Europäischen Impfwoche
Impf-Lücken zu groß

Mit der Europäischen Impfwoche, die noch bis zum 30. April 2016 dauert, soll für rechtzeitige Impfungen geworben werden. Bild: dpa

Viele Deutsche sind ImpfMuffel. Eigentlich glaubte man Masern ausgerottet. Doch dann kam die vermeintliche Kinderkrankheit wieder zurück - sehr zum Ärger von Gesundheitsminister Gröhe.

Berlin. Nach dem Masern-Ausbruch im vergangenen Jahr lassen sich die Deutschen wieder mehr gegen die ansteckende Krankheit impfen. Doch seien die Impf-Lücken noch immer zu groß, beklagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) am Montag in Berlin. "Wir brauchen jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung der Ärzte, Schulen, Kitas, der Betriebe und natürlich auch der Familien, damit Masern in Deutschland der Vergangenheit angehören."

"Impf-Lücken schließen" ist auch das Motto der laufenden Europäischen Impfwoche bis zum 30. April. Wie die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin mitteilte, sind 2015 für fast 1,2 Milliarden Euro Impfstoffe gegen Grippeviren, Gebärmutterhalskrebs oder Kinderkrankheiten an Ärzte abgegeben worden. Der Umsatz legte demnach 2014 auf 2015 von 1,07 Milliarden um 10 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro zu. Besonders auffällig war der 50-prozentige Umsatzanstieg bei Impfungen gegen Masern von 95 auf 142 Millionen Euro.

Masern: Quote nicht erreicht


Die für eine Ausrottung der Masern erforderliche Impfquote von 95 Prozent werde in Deutschland bislang aber nur in einzelnen Bundesländern erreicht, sagt Gröhe. 2014 hatten den Angaben zufolge deutschlandweit nur 92,8 Prozent der Schulanfänger die maßgebliche zweite Masern-Impfung erhalten. Zudem würden viele Kinder zu spät gegen die Masern geimpft, hieß es beim Robert-Koch-Institut.

Laut ABDA liegen die Impfungen gegen Infektionen auslösende Pneumokokken mit 192 Millionen Euro vor denen gegen Masern (142) und Grippe (121). "Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst und seine Familie, sondern die gesamte Bevölkerung vor Infektionen", sagte ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold.

Nach Angaben des Verbandes forschender Arzneimittel-Hersteller (vfa) sind bisher schon Impfstoffe gegen 27 Krankheiten entwickelt worden. Bis 2019 sollen demnach Impfstoffe gegen acht weitere Krankheiten herausgebracht werden. vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer erläuterte, schon zugelassen, aber noch nicht auf dem Markt sei ein Impfstoff gegen Milzbrand.

Für einen Impfstoff gegen Dengue-Fieber laufe das Zulassungsverfahren. Weit fortgeschritten sei die Entwicklung von Impfstoffen unter anderem gegen Ebola, den Krankenhauskeim MRSA, einen bestimmten Darmkeim und gegen Viren, die vor allem Organtransplantierte gefährden. Auch gegen Tuberkulose könnte noch in diesem Jahrzehnt ein Impfstoff kommen, sagte Fischer.
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