Ermittlungen zu Amoklauf in München
Noch mehr Waffen bei Händler aus Marburg

Zollfahnder präsentierten am Mittwoch in Frankfurt eine Metallkiste mit Schusswaffen, die in Köln sichergestellt wurde. Sie gehört dem Mann, der mutmaßlich dem Amokschützen von München eine Waffe verkauft hatte. Mit ihr hat er am 22. Juli neun Menschen und sich selbst getötet. Bild: dpa

Die Ermittler sind sich sicher: Die Waffe für den Amokschützen von München ist nicht die einzige in der Sammlung des mutmaßlichen Verkäufers aus Marburg gewesen. Zudem gibt es über den Attentäter neue Erkenntnisse.

München/Frankfurt. Bei dem in Marburg gefassten Mann, der dem Amokschützen von München die Tatwaffe geliefert haben soll, sind noch weitere Waffen gefunden worden. Der 31-Jährige habe in einer Vernehmung auf eine in einem Waldstück bei Köln vergrabene Kiste hingewiesen. Das sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, Alexander Badle, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Darin seien eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen und Munition gefunden worden.

Verdächtiger bewaffnet


Die Pistole, die der 31-Jährige bei seiner Festnahme am Dienstag auf einem Parkplatz bei sich trug, war illegal. Der arbeitslose Verkäufer habe nach ersten Erkenntnissen seinen Lebensunterhalt mit den illegalen Waffengeschäften finanziert, teilten die Ermittler mit.

Der Marburger sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Zu einem möglichen Strafmaß wollte sich die Staatsanwaltschaft mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. Der Amokläufer von München hat den Angaben zufolge für die Pistole Modell Glock 17 und Munition insgesamt 4350 Euro gezahlt. Der 18-Jährige hatte am 22. Juli neun Menschen und sich selbst getötet, 36 Menschen wurden verletzt.

Der Amokschütze hätte nach den tödlichen Schüssen weitere Menschen umbringen können. "Aber offensichtlich wollte er niemanden mehr töten", sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) am Mittwoch. Den Ermittlungen zufolge war der 18-Jährige am Tatabend unter anderem in ein Wohnhaus gegangen und war dort im Treppenhaus Bewohnern begegnet. "Es hätte mehr Opfer geben können", sagte der Sprecher. Er habe seine Waffe zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr in der Hand gehabt.

Tatort Darknet


Nach Einschätzung der Ermittler verlagert sich der illegale Handel mit Waffen zunehmend ins Internet. Die Täter glaubten, dort im Darknet anonym tätig sein zu können, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Günter Wittig. "Der Erfolg am heutigen Tag zeigt jedoch, dass es nicht so ist", sagte er mit Blick auf die Festnahme in Marburg.

Ausgangspunkt für das Ergreifen des mutmaßlichen Waffenlieferanten waren Ermittlungen gegen einen 62-jährigen Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und einen 17-jährigen Schüler aus Nordhessen, die beide in Verdacht stehen, bei dem Marburger Schusswaffen und Munition erworben zu haben. Es gebe allerdings keine Erkenntnisse, dass der Jugendliche die Waffen, die bei ihm gefunden wurden, habe einsetzen wollen. Er habe in einem "normalen sozialen Umfeld" gelebt.
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