Früchte des Zorns
Der Leser schreibt

Zur Berichterstattung über das Projekt "Stadtgalerie":

Die Stadtgalerie geht in die Zielgerade. "Der Neue Tag" hat den aktuellen Stand der Planungen detailliert beschrieben. Die am Wettbewerb für die Fassadengestaltung beteiligten Architektenbüros stehen ebenso fest wie die Mitglieder der Jury, allesamt renommierte Personen und Institutionen. Alles gut?

Wir wünschen es für die Stadt. Gleichwohl nicht ohne die eine oder andere persönliche Anmerkung. Fondara hat sich in den letzten Tagen von allen Institutionen und Personen getrennt, die in irgendeiner Weise noch kritische Gedanken hätten äußern können und wollen. Nicht in der Absicht zu verhindern, sondern konstruktiv und Alternativen aufzeigend. An vorderster Front steht hier die BI, der man nun die Rote Karte gezeigt hat. Mit unverständlichen Argumenten. Auch mit diffamierenden Bemerkungen über angesehene Weidener Persönlichkeiten. Zu tief saß wohl der Frust über die letzten Stellungnahmen der BI, ihre Vorstellungen und Vorschläge. Mag auch sein, dass man sich auf Nachfrage nicht traute, die geplante Erweiterung der Verkaufsfläche auf 14 000 Quadratmeter zuzugeben: Der letzte Nagel für den Sarg des Runden Tisches.

Auch wenn die Kritik der BI als überzogen bezeichnet werden sollte, so vollzog sich diese Kritik so transparent, wie es im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Öffentlichkeitsbeteiligung am Bebauungsplanverfahren vorgesehen ist. Aber hat man sich von Mann zu Mann mit den Argumenten der BI auseinandergesetzt? Nein. Hat man mit der BI inhaltlich diskutiert? Nein. Hat man sich durchgemogelt? Ja, und schließlich ist man nun lieber den Weg des Heckenschützen gegangen.

Wer jetzt noch an Bord ist, ist wohlgelitten. Selbst wenn jetzt eine Pyramide am Dänner-Eck gebaut werden sollte, so würde dem Bauherrn Beifall von allen Seiten sicher sein, auch von der Politik. Eine Galerie muss nun irgendwie her, egal welche Beschlüsse dafür aufgehoben werden müssen. In der ganzen Diskussion wird aber vergessen, dass Licht erst dann entsteht, wenn das Streichholz sich an einer geeigneten Fläche reiben kann. So bleibt nur zu wünschen, dass wenigstens der Baukörper, dessen Fassade es zu gestalten gilt, dem hochkarätigen Wettbewerb standhält.

Meine Argumente werden ohne Zorn vorgetragen. Aber als Fondara kam, hatte sich die BI schon zwei Jahre erfolgreich um das Projekt Einkaufszentrum bemüht. Sie hat dafür gesorgt, dass die Verantwortlichen in der Stadt lernen mussten, dass die Entscheidung zur Ansiedlung eines Centers nicht mit dem Verkauf städtischer Grundstücke beginnt. Durch die BI wurde in der Stadt ein Bewusstseinsprozess für das Thema Einkaufszentrum in Gang gesetzt, der allen Beteiligten, den Bürgern, der Verwaltung den politischen Parteien und nicht zuletzt dem jetzigen Investor geholfen hat.

Nun ist man zornig. Aber eine besonders schöne Frucht dieses Zorns ist unter anderem die Tatsache, dass sechs Architektenbüros sich der Fassade der geplanten Stadtgalerie annehmen. Es sollte also, was die Fassade anbetrifft, alles in besten Händen sein. Sehr viel besser, als vor einem Jahr, als Fondara lediglich drei verschiedene Niederlassungen eines Büros beauftragen wollte. Wer war zum damaligen Zeitpunkt entschieden gegen diese Lösung? Es war die BI.

Wenn die Mitglieder der BI nun traurig sein sollten, dann gibt es dazu keinen Grund. Sie hat getan, was man als kritische Partei tun kann. Wer sich überzeugen möchte, der gehe in das Rathaus von Weiden. Dort steht eine Tafel mit einer Auszeichnung der Bayrischen Staatsregierung für die Stadt. Sie erhält diese Auszeichnung auch für ihre Verdienste um die Einrichtung der Institution des "Runden Tisches". Wer hat diese Lösung damals vorgeschlagen? Ebenfalls die BI.

Dr. Herbert Klein

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