Exzellente Medizin für die OTH Weiden

Der Studiengang Medizintechnik, den die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden seit vier Jahren anbietet, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt.

Herr Professor Magerl, wie bewerten Sie die Entwicklung des Studienganges Medizintechnik in Weiden innerhalb der vergangenen vier Jahre?

Franz Magerl : Als der Studiengang im Zuge der Ausbauplanung des Freistaats Bayern geplant wurde, war ein eigenständiger Studiengang für Medizintechnik in Bayern Neuland. Neben eigenen Überlegungen kamen auch wichtige Anregungen aus der regionalen Medizintechnikindustrie. Der Studiengang Medizintechnik hat sich ähnlich wie die gesamte Hochschule in Weiden fantastisch entwickelt. Geplant hatten wir mit maximal 100 Studierenden, derzeit sind 150 eingeschrieben. Ideal war auch, dass wir sechs neue Professoren ausschließlich für die Medizintechnik aus der Industrie gewinnen konnten, die Praxis und Lehre verbinden.

Kann denn Weiden mit den sieben anderen Studienorten für Medizintechnik in Bayern, zum Beispiel Erlangen, konkurrieren?

Professor Magerl : Sicherlich, da habe ich überhaupt keine Zweifel. Vielleicht nicht ganz bei den Studentenzahlen, aber ganz gewiss bei der Ausstattung der Räumlichkeiten, insbesondere der Laboratorien und vor allem bei den Professoren. Laboratorien mit einer Fläche von 1100 Quadratmeter und modernste Geräteausstattung konnten in die großzügigen Räumlichkeiten des Weidener Technologie-Campus (WTC) einziehen. Das ist für uns ein Glücksfall, wofür wir der Stadt Weiden sehr dankbar sind. Und unsere Professoren sind allesamt vollständig auf Medizintechnik spezialisiert.

Ich will bestimmt nicht überheblich wirken, aber ich denke, wir sind mit unserer Struktur führend in der Medizintechnik. Zusätzlich kooperieren wir durch das gemeinsame Technologie- und Wissenschaftsnetzwerk Oberpfalz (TWO) mit den Kollegen an der OTH Regensburg in der Lehre und Forschungs- und Entwicklungsprojekten.

Worin liegen die Vorteile für die Region? Müssen die Absolventen nicht hauptsächlich in die Ballungsräume abwandern, wenn sie einen Arbeitsplatz suchen?

Magerl : (lacht) Nein, keineswegs abwandern, das Gegenteil ist der Fall. Wir wollen mit dem anspruchsvollen Studiengang den hochqualifizierten Abiturienten von den Gymnasien und der BOS/FOS berufliche Perspektiven gerade in der Region bieten. Und wir haben zahlreiche und auch renommierte Unternehmen, bei denen unsere Absolventen den Berufseinstieg schaffen.

Ich nenne nur vier Namen: Gerresheimer, Siemens Healthcare, HT Labor+Hospitaltechnik und Scherdel - und vergessen wir nicht die Kliniken Nordoberpfalz. Hierbei kommt schon ein beachtliches Potenzial an Arbeitsplätzen in der Medizintechnik mit unterschiedlichsten Einsatzbereichen zusammen. Übrigens sind auch diese Unternehmen unsere Kooperations- und Forschungspartner, denn bedarfs-und anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung steht für uns im Mittelpunkt. Besonders wichtig sind die Erfahrungen für die Studierenden durch Praktika und Abschlussarbeiten in der Industrie. Mit Begeisterung berichten die Studierenden von der Anwendung des gelernten Wissens in der Praxis.

Auf Ihrer Homepage nennen Sie als Schwerpunkte für Studium und Forschung den Entwicklungsprozess von medizintechnischen Produkten und Systemen. Können Sie dies anhand von Beispielen verdeutlichen?

Magerl : Da gibt es mehrere aktuelle Beispiele. So testen wir derzeit unter sterilen Raumbedingungen einen innovativen Herstellungsprozess von Kunststoffspritzen. Die Weiterentwicklung von unterschiedlichen Röntgensystemen, der Einsatz von Kohlefaserverbundwerkstoffen für Medizinprodukten und - wie schon öfters gezeigt - der Einsatz und Anwendung der Computertomographie (CT).

Ein weiteres interessantes Projekt ist die Klimatisierung und Optimierung der Luftströmung im OP-Saal. Übrigens war unser Prof. Dr. Clemens Bulitta auch an der Einführung des Hybrid-OPs am Klinikum in Weiden beteiligt. Alles erfolgt in Kooperation mit den Partnern aus Medizin und Wirtschaft.

Wie steht es mit der Freiheit von Forschung und Lehre. Gibt es Abhängigkeiten von der Wirtschaft?

Magerl : Wir sind natürlich neutral und unabhängig positioniert. In den letzten vier Jahren erhielten wir staatliche Unterstützung zum Auf- und Ausbau der Medizintechnik in Höhe von 2,2 Millionen Euro - ohne im Detail auf die unterschiedlichen Förderquellen einzugehen. Dieser Betrag ist ein Vielfaches der von der Wirtschaft zur Verfügung gestellten Finanzmittel. Der Spagat zwischen Lehre und Forschung ist für uns wichtig und wird auch erfolgreich bewältigt.

Durch die Ringvorlesung in Medizintechnik, Weiterbildungsangebote und Informationsveranstaltungen, etwa mit der IHK Regensburg und Medical Valley EMN, wird die Verknüpfung zwischen Hochschule und Wirtschaft gestärkt.

Wie sieht die Zukunft für die Medizintechnik und ihre Studienabsolventen aus?

Magerl : Wir bewegen uns in einem Megatrend, aus demografischen und technologischen Gründen. Deutschland ist Weltmarktführer für medizintechnische Produkte und die Unternehmen in unserer Region haben daran einen wichtigen Anteil. Wir haben jetzt deswegen auch in Kooperation mit der OTH Regensburg den Masterstudiengang eingerichtet.

Dies bietet neue Chancen für hochqualifizierte Abiturienten. Ich würde mich freuen, wenn wir eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie mit dem Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen und ihren Unternehmensgründungen schreiben könnten.
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