Erdstöße mitten in der Nacht
Italien kommt nicht zur Ruhe

Es ist wohl zugleich eine Katastrophe und ein Wunder: Das neue schwere Erdbeben in Italien zerstört ganze Orte. Aber viele Tote sind nicht zu beklagen. Die Erde hält immer noch nicht still.

Rom. Nach der neuen Erdbebenserie stehen Tausende Menschen in Mittelitalien vor den Trümmern ihrer Existenz. Allerdings kamen sie trotz der schweren Erdstöße am Mittwochabend mit dem Leben davon. Innenminister Angelino Alfano sprach angesichts der Stärke der Beben von einem "Wunder". Hunderte Nachbeben ließen die Menschen in den Dörfern der Bergregion, die schon im August von einem schweren Erdbeben getroffen wurde, nicht zur Ruhe kommen. Mehr als 4000 Menschen sind nach Angaben des Zivilschutzes der Marken obdachlos. Ein Mann starb, allerdings an einem Herzinfarkt. Mehrere Menschen wurden verletzt. Historische Orte und mehrere Kirchen wurden zerstört.

Umzug an die Küste


Obwohl die Erdstöße in den Regionen Marken und Umbrien ähnlich stark waren wie bei dem verheerenden Beben mit 298 Toten vor fast zwei Monaten, schätzte der Zivilschutz die Folgen als weniger schwer ein. Grund dafür könnte sein, dass viele Menschen die Chance hatten, ins Freie zu laufen. Und viele Häuser waren sowieso schon nicht mehr bewohnbar.

Die Regierung in Rom versprach 40 Millionen Euro Soforthilfe. Ministerpräsident Matteo Renzi besuchte am Nachmittag das Erdbebengebiet. Eigentlich geplante Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem wichtigen Referendum über die Verfassungsreform im Dezember sagte er ab, wie die Nachrichtenagentur Ansa schrieb. Papst Franziskus sprach den Menschen im Gebet seine Nähe aus.

Die Menschen sollten nicht in Zelten untergebracht werden, sondern in Hotels und anderen Unterkünften, sagte Zivilschutzchef Fabrizio Curcio. Deshalb überlege man, die Obdachlosen in Richtung Küste zu bringen.

In der Nacht kam es zu etlichen Nachbeben, darunter auch mehrere mit einer Stärke von mehr als 4, teilte die italienische Erdbebenwarte INGV mit. "Mit weiterer Nachbeben-Aktivität ist zu rechnen", sagte Torsten Dahm, Seismologe am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Die beiden Erdstöße hatten eine Stärke von 5,5 und um die 6.
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