Fahrbericht Audi TTS Coupé
Ganz großesAuto-Kino

Mit 310 PS und einem Sprintvermögen von 4,7 Sekunden wird der Audi TTS zum Porsche-Schreck. Bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h fährt ein Heckspoiler aus, der dann den Abtrieb verbessert. Bild: Audi
Obwohl erst 1998 "geboren", ist der Audi TT fast schon eine Legende. Die Design-Ikone hat auf der Straße so einen Erkennungswert, dass einem die Freunde aus der Zuffenhausener Zunft fast etwas leid tun mögen. Und mit dem Zusatz "S" wird der Ingolstädter eh zum Porsche-Schreck.

Obwohl der schnittige Audi jetzt wieder Kanten und Ecken zeigen darf, ist er doch aerodynamisch glattgebügelt. Bei nahezu gleicher Außenlänge ist der Radstand um satte vier Zentimeter gewachsen, was nicht nur vorne mehr Platz bietet, sondern auch das Fahrverhalten nachdrücklich verbessert.

Die Türen schwingen weit auf. Müssen sie auch, wollen die Passagiere ohne große Verrenkungen über den breiten Schweller die flache Flunder entern. Andererseits provoziert das auch auf Parkplätzen anstößige Rempler beim Nachbarn. Offiziell ein Zwei-plus-Zwei-Sitzer lässt sich getrost die Hälfte streichen. Die zwei Notsitze im Fond taugen höchstens für Einkaufstaschen. Wer da hinten reinkraxeln will, braucht Schlangen-Mensch-Qualitäten.

Vorne sitzt es sich zwar tief, aber ausgezeichnet auf dem ebenso sportlichen wie komfortablen Mobiliar. Ganz großes Kino ist das neugestaltete Cockpit, in dem alle wichtigen Informationen zu Drehzahl, Geschwindigkeit, Navigation, Infotainment und Internet-Diensten gestochen scharf auf ein volldigital auf ein Zentral-Display eingespielt werden. Weil via Google Earth und Street View quasi Livebilder zu sehen sind, schaut man - anfangs zumindest - etwas häufiger auf das Mäusekino denn auf die Straße. Auf dem sportlichen Lenkrad findet man die Tasten für nahezu alle Funktionen. Wem das zu umständlich ist, kann ja über die Spracheingabe seine Befehle erteilen.

Noch ein netter Gag: Die Bedienung der Klimatisierung und Sitzheizung ist jetzt direkt auf die runden Luftdüsen gerutscht. Dass es am Arbeitsplatz ansonsten Audi-gewohnt nix zu kritteln gibt, sei der Vollständigkeit halber angemerkt. Die Sitze selbst sind straff, dennoch komfortabel genug, so dass auch Wirbelsäulengeschädigte nichts zu meckern haben.

Obwohl die Sprinter-Qualitäten im Vordergrund stehen, präsentiert sich der TTS als ein ungemein ausgewogenes Fahrzeug. Dass die Fahrweise dennoch etwas eckig wirkt, liegt nicht an einem nervösen Fahrwerk. Aber die wuchtigen 19-Zöller unseres Testwagens laufen jedere Spurrille nach und verlangen vom Fahrer ständig leichte Korrekturen.

Der bullige Zweiliter-Turbo hat mit den knapp 1400 Kilogramm Leergewicht keine Mühe. In Nullkommanix sprintet der Modellathlet auf Tempo 100 und stürmt mit spielerischer Leichtigkeit nur wenige Sekunden später zur freiwillig vorgegebenen Höchstgeschwindigkeit. Der TTS ist also ein sehr fahrakties Auto, das per Drive Select fünf verschiedene Programme kennt, in der Komfort-Stufe aber am besten aufgehoben ist. Dann ist die Fahrdynamikregelung so eingestellt, dass Dämpfer und Drehmoment, Lenkung und Stabilitätskontrolle, Motor und Getriebe völlig unaufgeregt, aber sehr präzise ihre Arbeit verrichten.

Wer den Pferdchen auf der Autobahn die Zügel frei gibt, sollte ein wachsames Auge auf den Spurhalteassistenten werfen. Der bringt sich nachhaltig mit einem kleinen Lenkausschlag in Erinnerung, sollten die Räder über die Fahrspurmarkierung geraten. Auf Landstraßen ist der TTS erst so richtig in seinem Element. Da carvt der Allrader regelrecht um die Kehren. Nach ein paar Spiel- und Spaßübungen in der Kurvenräuberei wechselt der Fahrer aber eh zum souveränen Gleiten - im Bewusstsein, ganz anders zu können, wenn er nur wollte. Auch in der Stadt macht der Audi mit seiner Start-Stopp-Automatik keine schlechte Figur, gleichwohl der Herr der Ringe sicher nicht zum Semmelholen taugt.
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