Fragwürdiges Verhalten von Deß

Zum Bericht "Albert Deß reicht offenbar VW-Antrag ein":

EU-Abgeordneter Albert Deß brachte im EU-Parlament einen Antrag ein, mit dem verschärfte EU-Abgasregeln für Kleinbusse verhindert werden sollten. Zunächst war ich erstaunt über die Aktivität auf diesem Themenfeld, da sich Deß als agrarpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion, seiner Kompetenz als gelernter Landwirt entsprechend, in einem Brief an den EU-Agrarkommissar zur aktuellen Situation (russisches Embargo, chinesische Wirtschaftskrise u. a.) der Agrarmärkte geäußert hat. Da finde ich es befremdlich, wenn dieser Abgeordnete sich zu umweltpolitischen und technischen Themen äußert.

Wo alle Fachleute auf die Verminderung der Abgaswerte drängen und wo nach dem G 7-Gipfel in Elmau und z. B. eindringlichem Appell von Papst Franziskus alle Welt ihre zumindest eingeforderten Ziele für die UN-Klimakonferenz 2015 in Paris formuliert hat, bringt Deß einen Vorschlag ein, der gerade das Gegenteil erreichen will: nämlich den unveränderten Ausstoß von Abgasen für Kleinbusse. Ich bin überzeugt, dass die steigende Umweltverschmutzung nicht zur Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel beiträgt. Da gibt es Beispiele in seinem Wahlkreis, wo er erfahren kann, welche Anstrengungen die ökologische Herstellung eines Bieres (hochwertiges Nahrungsmittel) erfordern.

Die Vorlage soll aus der Urheberschaft des VW-Konzerns stammen. Der Kommentar des Abgeordneten, ihn interessiere nicht, wer im einzelnen hinter den Anträgen stehe, treibt mein Unverständnis auf die Spitze. Ich wünsche mir, dass ein gewählter Vertreter des Volkes die Interessenslage eines untergeschobenen Textes erkennen kann. Die Realität hat Deß ganz schnell eingeholt. Denn trotz seiner Bemühungen kam es zu einer anderen Vorlage an das EU-Parlament: Künftig sollen Abgastests für alle Fahrzeuge, auch die Kleinbusse, unter realen Bedingungen EU-weit verpflichtend sein. Die Ironie der Parlamentsarbeit hat für den Abgeordneten Deß nun zur Folge, dass er dieses ungewollte Kind nun auch noch als Berichterstatter im EU-Parlament vertreten muss.

Wolfgang Kellner, 92245 Kümmersbruck
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