Es muss sich was bewegen
Briefe an die Redaktion

Vor dem Bürgerentscheid bewegt das geplante Gewerbegebiet West IV die Leser:

Künftig wird man nicht mehr vom Hirschauer Stück'l, sondern vom Weid'ner Stück'l sprechen, sollte die Entscheidung gegen das Gewerbegebiet fallen. Die Gegenargumente: Gassigeher wissen nicht mehr wohin, Artensterben, Frischluftschneise, Hochwassergefahr und, und, und sollen ein Gewerbegebiet verhindern, das dringend benötigte Arbeitsplätze bringen soll. Dafür bauen wir dann die A 93 nach München (übrigens jetzt schon die einwohnermäßig größte Oberpfälzer Stadt) sechsspurig aus, damit die Nordbayern mit den Sachsen und Thüringern ihr Wochenendrennen abhalten müssen. Ist dann der CO2-Ausstoß geringer?

Nach sechs Jahren München mit unbezahlbaren Mieten kann ich, wie so viele, ein Lied davon singen, wie wichtig es für die Jugend und die rückkehrwilligen Weidener und Landkreisbürger wäre, wenn sich hier etwas bewegen würde. Bis die von Frau Schuhmacher vorgeschlagenen u.a. bleiverseuchten und aus anderen Gründen unbrauchbaren Industriebrachen recycelt werden können (weder von Altenstadt, Neustadt noch vom Landkreis bezahlbar), werden wir ein Endlager in unser dünn besiedeltes Gebiet bekommen.

Dann wandert sowieso alles ab, einschließlich Schwarzstorch und Fledermaus. Hier wären die Gegner gefragt. Bieten die Firmen Witt, Post, Der Neue Tag, Rank, Friedmann, i.s.a., ATU etc. keine vernünftigen Arbeitsplätze, die den Menschen in unserer Region nutzen? Ein weiterer Naturschützer sprach hier von prekären Arbeitsplätzen. Ich finde, die haben schon Qualität, Frau Schumacher.

Die angesprochene Lebensqualität wird nicht mehr bezahlbar sein, wenn nichts dazukommt. Man will die besten Ärzte, Schulen, Professoren für die Hochschule, Theater, Freizeitzentren... Das wird es ohne Geld nicht geben. Der Staat kann das nicht stemmen. Das Geld hierfür kommt woanders her. Nur wenn es wirtschaftlich vorwärts geht, kann hier auch Lebensqualität erhalten bzw. gesichert werden. Ich kann nur an alle Stimmberechtigten (schade, dass der Landkreis nicht mit abstimmen darf) appellieren, für West IV zu stimmen, sonst werden, wie Lothar Höher sagt, die Bürgersteige nach oben geklappt. Weiden-West wird dann bis zum Waldfriedhof zurückgebaut, dass die Bodenbrüter mehr Platz finden!

Manfred Kick Püchersreuth

Zu viele offene Fragen

Ich habe Verständnis für die Nöte der Kommunalpolitiker. Was wurde den Kommunen in den letzten Jahren nicht alles aufgehalst an finanziellen Belastungen! Händeringend suchen sie nach Einnahmequellen. Da werden dann eben, wie wir es in Weiden seit Wochen erlebt haben, lange Listen von Streichungen, Gebührenerhöhungen, Schließungsplänen usw. ersonnen, um Ausgaben einzusparen. Und ergänzend werden Pläne entwickelt, um durch Industrie- und Gewerbeansiedlungen wie Weiden-West IV neue Steuereinnahmequellen zu erschließen.

Fragt sich nur, wieso für den Ankauf eines "Ausgleichswaldes" in Franken (für die geplante Abholzorgie in Weiden) und für die geplante Erschließung von West IV trotz aller finanziellen Engpässe offenbar genügend Geld vorhanden ist. Oder gibt es vielleicht doch einen Geheimvertrag mit einem privaten Investor, der dem Stadtrat zunächst die Pflichten und Unkosten der Erschließung sowie später das Recht der Entscheidung über die Vergabe der Gewerbeflächen abnimmt?

