Fruchtsaft narrt das Alkohol-Messgerät der Polizei

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Das ist kein unerklärliches Phänomen, sondern eine ganz einfache Reaktion in der organischen Chemie. Alkohol hat die chemische Formel C2H5OH. Dabei bedeutet OH die sogenannte OH-Gruppe, bestehend aus einem Sauerstoffatom und einem Wasserstoffatom. Diese OH-Gruppe reagiert mit dem Sensor im Messgerät der Polizei und signalisiert Alkohol.

Je mehr OH-Gruppen im Atem vorkommen, desto höher ist der Alkoholgehalt. Nun ist es aber so, dass natürliche Fruchtsäfte in ihrer Zusammensetzung auch so eine OH-Gruppe besitzen, die genauso mit dem Sensor im Messgerät der Polizei reagiert. Der Sensor kann aber nicht unterscheiden, ob es nun Alkohol oder Fruchtsaft ist, weil die reagierenden Atome ja die selben sind.

Auf diese Tatsache hat uns schon vor 40 Jahren unser Chemieprofessor aufmerksam gemacht mit dem Satz: Jungs, wenn ihr sicher seid, dass ihr keinen Alkohol im Blut habt und ihr die Polizei ein wenig necken wollt, dann trinkt vor dem Pusten Fruchtsaft. Die Wirkung funktioniert, wie man im genannten Bericht lesen kann. Auch die mögliche Erklärung des Gerichtsmediziners in Bezug auf einen Gärprozess im Körper ist absolut falsch und irreführend. Bei der alkoholischen Gärung wird Zucker in Alkohol umgewandelt, wobei CO2 ausgeschieden wird. CO2 ist Kohlendioxyd, das wir Menschen bei jedem Atemzug ausstoßen und hat also überhaupt nichts zu tun mit der OH-Gruppe. Sollte also bei solch einer Gärung, was im vorliegenden Fall innerhalb weniger Stunden überhaupt nicht möglich ist, Alkohol entstanden sein, so wäre dies in der Blutprobe der Rechtsmedizin aufgefallen. Ergebnis aber 0,0!

Fazit: Die Alkoholmessgeräte der Polizei sind für die Messung von Alkohol nur bedingt tauglich. Für mich stellt sich die Frage: Wie viele brave Bürger, die vielleicht einen halben Liter Bier und dann Fruchtsaft getrunken haben, sind in der Vergangenheit schon unschuldig verdächtigt oder gar verurteilt worden, weil das Messgerät der Polizei die OH-Gruppe des Alkohols und die OH-Gruppe des Fruchtsaftes zusammenaddiert hat?

Josef Böhm, Dipl.-Ing. (FH) 92711 Parkstein
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