Einem Virus auf der Spur

Man kann es mit bloßem Auge nicht sehen. Man kann es nicht riechen oder schmecken. Trotzdem ist es da - das HI-Virus. Hans-Georg Kräusslich erforscht es.

Es ist hier nicht wie in einem Kinofilm, erklärt Hans-Georg Kräusslich und lächelt kurz. Hier laufe niemand in so einer Art Raumfahrt-Anzug herum. "Aber viele stellen sich das wohl genau so vor", sagt der Forscher.

Hans-Georg Kräusslich arbeitet in der Stadt Heidelberg. Sie liegt im Bundesland Baden-Württemberg. Seit vielen Jahren erforscht er dort ein besonderes Virus. Das HI-Virus, das eine Krankheit auslöst, die Aids heißt. Das HI-Virus greift bestimmte Zellen im Körper an und macht sie kaputt.

Diese Zellen haben eine wichtige Aufgabe: Sie schützen den Körper des Menschen vor Krankheiten. "Ohne sie können wir im Prinzip nicht überleben", erklärt der Fachmann. Wenn er im Labor arbeitet, dann zieht er sich einen weißen Kittel über - und immer zwei paar Handschuhe. Der Forscher hat bei seiner Arbeit zwar keine Angst. Aber er sagt: "Man muss immer Respekt vor der Gefahr haben".

Die Viren lagern in einem speziellen Sicherheits-Labor. In einem Kühlschrank bei minus 80 Grad Celsius. Die Viren werden dort eingefroren. Sonst würden sie innerhalb kürzester Zeit kaputtgehen. Es dürfen auch nur bestimmte Leute damit arbeiten. Um das Virus untersuchen zu können, brauchen die Forscher besondere Mikroskope. Denn Viren sind superwinzig. Mit einem normalen Mikroskop würde man sie nicht erkennen. Hans-Georg Kräusslich und die anderen Forscher haben eine Methode entwickelt, wie man das Virus besser sichtbar machen kann. Sie bringen es zum Leuchten. Mit Hilfe eines besonderen Stoffes. Diesen entnehmen sie zum Beispiel Korallen oder Quallen, die tief unten im Meer leben.

"So wollen wir noch mehr über das Virus herausfinden. Wir wollen zum Beispiel besser verstehen, wie die einzelnen Schritte bei der Vermehrung ablaufen", erklärt der Experte.

Denn sobald das Virus im Körper ist, beginnt so etwas wie eine große Schlacht. Die Abwehr-Zellen merken, dass etwas nicht stimmt und machen sich in gewisser Weise kampfbereit. Sie wollen den Eindringling abwehren. Dafür produziert der Körper viele zusätzliche Zellen. Das ist für das Virus super. Denn es nistet sich in die Zellen ein und zerstört sie. Je mehr Zellen da sind, desto mehr kann es zerstören.

Lange Zeit bleibt diese Schlacht unentschieden. Der Körper kann das Virus in Schach halten und immer neue Zellen nachliefern. "Aber irgendwann ist der Körper erschöpft. Er kann keine neuen Abwehr-Zellen mehr herstellen", erklärt der Fachmann. Jetzt hat das Virus freie Bahn.

Gegen HIV gibt es mittlerweile verschiedene Medikamente. Sie können das Virus aufhalten oder unterdrücken. Aber komplett zerstören, können sie das Virus nicht. "Wir haben also immer noch kein Heilmittel dagegen", sagt Hans-Georg Kräusslich. Umso wichtiger ist es, dass die Forscher alles daran setzen, dem Virus auf die Spur zu kommen. (dpa)
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