Festnehmen nach tödlicher Prügelattacke gegen 17-Jährigen
Warum musste Niklas sterben?

An der Stelle, an der der später verstobene Niklas von drei Schlägern attackiert wurde, erinnern Blumen und Kerzen an die Tat, die auch nach den ersten Erkenntnissen der Ermittler unfassbar bleibt. Bild: dpa

Der 17 Jahre alte Niklas wird von einem Schläger aus dem Leben gerissen - auf dem Weg zum Bahnhof in Bonn. Nicht nur dort fragen die Menschen ratlos: Wer macht so etwas? Und warum? Die Ermittler versuchen sich an einer Antwort.

Bonn. Niklas lag wohl schon reglos am Boden, niedergestreckt von einem Schlag gegen die Schläfe. Der Täter ließ dennoch nicht von ihm ab. Er sei zurückgekommen und habe Niklas nochmal gegen den Kopf getreten, berichtet Robin Faßbender. "Mit voller Wucht", fügt der Bonner Oberstaatsanwalt hinzu. Das ist der Ermittlungsstand. In den vergangenen Tagen hat Faßbender versucht, die Tragödie zu rekonstruieren, die Niklas das Leben gekostet hat. Einige Fragen kann er schon beantworten, viele noch nicht. Auch nicht nach der Festnahme des mutmaßlichen Schlägers: Der streitet zwar alles ab, trotzdem wurde am Mittwoch Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Aufwühlender Fall


Die Ermittler berichten an diesem Tag erstmals detaillierter von ihren Erkenntnissen im Fall Niklas. Der rot gestrichene Saal im Bonner Polizeipräsidium ist voll, Kameras sind auf Faßbender und Franz Wirges gerichtet, der die Mordkommission leitet. Niklas' Tod hat die Menschen in Bonn und darüber hinaus aufgewühlt. Auch, weil man sich kaum einen Reim darauf machen konnte. Ein Jugendlicher, der auf dem Heimweg von einem Konzert totgeprügelt wird - scheinbar aus dem Nichts.

Die Ermittler schildern es so: Niklas ist mit Freunden unterwegs, als er auf eine Männer-Gruppe trifft. "3 plus x Männer", wie Faßbender sie nennt. Der Oberstaatsanwalt ist bemüht, den emotional aufgeladenen Fall so sachlich wie möglich zu schildern. Die Männer nennt er "A", "B" und "C", wie in einem Jura-Seminar.

Die Männergruppe - genau genommen "A" - habe die Gruppe um Niklas provoziert. Niklas reagiert darauf, er ignoriert es nicht. Es kommt zu einem Handgemenge. Bis "C" ausholt und den 17-Jährigen zu Boden schickt. Wenig später legt er den Tritt nach. Niklas stirbt wenige Tage später im Krankenhaus. Das Problem der Ermittler: Es gibt keine DNA-Spuren der Täter. Ein Zeuge will den mutmaßlichen Haupttäter, also "C", mittlerweile wiedererkannt haben, was zu der Festnahme führte.

Allzu viele Details will die Staatsanwaltschaft zu dem 20-Jährigen noch nicht preisgeben. Er lebe schon länger in Bonn und bestreite die Tat. Er habe auch Angaben gemacht, wo er zur Tatzeit gewesen sein will - diese seien teilweise aber widerlegt worden. Die anderen Männer werden noch gesucht. Zwei Verdächtige wurden auf freien Fuß gesetzt, weil sich die Vorwürfe nicht erhärten ließen.

Wer den Ermittlern zuhört, muss wohl mit der unbefriedigenden Erkenntnis leben, dass ein 17-Jähriger ohne Grund starb. Beide Gruppen kannten sich nach Lage der Dinge nicht. Und der Streit war nichtig. "Das war keine vorherige Auseinandersetzung, die eine derartige Gewalteskalation auch nur ansatzweise erklärbar macht", sagt Faßbender.

Gewaltdebatte


Im einstigen Diplomatenviertel Bad Godesberg, in dem Niklas angegriffen wurde, ist dennoch eine Diskussion entbrannt, ob angesichts der Gewalt in der Gegend der Fall wirklich als Einzelfall betrachtet werden kann. Vielleicht könnte das nach dem Tod von Niklas wenigstens ein bisschen Sinn ergeben.
Das war keine vorherige Auseinandersetzung, die eine derartige Gewalteskalation auch nur ansatzweise erklärbar macht.Oberstaatsanwalt Robin Faßbender
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