Ich habe insbesondere auch Verständnis für die Lage der SPD-Stadtratsfraktion. Soll sie sich gegen ein Vorhaben, "Arbeitsplätze zu schaffen", stemmen, das offenbar bereits 2008 "durch eine kleine Gebietsreform" (Tausch von West IV gegen ein Gewerbegebiet bei Altenstadt, d.h. nun zum Landkreis Neustadt gehörig) von langer CSU-Hand vorbereitet wurde? Muss sie sich da nicht selbst mit einem beispiellosen Werbetrommelfeuer, Dieter Hildebrandts "Scheibenwischer" posthum von Kritik zu Propaganda verdrehend, geradezu nach vorne peitschen, um Einigkeit und die angebliche Alternativlosigkeit zu dokumentieren?

Fragt sich nur, ob die Idee, diese Entscheidung durch ein "Gemeindereferendum" (ursprünglich ein Element basisdemokratischen Engagements, in Weiden wohl eher Akklamationsfarce) zusätzlich bestätigen zu lassen, nicht doch ein Indiz für die Selbstzweifel und das geheime Unbehagen vieler Genossen an dieser großen Koalition von Naturvernichtung ist. Und ob nicht so manche(r) von ihnen klammheimlich sehr erleichtert wäre, wenn die notwendigen 20 Prozent an Unterstützern des Brachialprojekts verfehlt würden.

Nicht zuletzt habe ich Verständnis für eine gewisse Ratlosigkeit in Rathaus und Stadtrat, wo hautnah erlebt wird, dass es - frei nach Theodor W. Adorno - im vollen Wortsinn "richtige" politische Entscheidungen im falschen Rahmen einer kapitalistischen Wirtschaftsdiktatur des Lobbyismus gar nicht geben kann. Da versucht man dann eben, möglichst erfolgreich mitzumischen im Wettlauf um Wachstum, auch wenn dabei Natur und Heimat, letztlich unser wertvollstes Kapital, nicht Gassi, sondern vor die Hunde gehen. Fragt sich nur, wann die Natur selbst uns irgendwann zu der Einsicht zwingt, dass die Gebiete mit dem größten Wachstumspotential auf dieser Erde gemeinhin als Wüsten bezeichnet werden. Und vielleicht auch, ob hinterher nicht jemand, der den geballten Unmut über das Ergebnis abbekommen wird, plötzlich merkt, dass er in ein offenes Messer gelaufen ist. Ich jedenfalls hoffe und setze für den 9. November 2014 auf die Liebe vieler Weidener zu ihrer Heimat und Natur, auf die Trägheit der anderen und auf möglichst schlechtes Wetter.

Dr. Hansjörg BergmannWeiden

Das macht misstrauisch

Als wir die Artikel "Ein ökologisches Gewerbegebiet" und "Pro und Contra", (4. 11. 2014) beim Frühstück lasen, fragten wir uns, ob es der Regenwurm aus dem Waldboden wohl auf das begrünte Dach des Industriebetriebes schaffen würde, so es dieses denn gäbe. Denn wer sollte die Firmen dazu verpflichten, Geld für ökologische Maßnahmen zu verwenden, auch wenn dies vorab pauschal zugesagt wird? Wer definiert, wodurch "die ökologischen Belange bestmöglich" berücksichtigt sind? Selbst wenn dies gelänge, wäre es doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, den man im Übrigen auch in bestehenden Gewerbeansiedlungen ausgießen könnte.

Sollte das Gewerbegebiet erschlossen werden, erschließt sich mir außerdem nicht, warum dies "unter Gesichtspunkten der artenschutzrechtlichen Prüfung als verträglich einzustufen ist". Werden die Befürworter selbst mit Eimer und Schaufel anrücken, um die Tier- und Pflanzenwelt umzusiedeln? Und wohin, wenn natürliche Lebensräume verschwinden? Wohin gehen die Menschen, wenn sie Ruhe und Erholung suchen? Werden die Bürger, die dieses Naherholungsgebiet nutzen, künftig freudig durch ein Gewerbegebiet wandeln, in dem noch ein paar Bäume um die Parkplätze stehen? Die gegenwärtige Werbekampagne für West IV ist so massiv, dass sie misstrauisch macht. In Neustadt wurde beispielsweise kürzlich ein teures Parkhaus gebaut, das, wie man uns sagte, unbedingt gebraucht wurde. Wer mag, geht einmal dort spazieren, zwischen Stadtplatz und Naab: Das Parkhaus steht beinahe leer.

