Filmautor Wolfgang Rademann gestorben
Vater von Serienträumen

Der Produzent der "Schwarzwaldklinik", Wolfgang Rademann (links), und Schauspieler Klausjürgen Wussow posieren im August 2004 vor dem Heimatmuseum "Hüsli" in Grafenhausen-Rothaus für die Fotografen. Bild: dpa

Mit seinen Ideen wurde eine komplette Generation Fernsehzuschauer groß: Wolfgang Rademann erfand das "Traumschiff" und "Die Schwarzwaldklinik". Am Sonntag starb er in Berlin.

Berlin. Am 12. November vergangenen Jahres hielten die Ehrengäste der Bambi-Gala in Berlin und gut 3,5 Millionen TV-Zuschauer den Atem an. Wolfgang Rademanns Lebensgefährtin, die Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek, nahm anstelle des Erfolgsproduzenten die Trophäe fürs Lebenswerk entgegen. "Seien sie nicht enttäuscht, dass dieser geliebte Mensch heute nicht hier sein kann", sagte die 84-Jährige über ihren Freund. Er war damals bereits schwer erkrankt. Am Sonntag starb Rademann 81-jährig in Berlin. Kurz nach der Gala sagte der TV-Produzent in einem Telefonat mit der "Bild"-Zeitung, er habe die Verleihung im Fernsehen gesehen und sei ganz stolz gewesen, "wie meine Kollegen über mich gesprochen haben". Er äußerte noch die Hoffnung, möglichst rasch wieder zu Kräften zu kommen.

Vorbild in der DDR


Rademann steht für ein wichtiges Stück deutscher Fernsehgeschichte. Mit dem Dauerbrenner "Das Traumschiff" und der Krankenhausserie "Die Schwarzwaldklinik" transportierte der Produzent das Bedürfnis vieler Millionen Menschen nach heiler Welt ins Fernsehen der 80er Jahre. Einschaltquoten von zum Teil mehr als 20 Millionen Zuschauern lieferten den Beweis, dass Rademann mit seinem Gespür für den Geschmack des Publikums goldrichtig lag. Dabei war nicht alles, wo Rademann drauf stand, auch wirklich seine Idee. Augenzwinkernd erzählte der Berliner, der sich 1958 vom Ostteil der Stadt in den Westen absetzte und dort als Lokalreporter arbeitete, immer wieder gerne, dass die Vorlage für sein "Traumschiff" (ab 1981 auf Sendung) die DDR-Serie "Zur See" war.

Doch Rademann erfand nicht nur die beiden berühmten ZDF-Produktionen. Bereits in den 60er Jahren trieb er unermüdlich als Promoter die Karriere der Sängerin Caterina Valente voran. Später wurde er Pressechef der Künstler Pierre Brice und Peter Alexander. Der pfiffige Produzent und Ideengeber entwickelte die TV-Specials, unter anderem mit Anneliese Rothenberger und Lilli Palmer. Harald Juhnke und Grit Boettcher verhalf er mit der Sketch-Reihe "Ein verrücktes Paar" zu Fernsehruhm. Dass seine Erfindungen massentauglich, in den Augen der Kritiker damit aber manchmal zu trivial erschienen, störte den Nichtraucher und passionierten Knoblauch-Konsumenten nicht. "Ich werde nicht von Kritikern bezahlt, sondern von den Zuschauern", sagte Rademann vor gut zehn Jahren in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). " "Die Schwarzwaldklinik" wurde als "Romanze in Mull" vom "Spiegel" verrissen und ist heute eine Legende. "Das Traumschiff" existiert seit 24 Jahren in 50 Folgen. So alt werden die Kritiker in ihrem Job nicht." Zunehmend haderte Rademann jedoch gerade beim "Traumschiff" damit, dass ihm die großen Ziele ausgingen.

Er wollte auch seinen Stil verändern. Mit der ZDF-Reihe "Engel der Gerechtigkeit" versuchte der Produzent, zeitkritischere Themen anzupacken. Katja Weitzenböck spielte in den Filmen eine Frau, Ärztin und Anwältin zugleich, die Opfern von Ärztepfusch hilft - reale Fälle lieferten die Grundlage. Doch die ganz große Resonanz blieb aus. Das Publikum gab den Klassikern den Vorzug.

Dass er bis fast zuletzt beruflich aktiv war, erklärte er der Münchener Tageszeitung "tz" im Jahr 2014 so: "Ich tanze immer noch auf so vielen Hochzeiten - das hält mich frisch." Unter Jetlag leide er nicht mehr. "Mein Körper hat vor ein paar Jahren aufgegeben, mir Schwierigkeiten zu machen, weil er sagt, der Idiot kümmert sich sowieso nicht drum."

Kein Nachfolger


Über eine Fortsetzung seines Lebenswerks machte sich Rademann schon vor gut zehn Jahren keine Illusionen. Zur "FAZ" sagte er: "Ist ja unmöglich. Ich bin ein Einmannbetrieb. Wenn ich nicht mehr da bin, ist der Fall erledigt." (Angemerkt)
Ich werde nicht von Kritikern bezahlt, sondern von den Zuschauern.Wolfgang Rademann
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