Experten warnen
Private Vorsorge für Wetterextreme nicht vernachlässigen

Wochenlangen Trockenheit oder Starkregen: Der Klimawandel wird auch Deutschland treffen. Experten warnen davor, sich bei der Vorsorge allein auf den Staat zu verlassen.

Berlin. Die Menschen in Deutschland sollten sich mehr gegen Wetterextreme wappnen. Das forderten Experten am Montag in Berlin bei einer Wetterbilanz des Deutschen Klima-Konsortiums (DKK). "Wir werden in einem sich ändernden Klima erhebliche Eigenvorsorge brauchen", sagte Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Ein jeder Häuslebauer müsse selbst prüfen, ob sein Haus tauglich sei, sagte Becker. Es sei angebracht, sich für den Fall, dass die Versorgung nicht mehr funktioniere, Vorräte zuzulegen. Zwei Kisten Trinkwasser seien beispielsweise sinnvoll, sagte Becker - auch mit Blick auf ähnliche Vorschläge der Bundesregierung.

Trinkwasser im Vorrat


Die hatte im August ein neues Konzept zur zivilen Verteidigung verabschiedet und damit für Wirbel gesorgt. Das Land soll besser auf Bedrohungen durch Terror, Cyberattacken und Angriffe auf sensible Infrastruktur wie die Trinkwasser- oder Energieversorgung vorbereitet sein.

Das Konzept sieht auch vor, dass Bürger zu Hause bestimmte Mengen an Trinkwasser und Nahrungsmitteln vorhalten. Es sei auch wichtig zu lernen, wie man sich bei Überschwemmungen verhält, sagte Becker. Das könnte bereits Schülern beigebracht werden. Es gehe um eine neue Kultur des Umgangs mit Naturgefahren, von denen es künftig mehr geben werde. Auch Kommunen müssten sich verstärkt auf extreme Wetterlagen vorbereiten, sagte die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger.

Von Juni bis August 2016 war es global gesehen so warm wie nie zuvor in diesem Zeitraum seit Beginn der Aufzeichnungen, sagte Klima-Experte Becker. Er erwarte sogar das wärmste Jahr seit 1880. "Wir stecken mitten im Klimawandel." Hierzulande gab es von Juni bis August aber keine starken Auffälligkeiten bei Temperaturen.

Starkregen im Frühjahr


Als "hochdramatisch" bezeichnete Becker Starkregenereignisse mit deutlich mehr als 100 Litern Regen pro Quadratmeter und Stunde, von denen manche Regionen im Frühsommer heimgesucht wurden. "Wir müssen damit rechnen, dass eine solche Wetterlage häufiger auftritt." Sehr hohe Niederschlagsmengen seien nahezu an jedem Ort möglich.

Wir werden in einem sich ändernden Klima erhebliche Eigenvorsorge brauchen.Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes
1 Kommentar
98
Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 16.09.2016 | 00:42  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.