Finale im "Dschungelcamp" von RTL
König Menderes

Lächelnd sitzt der frisch gekürte "Dschungelkönig" Menderes Bagci zwischen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, den Moderatoren der 10. RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!". Bild:RTL/dpa

Mit Niederlagen kennt er sich aus - jetzt weiß er auch, wie sich Sieger fühlen: Sänger Menderes Bagci ist der neue "Dschungelkönig". Die Krone in dem TV-Spektakel sichert er sich ruhig und höflich.

Coolangatta. "Come on" - so sieht ein Gewinner aus: Mit Tränen in den Augen nimmt Sänger Menderes Bagci die Dschungelkrone entgegen. Der 31-Jährige kann es kaum fassen, dass das RTL-Publikum ihn im Finale der zehnten Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" zum neuen "Dschungelkönig" gewählt hat. 81,11 Prozent der Zuschauer stimmen im Finale für ihn, ein starkes Ergebnis. Super-Menderes nennen ihn die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich bei seiner Krönung in der Nacht zum Sonntag. Er tritt die Thronfolge der einstigen "Glücksrad"-Buchstabenfee Maren Gilzer (55) an, die 2015 gewonnen hatte.

"Gutes Gefühl"


"Es ist ein unglaublich gutes Gefühl", erzählt Bagci tags darauf der Deutschen Presse-Agentur. "Es war eine unglaublich tolle Zeit im Camp und ich bin stolz drauf, dass ich das so überstanden habe."

Der 31-Jährige wirkte im Dschungelcamp, das am 15. Januar gestartet war, stets ruhig, zuvorkommend (Sonja Zietlow nannte ihn "Gentlemenderes") und widerstandsfähig. "Ich hatte einige negative Phasen in meinem Leben. Die haben mich so geprägt und so belastet, dass ich die Phase, in der es mir wieder gut ging, viel mehr geschätzt habe", erklärt der Sieger. Bis dahin war Bagci nur durch sein ewiges Scheitern bei der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" bekannt gewesen.

"Ich bin einfach völlig baff jetzt", sagt der "Dschungelkönig" direkt nach der Krönung im TV. "Das ist ein tolles Gefühl, dass man jetzt hier gewonnen hat, weil ich bisher noch nie was gewonnen habe." Auf das Glas Sekt, das ihm gereicht wird, verzichtet er, weil er keinen Alkohol trinkt.

Mit dem Ausspruch "Come on" (dt.: Auf geht's) motivierte sich Bagci immer wieder bei seinen Dschungelprüfungen. Mit Erfolg: It-Girl Sophia Wollersheim (28) verdrängte er im Finale auf Platz zwei, Dritter wurde Ex-Fußballprofi Thorsten Legat (47).

Bei der Jubiläumsausgabe hatte RTL neue Regeln eingeführt: Es gab zeitweise zwei Camps - bislang waren alle Dschungel-Kandidaten stets in einem Pritschenlager zusammen gewesen. Und dieses Mal traten zwölf Kandidaten an - einer mehr als sonst.

Vielen wird nach der zehnten Staffel der Erfolgsshow neben den Finalisten auch TV-Anwältin Helena Fürst in Erinnerung bleiben, die sich zu einer Art ungekrönter Zoff-Queen entwickelte. Vor allem mit Thorsten Legat (sein Leitspruch: "Kasalla") lag die 41-Jährige im Dauerstreit. Die Fernsehfrau legte es erst gar nicht darauf an, besonders beliebt bei den Mitcampern zu sein. Sie landete immerhin auf dem vierten Platz.

Quotenerfolg


8,6 Millionen TV-Zuschauer verfolgten das Finale der Show von 22.15 Uhr an. Das entsprach einem Marktanteil von 34,2 Prozent. Zuvor hatten die Zuschauerzahlen der zehnten Staffel, die am 15. Januar begonnen hatte, zwischen 6 und 8 Millionen geschwankt. Im Vorjahr hatten 7,43 Millionen Menschen das Finale eingeschaltet - der Schnitt der Vorjahres-Staffel lag bei 6,8 Millionen Menschen. Damals hatte es viel Kritik gegeben: zu oft Langeweile, zu wenig Kracher.

Casting und Dramaturgie seien in der jetzigen Staffel deutlich besser gewesen, sagt die Fernsehforscherin Joan Kristin Bleicher von der Universität Hamburg. Einzelne Teilnehmer wie Bagci hätten die Zuschauer überrascht - oder wie Helena Fürst polarisiert. Aber es gibt auch Kritik: Immer gleiche Dschungelprüfungen hätten sich nach zehn Staffeln abgenutzt.

RTL setzt weiter auf das Dschungelcamp: Nach Senderangaben ist für Januar 2017 nach derzeitigem Stand wieder eine Dschungelshow geplant. In diesem Sommer sei aber, anders als 2015, keine Variation vorgesehen.

Angemerkt

Der König

Von Frank Werner

Da sitzt er ganz allein im Camp, weint, schluchzt, zittert. Ja, es sind intensive TV-Momente, als Menderes Bagci zum "Dschungelkönig" gewählt wird. Von der RTL-Witzfigur zum Sympathieträger für Millionen: Die Geschichte des Menderes lässt niemanden kalt. Und sie ist das Erfolgsrezept für die Show.

Das Casting für die zehnte Staffel hat optimal funktioniert. Kein Schnarch-Lager wie letztes Jahr mit der Königs- Langweilerin Maren Gilzer. Diesmal waren Typen dabei, die trefflich zum Smalltalk bei der Arbeit oder abends mit Freunden taugten. Groß-Brust Sophia, Großmaul Thorsten, Großkotz Helena. Ein Potpourri der Eitelkeiten.

Das Dschungelcamp 2016 mal wieder voll im Spagat zwischen Assi-TV und Grimme-Preis. Dass der große Loser Menderes mit haushohem Vorsprung Gewinner wurde, ist nicht das schlechteste Zeichen für die Sensibilität der Zuschauer. Der 31-Jährige ist höflich, liebenswert, skurril. Menderes hat es auch verdient, dass er jetzt vor Geldgeiern und Niedermachern wie Dieter Bohlen geschützt wird.

frank.werner@derneuetag.de

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