Experten warnen vor schweren Verletzungen durch verbotene Knallkörper
Gefährliche Bummheit

Finger in Fetzen: Heidrun Fink von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zeigt das Modell einer Hand nach der Explosion eines Knallkörpers. Bild: dpa

Sie sehen eigentlich harmlos aus, ähnlich wie die üblichen Silvester-Böller. Aber verbotene und eingeschmuggelte Knallkörper können bei der Explosion schwere Verletzungen an Fingern und Händen verursachen. Experten des Bundes schlagen Alarm.

Berlin. "Diese Pyrotechnikartikel können zu erheblichen Verletzungen führen", teilte die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) am Freitag mit. Um sicher zu gehen, sollte man nur geprüftes und in Deutschland zugelassenes Feuerwerk mit einer offiziellen Registriernummer und einer deutschen Gebrauchsanleitung kaufen.

"Bei einem geprüften Knallkörper, der versehentlich in der Hand angezündet wird, kommt es zu leichten Verbrennungen", erklärte die Prüfleiterin der Bundesanstalt, Heidrun Fink. "Der viel brisantere Blitzknallkörper enthält aber nicht Schwarzpulver, sondern ist mit einem viel stärker reagierenden Blitzknallsatz gefüllt. Deshalb kann man schwere Verletzungen erleiden und durchaus einige Finger verlieren." Fachleute der Bundesanstalt zeigten am Freitag bei einer Vorführung mit einer Handattrappe, wie schnell Menschen einen oder mehrere Finger verlieren können, weil sie nicht zugelassene Knallkörper anzünden. Jedes Jahr gibt es in den Tagen vor Silvester und in der Nacht des Jahreswechsels zahlreiche Verletzte, besonders Jugendliche und junge Männer gefährden sich oft selbst. Aber auch unbeteiligte Menschen werden verletzt,.

Obwohl es eine einheitliche EU-Prüfung für Böller und Raketen gibt, sind die gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen von Land zu Land verschieden. Die Bundesanstalt rät deshalb, Feuerwerkskörper nur in Deutschland und nicht im europäischen Ausland zu kaufen und über die Grenze zu bringen. "Für den deutschen Markt bestimmte Knallkörper dürfen maximal sechs Gramm Schwarzpulver enthalten. Beimischungen des bedeutend heftiger reagierenden Blitzknallsatzes darin sind für den üblichen Normverbraucher nicht erlaubt."

Besonders über Osteuropa werden große Mengen von Böllern und anderen Feuerwerkskörpern nach Deutschland geschmuggelt. Hergestellt wurde das meiste in China. Wegen der heftigen und gefährlichen Sprengkraft ist vieles davon in Deutschland verboten. Der Zoll beschlagnahmt derzeit Zehntausende Böller. In Deutschland ist der Verkauf von Feuerwerk nur an den letzten drei Tagen des Jahres erlaubt.

Feuerwerk: Versicherung haftet bei Kindern nicht immerWenn kleine Kinder beim Abfeuern von Raketen andere Personen verletzen oder Gegenstände beschädigen, kann das für die Eltern unangenehm und eventuell auch teuer werden. Denn in Deutschland sind Kinder unter sieben Jahren nicht deliktfähig. "Wenn Kleinkinder etwas anstellen, haften sie dafür nicht", erklärt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale NRW. Streng genommen muss demnach für Schäden auch die Privathaftpflichtversicherung nicht einspringen. Damit am Ende der Geschädigte nicht auf Kosten sitzen bleibt oder die Eltern aus eigener Tasche für Schäden aufkommen müssen, weil sie sich moralisch dazu verpflichtet fühlen, rät Opfermann: "Eltern sollten darauf achten, dass ihr Versicherungstarif alle Familienmitglieder einschließt - also auch deliktunfähige Kinder." (dpa)
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