Einwohnerzahl würde noch schneller sinken
Briefe an die Redaktion

Zur Diskussion über die Umlage der Kosten für die millionenschwere Sanierung der Mitterteicher Wasserversorgung schreibt ein Leser:

Sozial ungerecht wäre es, wenn man diejenigen Mitterteicher, die trotz großer Sparanstrengungen mehr Wasser benötigen als andere, über erhöhte Gebühren zusätzlich belasten würde. Das sind Alleinerziehende mit Kindern und Familien mit Kindern. Wer kleine Kinder hat, der weiß, wie oft die Waschmaschine läuft. Deshalb ist der Vorschlag von Bürgermeister Roland Grillmeier (80 Prozent über Beiträge, 20 Prozent über Gebühren) viel sozialer als die Vorschläge der "Verbrauchsbefürworter" mit ihrem Verursacherprinzip.

Es geht ja hier nicht um den Verbrauch eines jeden. Dieser wird schon immer verbrauchsabhängig abgerechnet. Das ist auch in Ordnung so. Es geht hier um die Sanierung der Wasserversorgungsanlage. Die ist ja nicht deshalb sanierungsbedürftig, weil der eine 200 Kubikmeter pro Jahr verbraucht hat und der andere nur 100 Kubikmeter. Im Gegenteil. Für die Wasserleitung und für den Kanal sind die Sparer eher das Problem.

Denn was würde passieren, wenn wir alle unseren Verbrauch enorm senken - und das auch noch bei ständig sinkenden Einwohnerzahlen? Die Gefahr einer Verkeimung in der Wasserleitung würde steigen, ebenfalls würde die Verschlammung des Kanalnetzes zunehmen. Wenn der Durchsatz zu niedrig wird, gehen die Probleme erst richtig los. Dann müsste die Stadt für teures Geld zusätzlich chloren bzw. spülen lassen. Das zahlen wir dann auch wieder.

Das Wasser selbst kostet eigentlich nichts. Bezahlen müssen wir für Förderung, Aufbereitung, Einspeisung und Entsorgung. Diese Kosten sind zu einem erheblichen Teil sogenannte Fixkosten, die sich nicht ändern, auch wenn wir alle sparen. Soll heißen, wenn wir beispielsweise alle nur noch die Hälfte brauchen, wird sich in absehbarer Zeit der Preis pro Kubikmeter in etwa verdoppeln.

Wenn man also jetzt die Kosten der Sanierung auf Gebühren umlegen würde, müsste erstens die Stadt durch die längere Refinanzierung erheblich mehr an Zinsen zahlen und zweitens würde der Wasserpreis so weit ansteigen, dass mancher sich überlegen würde, ob er in Mitterteich bleiben bzw. wirklich nach Mitterteich umziehen soll. Die Einwohnerzahl würde noch schneller sinken.

Franz StinglMitterteich

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