Friedhöfe bieten mehr als andere Bestattungsorte
Individualität und Wahlfreiheit

An den Totengedenktagen Allerheiligen, Totensonntag und Volkstrauertag im November werden wieder Millionen von Kerzen auf den ca. 32.000 Friedhöfen in Deutschland brennen, viele Gräber werden geschmückt sein und unzählige Menschen einen Friedhof besuchen. Alles wird so aussehen, wie es scheinbar schon immer war.

Aber das täuscht, denn die Bestattungskultur in Deutschland befindet sich derzeit in einem umfangreichen Wandlungsprozess. Immer weniger Friedhofsflächen werden gebraucht. Vielerorts gibt es bereits sogenannte Überhangflächen, also Areale, die nicht belegt sind, aber für Pflege und Instandhaltung hohe Kosten verursachen.

Gesellschaft im Wandel

Gründe für diese Entwicklung gibt es viele: Unsere Gesellschaft, die Art wie wir leben, welche Werte wir haben und woran wir glauben, das alles hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert - mit deutlichen Folgen für die Bestattungskultur.

Eine im März im vergangenen Jahr im Auftrag von der Verbraucherinitiative Aeternitas e.V. durchgeführte repräsentative Umfrage zeigt, dass traditionelle Beisetzungsvarianten immer mehr an Zuspruch verlieren.

Noch 49 Prozent der Befragten wünschen für sich selbst das klassische Sarg- (29 Prozent) oder Urnengrab (20 Prozent) auf einem Friedhof. 2004 waren es zusammengenommen noch 62 Prozent (39 Prozent Sarg, 23 Prozent Urne). Immer selbstverständlicher werden hingegen Grabformen ohne Grabpflege.

Dabei hat sich auch die deutsche Friedhofskultur in den letzten Jahren weiterentwickelt. Sie ist mittlerweile vielerorts wesentlich facettenreicher und lebendiger als viele wissen. Das zeigte auch der zweite Friedhofsgipfel, der unter der Überschrift "Auf dem Weg zu neuen Traditionen" im vergangenen Jahr in Köln stattfand.

Hier diskutierten Personen, die sich in ganz unterschiedlicher Art und Weise beruflich mit dem Friedhof beschäftigen - Steinmetze, Friedhofsgärtner und Friedhofsbetreiber ebenso wie Wissenschaftler, Journalisten und Buchautoren.

"Friedhöfe werden hierzulande noch häufig unterschätzt", zog Christoph Keldenich, Vorsitzender von Aeternitas e.V., am Ende der Veranstaltung sein Resümee. "Kein anderer Bestattungsort bietet eine solche Wahlfreiheit, was Beisetzungsart und die anschließende, individuelle Gestaltung der Grabstätte angeht."

Besondere Atmosphäre

Ob Erdbestattung oder Urnenbeisetzung, klassische Familien- oder Einzelgrabstätten, anonymes Gräberfeld, pflegefreies Wiesengrab, gärtnerbetreute Bestattungs-, Themen- oder Memoriamgärten - diese Vielfalt und natürlich die besondere Atmosphäre der Orte sei es, die unsere Friedhöfe heute ausmache und ihnen auch langfristig einen festen Platz in der deutschen Kultur geben würde.

Anlagen mit wenigen Angeboten und allzu strengen Friedhofsatzungen, welche die Wünsche nach Vielfalt und Individualität verwehrten und die Entwicklung neuer Traditionen nicht zuließen, würden dagegen von den Menschen heute oft als unattraktiv empfunden, so Keldenich. (Quelle: aeternitas)
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