Fahrbericht Audi A6 3.0 TDI Quattro
Der für den Dienstreisenden

Auf dem ersten Blick kaum vom Vorgänger zu unterscheiden ist der Audi A6. Die kleinen kosmetischen Änderungen fallen nichts ins Gewicht, wohl aber die technischen Neuheiten. Bild: Audi
Die Welt der Dienstwagen ist ein schwieriges Terrain, gleichwohl heiß umworben, weil lukrativ. In der Business-Class wird gerne noch das eine oder andere Häkchen mehr in der Liste der Annehmlichkeiten angekreuzt.

Derzeit ist Audi mal wieder Bestseller. Die Ingolstädter liefern sich seit Jahren ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Mitbewerbern aus München und Stuttgart. Der A6 ist hier das Zugpferd, das sich gegen 5er BMW und Mercedes E-Klasse ins Zeug wirft. Weil mittlerweile doch schon in der Mitte des Lebens angekommen, sorgt eine dezente Rundumerneuerung für einen attraktiveren und auch dynamischeren Aufritt. Mit "Facelift" ist das nicht unbedingt treffend beschrieben. Die Herren der Ringe haben es nicht bei ein bisschen Gesichtskosmetik belassen.

Äußerlich sind die Änderungen wohl eher mit behutsamen Feinschliff charakterisiert. Dass da an Kühlergrill, Scheinwerfern, Lufteinlässen, Stoßfängern, Heckleuchten und Auspuffrohren Hand angelegt worden ist, lässt sich vielleicht auf dem zweiten, eher noch erst auf dem dritten Blick erkennen. Die echten Neuerungen sind technischer Art.

Nicht die 27 PS mehr Leistung sind es, die den Ingolstädter zu einem souveränen Reisewagen stempeln, wohl aber das Plus von 80 Newtonmeter und der Umgang damit. Die Laufkultur des Sechszylinders samt Start-Stopp-Automatik ist ausgezeichnet. Der Selbstzünder zieht so was von an und durch, dass es eine wahre Freude ist. Da protestiert der A6 auch nicht, wenn ihm selbst bei frostigen Temperaturen schnell kräftige Arbeit abverlangt wird. Die Laufkultur ist fantastisch, Diesel-typisches "Nageln" ein Fremdwort.

Dass der A6 auch die Standarddisziplinen beherrscht und sich in Sachen Fahrdynamik und Komfort der Luftfederung keine Blöße gibt, darf man getrost als Audi-typische Selbstverständlichkeit vermerken. Es ist schon recht eindrucksvoll, wie gelassen der Ingolstädter automobile Alltagsprobleme zu meistern weiß. Sportlichkeit ist dabei als Generaltugend im Lastenheft vermerkt.

Geschäftsreisende bringen eher den luxuriösen Aspekt ins Spiel. Und da kann der Audi mit dicken Pfunden wuchern. Tausende von Euros lassen sich - wie bei unserem Testwagen - allein in Accessoires verstecken, seien es sportlich-komfortable Sitze aus strapazierfähigem Leder, Applikationen aus edlem Holz und Aluminium oder ganz einfach Heinzelmännchen, deren Zahl die Mainzelmännchen bei weitem übersteigt. Die erkennen brenzlige Situationen und greifen schon mal auch ein, wenn der Fahrer die Warnsignale nicht richtig zu deuten weiß. Es ist ein ausgeklügeltes System an Ultraschallsensoren und Videokameras. Selbstständiges Einparken, na freilich. Der Audi kann sogar um die Ecke schauen, er weiß, ob sich andere Fahrzeuge oder Fußgänger in der Nähe befinden.

Er erkennt Verkehrszeichen und stellt das Licht automatisch so ein, dass der Gegenverkehr ausgeblendet, das Umfeld aber taghell ausgeleuchtet wird. Ein Infrarotsystem schaut voraus und erkennt Mensch und Tier. Das Headup-Display wirft alle wichtigen Informationen in die Windschutzscheibe. Ein schneller Nvidia-Chip ermöglicht acht Milliarden Rechenoperationen in der Sekunde. Und in Sachen Vernetzung macht der Audi gerade seine Meisterprüfung. Schnelle Datenverbindungen sind für Entscheider auch im Auto entscheidend. Der A6 sorgt dafür,wo möglich sogar nach dem LTE-Standard.

Ob man das alles braucht? Das entscheidet allein die Dienstwagen-Hierarchie. Ganz billig ist es jedenfalls nicht. Andererseits: Man gönnt sich ja sonst nichts.
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