Fahrbericht Mercedes GLA 220 CDI 4-Matic
Asphalt-Cowboy für den Boulevard

Eine äußerst aparte Erscheinung ist der Mercedes GLA. Der Geländegänger der flotten A-Klasse wird wohl in den seltensten Fällen außerhalb asphaltierten Straßen zu sehen sein. Für den Fall der Fälle allerdings ist er bestens gerüstet. Bild: Daimler
Wer ein "G" im Namen trägt, muss hart im Nehmen sein. Der Buchstabe markiert in der Geländewagen-Szene eine Klasse für sich, ist nicht nur bei Mercedes ein Urgestein. Das Raubein kraxelt seit 35 Jahren auch dort noch mühelos, wo Bergziegen und Wüstenfüchse verweigern. Und auch die softigeren Brüder GLK und GL klettern mühelos über jeden Stock und Stein.

Da schlägt der GLA etwas aus der Art. Der Kleine ist zwar auch ein Geländegänger, mit seinem Dynamik-Design aber eher ein Blickfänger für den Boulevard. Er gehört zur erfolgreichen Spezies der - neudeutsch - Crossover. Mit ihm wollen die Stuttgarter beim zuvor sträflich vernachlässigten Trend der kompakten Sports Utility Vehicle (SUV) jetzt mächtig Gas geben. Audi und BMW lassen mit Q3 und X1 da schon lange grüßen.

Natürlich kann der A-Klasse-Abkömmling Allrad. Und wie sogar. Aber wer spielt schon gerne wilder Reiter, wenn er es sich als Asphalt-Cowboy gemütlich machen kann? Außerdem verlangt Mercedes 2200 Euro für das Geländeteil. Dazu muss auch noch die in dieser Kombination obligatorische Siebengang-Automatik geordert werden. Und auch wenn 4-Matic außen drauf steht, muss die von den anderen Baureihen bekannte Technik nicht unbedingt drin sein. Mercedes hat das System dem Fronttriebler angepasst, schaltet die Hinterachse also nur bei Bedarf zu. Selbstredend so, dass der Fahrer davon nichts bemerkt.

Wie die Blutsbrüder A-Klasse und CLA setzt auch der GLA auf schönes Sein, wirkt wie eine Mischung aus Kombi und SUV, ist ausgesprochen sportlich. Die flache Silhouette duckt sich fast auf den Asphalt. Kaum höher als die Limousine ist der Kraxler aber um satte 13 Zentimeter in der Länge gewachsen, was den Passagieren ein deutlich besseres Raumgefühl beschert.

Gute Freunde werden sich an der Zwei-Klassen-Gesellschaft nicht unbedingt stoßen. Wo die Vordermänner noch üppig Platz haben, müssen die Hinterbänkler Abstriche machen. Und der Mittelsitz taugt - wie so oft - höchstens für einen Notfall. Die Heckklappe schwingt weit nach oben. Der Stauraum gehört aber nicht unbedingt einem Schluck-Riesen. Wer die asymmetrisch geteilte Rückbank umlegt, findet eine topfebene Ladefläche.

Der "große" Diesel ist eine gute Wahl. Zwar lässt er in der Kaltphase keinen Zweifel an der Mitgliedschaft in der Selbstzünder-Fraktion, doch nimmt er sehr willig die Arbeit auf und dreht munter durch. Das fein abgestimmte Doppelkupplungsgetriebe passt da bestens dazu. Die Start-Stopp-Automatik agiert äußerst zuverlässig. So kann sich der Verbrauch mehr als sehen lassen. Das Fahrwerk versteht den Spagat zwischen Sport und Komfort, bügelt die meisten Fahrbahnunebenheiten glatt, federt kurze Stöße ab und neigt auch nicht zum Stuckern.

Rundum ist der GLA ein gelungenes Freizeit-Fahrzeug, eher für eine Zweier-Beziehung mit sportlichen Aktivitäten gedacht, denn für eine Vierer-Bande mit großem Gepäck. Etwas größer sollte auch der Geldbeutel sein. Unser mit reichlich Assistenten gespickter Testwagen zeichnete die Vielfalt der Optionsliste nach.
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