Irmi Eckel Weiden

Vernunft sagt: Nein

Der Artikel "Hingehen und abstimmen" (30. 10. 2014) zeigt der Bevölkerung nur Argumente für die Notwendigkeit des neuen Gewerbegebietes. Hier wird es als unverzichtbar für das wirtschaftliche Wachstum Weidens betrachtet, ökologisch fundierte Kritik dagegen mit dem Blockieren der wirtschaftlichen Entwicklung gleichgesetzt. Da stellen sich durchaus die Fragen, ob Ökonomie und Ökologie wirklich so unvereinbar sein müssen und ob die Gegner des Gewerbegebietes wirklich und automatisch gegen das Wohl der Stadt eingestellt sind. Umweltschützer und Kritiker als "infam" zu bezeichnen, laut Aussage des Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch, hinterlässt einen mehr als unangenehmen Eindruck.

Mit "Infamie" wird ein ehrloses, bösartiges, sogar teuflisches Handeln bezeichnet. Franz Josef Strauß wäre stolz auf die Genossen der SPD. Wir leben in einer Demokratie, in der freie Meinungsäußerung gefragt ist und ernst genommen werden muss. Es ist nicht fair, Menschen mit einer anderen Meinung in diese Ecke zu stellen. Wo es doch gerade diesen Menschen zu verdanken ist, dass keine "ungefährliche Fahrradspeichenfabrik" in Wackersdorf gebaut wurde.

Auch, anders als im Artikel dargestellt, ist die Verkehrssituation alles andere als optimal. Die Autobahnauffahrt um das neue Gewerbegebiet ist schon jetzt überlastet. Das Verkehrsaufkommen von Neunkirchen wird sich erhöhen, der Durchgangsverkehr in Latsch steigen. Somit ist der zunehmende Verkehr nur eines der Folgeprobleme. Hinsichtlich verkehrspolitischer Entscheidungen erfordert es sehr viel Fingerspitzengefühl und Weitsicht. Aber dafür gibt es schließlich teuere Gutachten aus Aachen, welche die Situation bestimmt nicht grade verbessern werden.

Die im Artikel ebenfalls erwähnte Berücksichtigung von Umwelt- und Artenschutz erfordert zusätzlich Zeit und Geld. Das angeführte schnelle Reagieren der Stadt auf Anfragen von Unternehmen ist somit nicht ad hoc erfüllbar. Für die zu rodenden Flächen müssen adäquate Ausgleichsflächen erstanden und aufgeforstet werden. 700 000 Quadratmeter Waldfläche zu roden und versiegeln ist ein gewaltiger Schritt. Da dürfen die Dollarzeichen in den Augen nicht die Sicht auf Vernunft einschränken. Ein Verzicht auf dieses Gewerbegebiet muss bestimmt kein Rückschritt sein und ökologisches Denken auch keine Zerstörung unserer Stadt und unserer Zukunft bedeuten. Also mein Appell: hingehen und mit Vernunft abstimmen - oder mit Vollgas in die Klimakatastrophe. Kinder und Enkel werden es uns danken, wenn sie auf gut ausgebauten Gleisen dort hinkommen!

Franz ZielinskiWeiden

Dank der Vereine

Zur Unterbringung von Flüchtlingen in der Mehrzweckhalle schreibt der Vorsitzende des FC Weiden-Ost:

Ich darf mich im Namen des FC Weiden-Ost und der SpVgg SV Weiden bei den beiden Bürgermeistern Jens Meyer und Lothar Höher bedanken, denn ohne sie würden jetzt unsere Vereine mit ihren Kindern und Jugendlichen auf der Straße stehen - oder kurz vor einer Pleite. Es war nicht leicht für die beiden, man sah letzten Mittwoch die große Resonanz der Vereine, die mit bangen Blicken den Bürgermeistern spannend lauschten. Es war klar, die Kriegsflüchtlinge mussten untergebracht werden, und es war wieder einmal ein Schachzug der beiden. Daher nochmals Danke von allen betroffenen Weidener Vereinen.

Franz BäumlerWeiden

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