Fahrbericht BMW 216d Active Tourer
Münchner Tabu-Brecher

Für Freizeit orientierte Menschen, die gerne das Dynamic-Label aufpolieren, aber auch den Komfort eines Hochsitzers genießen wollen, ist der BMW 2er Active Tourer eine gute Alternative zu herkömmlichen Vans. Bild: BMW
Die Zeiten ändern sich: Seit fast 50 Jahren definiert BMW den Marken-slogan "Freude am Fahren" über Spaß und Sport im Auto-Alltag. Da schließen die Münchner mit allerlei Modell-Derivaten Nischen, wo andere Hersteller noch nicht einmal welche erkennen. Nur in Sachen Familien-Van standen die Bayern lange auf der Bremse.

Sträflich lange vielleicht. Jetzt muss der 2er Active Tourer mächtig Gas geben, um die Konkurrenz aus Stuttgart und Wolfsburg von der Überholspur zu drängen. Da bricht der Bayer mit allen bisherigen Tabus und präsentiert eine Großraumlimousine in der Kompaktklasse mit Frontantrieb und Dreizylinder-Motoren.

Wie die Mercedes B-Klasse und der Golf Sportsvan hat auch der 2er eher die sogenannten "Best Ager" im Blick, Menschen im besten Alter also, die sich zwar ihre Affinität zu fahrdynamischer Mobilität bewahrt haben, gleichwohl den Komfort eines "Hochsitzers" zu schätzen wissen. Und auch gewillt sind dafür etwas mehr Geld auszugeben. Der Einstieg fällt ganz moderat aus, mit viel Luft nach oben. Und die wird dann für Familien mit Kindern vielleicht schnell dünn.

Optisch und inhaltlich ist auch der Active Tourer ein echter BMW, freilich ohne auf die typischen Van-Merkmale verzichten zu können. Und dass er auf der Plattform eines Mini steht, sieht ihm so schnell auch keiner an. Überraschend geräumig zeigt sich das Innenleben mit dem leicht zum Fahrer geneigten Cockpit. Da sind alle Schalter, Hebel und Knöpfe leicht zu erreichen, alle erdenklichen Informationen findet der Fahrer auf den ersten Blick. Und der Dreh-, Schiebe-Drück-Regler auf der Mittelkonsole ist eh ein alter Bekannter. In der Sports-Line-Version unseres Testwagens gesellen sich zu den wirklich empfehlenswerten Sportsitzen und dem Lederlenkrad mit Multifunktion noch edles Leder mit roten Kontrastnähten, exklusive LED-Lichtleiter in den Türen und am Armaturenbrett und natürlich reichlich Perlglanz-Chrom.

Auf den hinteren Sitzen müssen wegen der coupéhaft abfallenden Dachkante Großgewachsene den Kopf einziehen. Die Rücksitzbank lässt sich um 13 Zentimeter verschieben, kostet aber extra. Die Heckklappe öffnet auf Tastendruck und macht den Zugang frei für einen klassengemäßen Kofferraum. Da weiß sich der BMW in guter Gesellschaft, einzig der C-Max aus Köln ist hier der Lademeister. Die Rücksitze lassen sich mit einem Handgriff umlegen

Der 216d markiert die Basis-Motorisierung des Active Tourers. Und dass er diese Rolle hat, da macht er auch kein Hehl daraus. Der Dreizylinder meldet sich mit etwas rauer Stimme zur Arbeit, verrichtet die dann auch ausgesprochen zuverlässig. Naturgemäß ist bei der PS-Zahl kein sensationeller Aufgalopp zu erwarten. Erst einmal in Fahrt, geht es dann aber auf der Autobahn doch recht flott voran. In der Stadt und auf der Landstraße schwimmt der 2er sehr gut mit, lässt sich auch leicht um die Kurven dirigieren, will aber auch fleißig geschaltet werden. Das geht mit der sportlichen Sechsgang-Handschaltung aber flüssig von der Hand.

Mit dem 17-Zoll-Fahrwerk liegt der Fronttriebler satt auf der Straße, die variable Sportlenkung reagiert zielgenau und gibt ausreichend Rückmeldung an den Fahrer. Trotz dynamischer Dämpfer-Kontrolle polterte es allerdings auf unserer Kandaldeckelstrecke etwas. Ganz und gar nicht BMW-typisch waren auch die Windgeräusche vorne. Im Verbrauch zeigte sich unser Testwagen jenseits der Normvorgaben, aber immer noch bestens. Alles in allem ist der 216d eher ein Reise- denn ein Familienauto, ein Fahrzeug für aktive Menschen, die für ihr sportliches Freizeitvergnügen einen dynamischen Untersatz suchen.
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