Experten für Dielen und Co.

Ein Parkettboden kann aus einer eher durchschnittlichen Wohnung einen Hingucker machen. Doch bis ein Fischgrätmuster den Wohnzimmerfußboden ziert, leisten Parkettleger Knochenarbeit. Wer sich für den Beruf interessiert, braucht mehr, als nur Liebe zu Holz.

(dpa/tmn) Parkettleger legen nicht immer Parkett. Manchmal bringen sie auch Linoleum auf den Boden. Oder Teppich, PVC und Laminat. Oder es steht sogar ein schwingender Untergrund für eine Sporthalle auf dem Terminkalender. Wie die verschiedenen Bodenbeläge zu behandeln sind, ist Gegenstand der Parkettleger-Lehre, erklärt Tobias Michalak vom Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik. Das Augenmerk liegt aber auf dem echten Holzboden: Das sei das Kerngeschäft, sagt Stephan Doll vom Landesinnungsverband Parkettlegerhandwerk und Fußbodentechnik Bayern.

Parkettleger sind die Experten, wenn es um alte Dielen und Co. geht. Für die anderen Beläge kommen häufig auch Bodenleger zum Einsatz - ein Ausbildungsberuf mit großen Überschneidungen zum Parkettleger.

2012 starteten laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 273 Jugendliche in die Lehre zum Parkettleger. Die meisten Azubis gibt es in Bayern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Bislang ist der Beruf männerdominiert: Von den 705 Azubis, die es 2012 gab, waren nur 6 weiblich.

Gestalterisches Talent

Ausmessen, sägen, schleifen, versiegeln, wachsen, ölen - das sind die Hauptaufgaben von Parkettlegern. Bevor sie damit anfangen können, müssen sie erst einmal den Raum unter die Lupe nehmen und beurteilen: Kann hier überhaupt Parkett liegen? Dafür messen sie zum Beispiel die Luftfeuchtigkeit, erklärt Jorg-Günther Grunwald vom BIBB. Und sie schauen sich den Untergrund genau an: Hat der Estrich Risse oder Löcher?

Wenn ja, müssen sie den Untergrund erst glätten. Dann kommen die Holzexperten mit ihrem Fachwissen zum Zug: Welche Holzart eignet sich für den Raum? Um das zu beantworten, müssten die Parkettleger in Erfahrung bringen, wofür der Raum später genutzt werden soll, erklärt Doll von Landesinnungsverband. In einem Badezimmer dürften zum Beispiel nur bestimmte Holzarten verlegt werden. Und für Räume, durch die viele Menschen mit Schuhen gehen, ist womöglich Massivholz besser. Das gilt etwa für Geschäfte.

Für die Wahl und das Verlegen des Musters brauchen Parkettleger Kreativität und Kommunikationsfähigkeit. Sie müssen die Wünsche des Kunden verstehen und umsetzen können. Das gilt zum Beispiel, wenn der sagt: "Ich möchte ein Fischgrät mit einem Schachbrett in der Mitte". Für eigene Vorschläge brauchen sie gestalterisches Talent.

Mathematik sollte angehenden Lehrlingen Spaß machen. "Wir brauchen jetzt niemanden, der Gleichungen mit drei Unbekannten ausrechnen kann", beruhigt Doll. Aber Flächen berechnen zu können, gehört zum Job dazu. Genau wie die Mengenberechnung: Wie viel Parkett wird für diesen Raum benötigt? Rechenfehler können in diesem Fall Geld kosten. Wichtig ist weiter, dass Auszubildende genau beobachten. Dazu gehört zum Beispiel, Materialfehler oder feine Farbunterschiede im Parkett zu erkennen und die entsprechenden Hölzer auszusortieren. Außerdem brauchen sie eine gute Koordination zwischen Augen und Händen. Eine besondere Rolle spielt diese Genauigkeit zum Beispiel, wenn die Fachkräfte Parkettstücke zurechtsägen.

Sport als Ausgleich

Und noch etwas ist Voraussetzung, an das manche Bewerber vielleicht nicht denken: körperliche Fitness. Ideal wäre es, wenn der Lehrling einen Ausgleichssport macht, sagt Doll. Parkettleger verbringen rund 80 Prozent ihrer Arbeitszeit auf den Knien, schätzt Michalak. Mit einem kaputten Rücken oder kaputten Knien wird das schwer. Michalak rät zum Beispiel zum Schwimmen als Ausgleich.

Wer die Ausbildung zum Parkettleger erfolgreich mit der Gesellenprüfung beendet hat, kann den Meister erwerben. Ein Muss ist das aber nicht, um sich selbstständig zu machen. Der Beruf sei nicht zulassungspflichtig, sagt Grunwald. Um sich selbstständig zu machen, müssen Parkettleger fünf Jahre als Geselle gearbeitet haben, fügt Michalak hinzu. Um im eigenen Betrieb ausbilden zu können, brauchen Gesellen einen Ausbilderschein. Einen Meister zu haben, bringt Vorteile mit sich. Michalak sagt: "Beim Kunden ist es nach wie vor im Kopf: Wenn ein Meisterbrief da ist, steht das für Qualität." Deshalb würden viele den Meister noch machen.

Eine andere Weiterbildungsmaßnahme ist der sogenannte Fachbauleiter, sagt Michalak. Das sei eine Zwischenstufe zwischen Geselle und Meister, bei der zum Beispiel bauphysikalische Grundsätze gelernt werden. Oder die Gesellen entscheiden sich nach ihrer Prüfung für die Restauratorenschule: Dort werden sie geprüfte Restauratoren im Parkettlegerhandwerk, erklärt Michalak.

Frage aller Fragen

Als Berufseinsteiger können Parkettleger mit einem Nettogehalt von etwa 1500 Euro pro Monat rechnen, wenn sie fest angestellt sind, schätzt Michalak. Die Berufsaussichten seien laut Doll gut. Es gebe bundesweit eine Nachfrage nach Parkettlegern. Michalak geht von einer Übernahmequote um 80 Prozent aus. Die Aussichten hängen stark von der Baukonjunktur und den Kundenwünschen ab, schränkt Grunwald ein. Die Frage aller Fragen lautet also: Ist Parkettboden momentan im Trend?
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