Fahrbericht VW Passat 1.4 TSI Blue Motion Highline
Vom Biedermann zur Business-Class

Flacher, breiter und größer ist der Passat geworden, damit auch selbstbewusster und zeitgemäßer. Sportlich und schick steht er auf der Straße. Bild: Volkswagen
Nein, Brandstifter war der Passat nie. Eher ein Biedermann, der in mehr als 40 Jahren zu einem wohlfeilen Auto gereift ist. Und den Volkswagen nun mit der Rolle der Business-Class beauftragt hat. So pfeift der Wüstenwind zwar auch der Konzernschwester Audi in den Nacken, bläst aber vornehmlich der Konkurrenz aus München und Stuttgart den Marsch.

Der Passat ist Volkswagens wichtigstes Modell in dem Segment. So eine Art "Cash-Cow", die richtig Geld in den Konzern spült. Über 22 Millionen Einheiten sind bisher in der Zulassungsstatistik vermerkt. Da will die achte Generation noch kräftig nachlegen.

Phaeton lässt grüßen: Der König der Außendienstler pustet mächtig viel Ober- in die Mittelklasse. Flacher, breiter und größer ist der Wolfsburger geworden, damit auch selbstbewusster und zeitgemäßer. Sportlich und schick steht er auf der Straße. Er ist zwar ein paar Millimeter kürzer als sein Vorgänger, dafür haben die Entwickler die Achsen um acht Zentimeter gespreizt, was vor allem den Hinterbänklern eine geradezu fürstliche Beinfreiheit beschert. Und immer genug Raum über dem Scheitel. Aber auch vorne sind Platzangebot und Raumgefühl einfach grandios. Selbst Zwei-Meter-Riesen finden da nichts Anstößiges.

Die komfortablen Vordersitze lassen sich vielfältig einstellen. Wenn der Fahrer etwas Geld drauf legt, wird er sogar massiert. Sein Co-Pilot muss darauf allerdings verzichten. Nichts zu kritteln gibt es bei den Bedienelementen. Die liegen alle logisch zur Hand, sind klar gegliedert und intuitiv zu bedienen. Das ist zwar alles etwas nüchtern, hat aber dennoch einen gewissen Charme. Der Innenraum wirkt nicht nur wegen der verwendeten Materialien ungemein edel. Da sitzt jedes Detail. Bis hin zur Analoguhr auf dem Armaturenbrett.

Die Bedienung ist einfach, trotz der knapp zwei Dutzend Helferlein von der automatischen Distanzregelung bis zum adaptiven Fahrwerk, vom Parkpiloten bis zur Notbremsfunktion. Verkehrszeichenerkennung und Spurhalteassistent gehören auch dazu. Aus dem Vollen schöpft der Passat bei der Vernetzung. Mirror-Link bindet Smartphones ein, Car-Net holt alles an Bord, was übers Internet an Infotainment möglich ist.

Das Image des Handelsreisenden hat der Passat mit der Neuauflage abgelegt, auch wenn 85 Prozent der Käufer zum praktischen Variant greifen. Unser Testwagen war eine Limousine. Rein persönlich nicht die erste Wahl. Das gilt auch für das Triebwerk. Zwar gibt es an dem von uns gefahrenen Motor aus der Otto-Fraktion nichts zu mäkeln, aber ein Diesel ist für das Auto der Vielfahrer die bessere Alternative.

Gut, die Leistung des Benziners reicht allemal. Er geht recht flott zur Sache, dreht durch und aus und weiß auch mit seiner Laufruhe zu punkten. Zwar schaltet das aktive Zylindermanagement bei Fahrten zwischen 1400 und 4000 Umdrehungen und bei Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h wo möglich zwei Zylinder einfach ab. Das geschieht unmerklich, macht sich im Verbrauch des Gleiters aber nicht so recht bemerkbar.

Dennoch ist der Wolfsburger ein stimmiges, ein durchdachtes Auto. Aber auch eines, das selbstbewusst die Preisliste auflegt.
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