Franz Göllinger ist prämierter Uhudler-Erzeuger
Spitzenqualität im Keller

Franz Göllinger (Dritter von links) bei der Verleihung des Siegerschilds zusammen mit Vertretern der Weinritterschaft, von links Thomas Klug, Ernst Möderl und rechts Johann Haberl. Bild: hfz

Das Aroma von Walderdbeeren und Johannisbeeren im Glas schmeckt zunächst eher eigenartig. Für Franz Göllinger ist das ganz normal. "Wenn du ihn nicht gewohnt bist ...", sagt der Uhudlerwein-Erzeuger über das intensive Bukett und den charakteristischen Geschmack.

Königsdorf. Der aus Direkträger-Reben erzeugte Wein ist die regionale Besonderheit im Südburgenland - durchaus vergleichbar mit dem Zoigl hierzulande. Zu den besten Uhudlerweinen gehört der von Franz Göllinger aus Königsdorf (Bezirk Jennersdorf). Er hat beim "Uhudler-Wein-Turnier" des europäischen Weinritterordens im Hotel Larimar in Stegersbach den Sieg geholt.

Bei der ersten Entscheidung waren 45 Bewerber dabei, am Schluss blieben 15. Göllingers Uhudlerwein war der beste - ausgewählt von einer fachkundigen Jury. "Ich bin ein bisserl bewandert", gibt sich Göllinger bescheiden und verrät, dass er jeweils im Herbst bei den Verkostungen dabei ist: Die regionalen Erzeuger reichen ihre neuen Weine ein, um Etiketten zu bekommen. Dabei erkannte Göllinger: Mit seinem Produkt ist er auf dem richtigen Weg. "Ich weiß, was ich verkostet habe und ich weiß, was ich im Keller hab'." Nun möchte er auf diesem Weg weitergehen. "Das ist nicht von heute auf morgen gekommen." Er habe sich alles erst aneignen müssen. "Die Reinlichkeit sowieso, vom Weingarten bis zum Fass."

Göllinger betreibt den Weinbau im Nebenerwerb und ist Direktvermarkter. Eine Internetseite? Braucht er nicht. "Ich muss jetzt schon wieder schauen, dass ich bis Oktober, November noch einen hab'", freut sich Göllinger über die Nachfrage. 3000 bis 4000 Liter erzeugt er jedes Jahr. Vor Weihnachten ist Göllingers Uhudler Grundlage für Glühwein - etwa für Christkindlmärkte in der Region. "500 bis 1000 Liter holen die", sagt Göllinger über seine Abnehmer.

"Schnell trinken sollte man ihn", so der Rat des Weinbauern über den Uhudler mit einem Alkoholgehalt von zwischen 11 und 13 Volumenprozent. Länger als ein Jahr sollte er nicht aufgehoben werden. "Zur Bauernjausen schmeckt er gut." Und gegen den Durst, sagt Göllinger, "... musst' ihn spritzen." Aber nur mit Mineralwasser. "Mit Almdudler ist doch schad' um den Wein." (Info-Kasten)

Uhudler ist gerettetAuspflanzverbote, Gerichtsurteile, Rodungsbeschlüsse: Eine turbulente Geschichte begleitet seit Jahren den Uhudler. Denn er sollte zunächst auf der Grundlage von EU-Recht komplett verschwinden. "Es gibt immerhin 80 Familien, die davon leben", sagt Johann Haberl über die existenzbedrohliche Situation für die Uhudler-Erzeuger im Südburgenland. Haberl, Mitglied des europäischen Weinritterordens, hatte den Impuls zur Rettungsaktion gegeben - mit 14 745 gesammelten Unterschriften. Diese hätten Politiker mobilisiert, sagt Haberl.

Im Frühjahr 2016 sind neun Direktträgersorten von der burgenländischen Landesregierung und vom österreichischen Nationalrat durch Aufnahme ins Weingesetz wieder zum Wein und einige Rebsorten zum Obstwein erklärt worden.

Den Namen Uhudler prägten einst Frauen der Weinbauern, weil deren Blick nach übermäßigem Konsum einem Uhu glich. Seit 1989 gibt es den Verein "Freunde des Uhudlers". Er ist im Weinmuseum Moschendorf gegründet worden und zählt 320 Mitglieder.

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Weitere Informationen:

www.uhudlerverein.at www.equesdevino.eu
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