Erst mal Deutsch lernen

Schule kann manchmal echt schwer sein. Doch wie ist es erst, wenn man in der Schule kein Wort versteht? So geht es vielen Kindern in Deutschland, die aus einem anderen Land hierhergekommen sind.

Ihr Land haben sie zum Beispiel verlassen, weil dort Krieg herrscht. Oder weil ihre Eltern in der Heimat keine Arbeit finden.

Schule muss sein

Viele dieser Kinder sprechen kein Deutsch, wenn sie bei uns eintreffen. Zur Schule müssen sie trotzdem gehen. Aber wie funktioniert das? "In Deutschland ist das ganz unterschiedlich geregelt", sagt Sabine Rutten. Sie kümmert sich in Schleswig-Holstein um Kinder und Jugendliche aus anderen Ländern, die kein Deutsch können.

"Bevor die Kinder in die Schule kommen, lernen sie bei uns häufig erst einmal Deutsch." Das geschieht in normalen Schulen in einem besonderen Unterricht. Er ist dort anders als etwa der Unterricht in der Grundschule. "Dafür braucht man Lehrer, die wissen, welche Probleme die deutsche Sprache den Menschen bereitet, deren Muttersprache eine andere ist", sagt die Fachfrau.

In der deutschen Sprache gibt es nämlich Dinge, die es in anderen Sprachen nicht gibt. Die Artikel der, die, das etwa. Für Deutsche sind sie normal. In anderen Sprachen kennt man das aber gar nicht. Darauf muss der Lehrer eingehen können.

"Viele Kinder bei uns wissen überhaupt nicht, wie Schule funktioniert. Sie haben zum Beispiel keine Schule besucht, weil sie auf der Flucht waren", berichtet die Lehrerin. Diese Kinder müssen lernen, dass der Unterricht zu einer bestimmten Zeit anfängt. Oder dass es Pausen gibt.

Außerdem haben manche Schüler von Sabine Rutten in ihrer Heimat oder auf der Flucht schlimme Dinge erlebt. Sie haben etwa mit ansehen müssen, wie Menschen getötet wurden. Auch darauf müssen die Lehrer eingehen können.

Schwerer Wechsel

Wenn die Kinder mehrere Wochen Deutsch gelernt haben, wechseln sie in Schleswig-Holstein in normale Klassen. "Das ist für viele dann erst einmal sehr schwer", sagt Sabine Rutten. "Die Kinder sind am Anfang häufig überfordert und manchmal auch verzweifelt." Denn sie verstehen Lehrer und Mitschüler zwar in den Pausen. Aber im Unterricht können sie noch nicht so mitarbeiten. Deswegen lernen die Kinder weiterhin Deutsch, etwa am Nachmittag.

Viele Kinder schaffen es aber: Sie machen einen Schulabschluss! Sabine Rutten wurde sogar schon von Sprachschülern zur Abiturfeier eingeladen. "Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut." (dpa)
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