Arbeit verteuert.

Optik: Eine Fußbodenheizung sieht man nicht. Plate rät zum Beispiel daher zu dieser Heizart bei raumhohen Fenstern. "Heizkörper müssen regelmäßig gereinigt werden, das entfällt bei Fußbodenheizungen", ergänzt Wagnitz. Der Anblick scheint die meisten aber nicht zu stören: Laut einer ZVSHK-Umfrage wünschen sich nur rund zehn Prozent der Befragten kleinere Heizkörper. Allerdings können diese sogar bewusster Hingucker im Raum sein: Manche Designermodelle wirken wie Kunstwerke.

Einbau: Der Kessel einer Radiatorheizung nimmt relativ viel Platz ein, der Einbau ist allerdings leicht. Das gilt auch für das Verlegen von Fußbodenheizungen im Neubau: Auf den Rohbeton wird eine Wärme- und Trittschalldämmung verlegt, darauf kommen die Leitungen der Fußbodenheizung, ehe der Estrich aufgebracht wird, erklärt Plate.

"In einem bewohnten Altbau eine Fußbodenheizung nachzurüsten, ist möglich, aber sehr aufwendig", sagt Wagner. Entweder muss der Fußbodenaufbau um mehrere Zentimeter erhöht oder entsprechende Kanäle in den Fußboden gefräst werden, die die Rohre aufnehmen. Hier kann es sich unter Umständen eher anbieten, eine Wandheizung einzubauen, erklärt Plate.

Auch Birgit Holfert (Verbraucherzentrale Energieberatung) rät, abzuwägen, ob eine Nachrüstung im Altbau Sinn macht. "Ob einem das wert ist, hängt von der eigenen Befindlichkeit ab." Denn der Aufwand sei recht hoch, beide Heizsysteme haben ihre Berechtigung. "Vor dem Verlegen einer Fußbodenheizung muss man sich auch im Klaren sein, welchen Fußbodenbelag man wählt", erklärt die Exertin. Wenn es zum Beispiel Kork oder Holz sein soll, ist eine spezielle Fußbodenheizung nötig.

Systeme nicht mischen

Wagnitz rät davon ab, beide Systeme zu mischen, also eine Radiatorenheizung zu wählen und obendrein Rohre zur Fußbodenerwärmung im Bad zu verlegen. "Das ist nicht effizient. Außerdem lässt sich die Temperatur nur schwer kontrollieren, und es wird im Raum möglicherweise zu warm", erklärt er. Wer unbedingt beide Systeme einbauen will, sollte allenfalls etagenweise mischen.

Wartung: Die Kunststoffrohre von Fußbodenheizungen haben bei ordnungsgemäßem Betrieb eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren, erklärt Wagnitz. Entgegen mancher landläufiger Befürchtungen altern sie nicht so leicht, weil das System nur mit geringen Temperaturen und wenig Druck betrieben wird. "Wichtig ist, dass man Material verwendet, in das kein Sauerstoff hineindiffundiert", ergänzt Holfert.

"Sonst kann es schon nach ein oder zwei Jahren in den Rohren zur Verschlammung kommen." Das wird dann teuer. Deshalb sollte man sich beim Material nicht an den niedrigsten Preisen orientieren. Der Aufwand zum Austausch der Rohre ist bei der Flächenheizung höher als bei einer Radiatorheizung.

Effizienz: Fußbodenheizungen sind effizienter als Radiatoren. "In Neubauten mit Wärmepumpen oder Solarkollektoren kommt man an ihnen nicht vorbei", sagt Holfert. Flächenheizungen können schon bei niedriger Temperatur betrieben werden. Sie benötigten lediglich eine Vorlauftemperatur von 30 bis 35 Grad. "Um die gleiche Heizleistung bei Radiatoren zu erzeugen, braucht man eine Vorlauftemperatur von 50 bis 60 Grad, denn die Oberfläche des Heizkörpers ist viel kleiner", erklärt die Expertin. Dementsprechend sind Fußbodenheizungen ökologisch vorteilhaft und auch gut für den eigenen Geldbeutel. "Rund zehn Prozent Betriebskosten lassen sich so einsparen", sagt Plate.

Wohlfühlgefühl: Hier gibt es verschiedene Ansichten: Der Branchenvertreter Plate findet die thermische Behaglichkeit bei Flächenheizungen größer. "Wenn die Raumumschließung warm ist, empfindet man die Raumluft insgesamt als wärmer." Bis zu zwei Grad kühler könne es im Raum sein, man empfinde es aber gleich behaglich. Außerdem sei die Raum-Luft-Strömung bei Fußbodenheizungen besser, denn sie verströmen die Wärme über den Boden gleichmäßig nach oben. Bei Heizkörpern gebe es dagegen partielle Luftbewegungen.

Schnellere Reaktion

"Der Vorteil von Radiatoren ist jedoch, dass sie viel schneller reagieren", sagt Holfert. Es wird also zügiger warm. Da die Fußbodenheizung eine große Fläche hat und der mehrere Zentimeter starke Estrich ein großer Speicherkörper ist, ist diese Heizungsart träge. Eine Nachtabsenkung ist kaum möglich, genauso wenig wie schnelles Abschalten an warmen Tagen. "Ehe sich die Fläche abkühlt, dauert es in Neubauten bis zu anderthalb Tage", ergänzt Wagnitz.

"Bei Räumen mit sehr geringem Wärmebedarf und großen Fenstern kann es an sonnigen Wintertagen, wenn die Räume durch die Sonnenstrahlen aufgewärmt werden, schnell zu heiß werden." Abhilfe können hier besonders dünne Estrichschichten schaffen.
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