Förderinstitute unterstützen vielschichtig
Insolvenzgrund: Defizite bei der Finanzierung

Fachberater für Sanierung und Insolvenzverwaltung (DStV e.V.) und Wirtschaftsmediator (IHK)

Obwohl die Statistik aktuell ein niedriges Niveau an Unternehmensinsolvenzen ausweist, lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Viele Unternehmen klagen derzeit über die zurückhaltende Kreditvergabepraxis der Banken. Deshalb haben Unternehmen häufig mit Liquiditätsengpässen sowie Zahlungsstockungen zu kämpfen.

Nicht selten ist das der Beginn einer schwierigen Phase, die schließlich in der Insolvenz enden kann. Die Statistik erfasst eben nicht die Anzahl der "insolvenzgefährdeten Unternehmen". Die höheren Eigenkapitalanforderungen, neue Regelungen durch Basel III sowie verschärfte Liquiditätsvorschriften für die Kreditinstitute lassen nichts Gutes erwarten.

Zudem sinken die Margen im Kreditgeschäft, so dass sich die Banken bei der Neuvergabe von Krediten die Chance-Risiko-Situation sehr genau ansehen. Selbst für Existenzgründer/Jungunternehmer mit Ideen und Potenzial sind erfolgreiche Kreditgespräche kein Selbstläufer. Unternehmen mit unterdurchschnittlichem Rating werden künftig erhebliche Probleme bei der Kreditaufnahme bekommen.

Wer derzeit schlecht finanziert ist und gleichzeitig eine nur durchschnittliche Geschäftsentwicklung verzeichnen kann, sollte sich schnellstens mit seiner mittelfristigen Finanzplanung auseinandersetzen. Aber auch Unternehmen, die derzeit keine finanziellen Sorgen haben, sind aufgefordert ihre Finanzierungssituation zu prüfen. Der von der EZB auf Rekordtief festgesetzte Leitzins lädt geradezu ein, Investitionen zu tätigen und diese zu historisch niedrigen Zinsen zu finanzieren. Wichtig ist, dass die Kreditnehmer einen vertretbaren Zinssatz auf Basis der aktuellen Konditionen vereinbaren. Häufig ist jedoch festzustellen, dass die Unternehmen nach wie vor mit Kontokorrentkrediten mit einem Zinssatz von acht bis zehn Prozent arbeiten. Dies ist betriebswirtschaftlich kaum nachvollziehbar.

Lösungsansätze bieten die Förderinstitute wie z. B. die KfW-Mittelstandsbank und die LfA Förderbank Bayern. Sie gewähren zinsverbilligte Kredite und übernehmen auch Haftungsfreistellungen bis zu 80 Prozent, so dass sich das Risiko der Hausbanken enorm verringern lässt und so eine Kreditvergabe oftmals erst dadurch ermöglicht wird. Wichtig für potenzielle Kreditnehmer ist, sich im Vorfeld einer Investition bzw. bei Betriebsmittelbedarf mit Förderprodukten der KfW und LfA zu beschäftigen und die Möglichkeiten einer Inanspruchnahme rechtzeitig zu prüfen. Es sind u. a. Fristen zu beachten.

Ein weiterer Baustein der Förderinstitute ist die Förderung von Beratungsmaßnahmen zu wirtschaftlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen. Dies gilt sowohl für Existenzgründer, Jungunternehmer als auch für Unternehmen in der Krise. So kann beispielsweise auch die Finanzierungsberatung mit Beratungskostenzuschüssen aus den Programmen "Vorgründungs- und Nachfolgecoaching Bayern, Gründercoaching Deutschland oder Turn Around Beratung" gefördert werden. Unternehmer können also von der Vorgründungs- bis hin zur Sanierungsphase professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, die zudem noch finanziell von den Förderinstituten unterstützt wird.
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