Fantasievolle Reise eines Außenseiters

Phantastische Stoffe haben beim Landestheater Oberpfalz (LTO) Tradition. Regisseurin Michelle Völkl stand bei einigen der begeisternden Inszenierungen, wie "Der kleine Prinz" (Szenenfoto als Fuchs mit "Prinz" Alexandra Gruber) oder der "Unendlichen Geschichte" selbst auf der Bühne. Mit János Kapitány hat Völkl nun "Peer Gynt" für die Bühne der Vohenstraußer Friedrichburg bearbeitet. Auch Gruber gehört dabei wieder zum Ensemble. Bild: T. Schwarzmeier

Farbenprächtig und opulent - Mit großen Fantasy-Produktionen hat das Landestheater Oberpfalz auf der Burg Leuchtenberg Maßstäbe gesetzt. Michelle Völkl und János Kapitány führen am Samstag mit "Peer Gynt" das Genre bei den Burgfestspielen weiter - mit einem kleinen Ensemble in der eher spartanischen Vohenstraußer Friedrichsburg. Kurz vor der Premiere erzählen sie, warum.

Warum habt ihr einen minimalistischen Ansatz gewählt?

János Kapitány: Ich bin sehr froh, dass bei der Spielplangestaltung entschieden wurde, das Stück als Kammerspiel im Schloss zu integrieren. Der Zuschauer wird viel näher am Geschehen dran sein. Zudem kommt es der authentischen und auch sehr mutigen Spielweise der Kids zugute. So ergibt sich die Möglichkeit, Gedanken und Vorgänge viel intimer und sanfter darzustellen.

Michelle Völkl: Wir haben uns auch für ein kleines Ensemble entschieden, da unsere Fassung nicht die gängigste Form und unsere Inszenierung keinen typischen Ablauf hat. Ohne Bühnenbild-Veränderungen kreieren wir viele verschiedene Schauplätze. Die acht Schauspieler gehen nicht von der Bühne ab, sondern sind immer anwesend. Die Jugendlichen müssen das ganze Stück lang sehr wach sein und zu einer Einheit verschmelzen.

Kapitány: Zu sehen, wie sich unsere jungen Schauspieler in die Themen einarbeiten, sich in die Rollen stürzen, wissbegierig sind und mit welcher Hingabe sie gemeinsam die Bühne mit Leben füllen, erfüllt mich von ganzem Herzen mit Stolz.

Völkl: Die Messlatte für das Jugendstück hängt wirklich sehr hoch. Aber da ich bei der "Unendlichen Geschichte" und beim "Kleinen Prinzen" selbst mit auf der Bühne stehen konnte, durfte ich von der tollen Regisseurin Susanne Stangl einiges lernen und spüren, was es bedeutet, so ein Stück auf die Beine zu stellen.

Wieso gerade diese Geschichte? Henrik Ibsens Ur-Vorlage - ein Gedicht - ist ja nicht gerade für die Bühne prädestiniert.

Kapitány: Als Michelle und mir das Stück zum Inszenieren angeboten wurde, fackelten wir nicht lange und sagten prompt zu. In "Peer Gynt" stecken viele gesellschaftskritische Themen, etwa wie das Leben eines Einzelnen determiniert sein kann.

Völkl: "Peer Gynt" hat mich schon während der Schauspielschule fasziniert. Ich habe mich immer gefragt, wie man so ein gewaltiges Stück, mit so vielen "Geschichten in der Geschichte", vielen Schauplätzen und einer komplexen Thematik von Leben und Tod auf die Bühne bringen kann. Ich fand es toll, die Geschichte in Thomas Birkmeiers Fassung so verständlich und frisch zu erleben.

Kapitány: Die darin verwendete Prosa-Form stellt für mich eine gelungene Gegenadaption zu den bekannten Reimschemen dar. Darüber hinaus sind unsere Schauspieler zugleich die Erzähler, die sofort in die spielerische Handlung eintauchen können.

Hatte diese zeitgemäße Bearbeitung Einfluss auf die Besetzung?

Völkl: Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, dass der Darsteller des Peer unser einziger Mann im Ensemble sein soll. Was János Idee war, um schon hier zu zeigen, dass Peer ein Außenseiter ist ...

Kapitány (ergänzt): ... und um unsere Mädels vor die spannende Herausforderung zu stellen, immer wieder in männliche Figuren schlüpfen zu dürfen. Für die Fantasie und Magie des Dramas ist das unabdingbar.

Völkl: So entstehen tolle Momente, etwa wenn die Dorfbewohner sich Peer schnappen, ihn unterdrücken. Es hat eine ganz andere Wirkung, wenn wir Mädchen sehen, die einen Jungen in ihrer Gewalt haben.

Griegs wunderbare Peer-Gynt-Suiten sind als musikalische Illustration so berühmt wie umstritten.

Kapitány: Für unsere junge Version scheinen die Suiten nicht ganz zeitgemäß. Eine homogene Musik ist Michelle und mir aber sehr wichtig. Wir haben uns für die Band "Beirut" entschieden, die es schafft, Trauer und Hoffnung wunderbar zu verbinden.

Völkl: Aber das Publikum muss nicht um die Suiten trauern. Sie kommen kurz vor, in ungewöhnlicher Art. Ich bin gespannt, welcher aufmerksame Zuschauer dies erkennt.

Worauf darf man sich sonst freuen?

Völkl: Die Zuschauer dürfen sich auf eine Reise um die Welt freuen, auf der Peer sein Glück sucht, sich verliert, zum mächtigen Unmenschen wird, ganz unten landet und am Ende sich und seine Liebe wiederfindet.

___

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unterTelefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.