Frühjahrsputz in allen Facetten
Welcher Reinigungstyp sind Sie?

Wie oft Männer in deutschen Haushalten zu Schwamm und Bürste greifen, um etwa die Toilette zu putzen, ist statistisch nicht belegt. Oft dürften es aber, wie hier, eher professionelle Putzteufel sein, die vor der Großkeramik auf die Knie fallen. Bilder: dpa
 
Vor allem an den Fenstern zeigt sich nach dem Winter - der Frühjahrsputz ist nötig. Wer die Wohnung so richtig auf Vordermann bringen will, sollte ausreichend Zeit einplanen.

Auch wenn es draußen so gar nicht nach Frühling aussieht: Mit dem kalendarischen Winter-Ende ist die Zeit für das große Reinemachen gekommen. Aber putzen die Deutschen überhaupt noch selbst? Und wenn ja, wie putzen sie?

Berlin. Die Frühjahrssonne offenbart es gnadenlos: Staubflusen in Ecken, Schokofleckchen auf dem Sofa, Spinnweben unter der Decke. Höchste Zeit für einen Frühjahrsputz! Was für echte Reinigungsfanatiker ein willkommener Anlass ist, treibt anderen schon beim Gedanken daran den Schweiß auf die Stirn. Diese Putz-Typen gibt es bei Frauen wie Männern:

Der Pseudo-Sportler: Wenn er in seinen vier Wänden aufräumt, beruhigt er damit sein Gewissen. Schrubben und Wischen wertet er als Training, das zu seinen Gunsten verbucht wird. Als Sport geht Putzen wegen der zu kurzen, zufälligen Belastung aber bei Fachleuten nicht durch. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln glaubt höchstens bei ganz Untrainierten wie älteren Menschen an einen Effekt. Er spricht allerdings von beweglichen Gelenken und nicht von Muckis.

Der Kompensierer: Bei Frust im Job reagiert er sich mit Hausarbeit ab. Die körperliche Anstrengung verbunden mit mehr Sauberkeit gibt ihm das Gefühl, wenigstens etwas geschafft zu haben - und sei es nur ein staubfreies Zuhause.

Der Oberflächliche: Er nimmt nur allergröbsten Schmutz ernst, den er auch ohne Lupe erkennt. Er dürfte überdurchschnittlich oft in Berlin anzutreffen sein, der Hauptstadt der Putzmuffel laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage von 2015 im Auftrag der Minijob-Zentrale. Demnach putzt fast jeder vierte Berliner lediglich mehrmals monatlich - und dann auch nicht sonderlich ausgiebig.

Der Keimfreie: Ekel, fast schon Panik, bereitet ihm der Gedanke an unsichtbare Krankheitserreger, die sich auf Türklinken oder auf Schneidebrettern in der Küche breitmachen könnten. Er schwört auf Produkte zur Desinfektion, die er auf die Gefahrenzonen sprühen kann. Und er ignoriert dabei, dass Desinfektionsmittel die Umwelt belasten und nach Einschätzung von Verbraucherschützern sogar Stoffe enthalten, die Allergien auslösen können.

Der Auftraggeber: "Das stärkste Argument gegen das Selber-Putzen ist die Zeitverschwendung", sagte die Philosophin Nicole Karafylli einmal dem "SZ-Magazin". Der Auftraggeber hätte es nicht besser ausdrücken können. Regelmäßig klickt er durch Putzportale, um jemanden zu finden, der nach seinen Vorstellungen wischt. Die Umsätze der Gebäudereiniger-Branche wachsen. In 11 Prozent aller Haushalte in Deutschland arbeiten Haushaltshilfen.

Der Ausgerüstete: Viel hilft viel. In seinen Küchenschränken findet sich alles, was Drogerie und Supermarkt hergeben. Er macht jede Marktneuheit mit: Schmutzradierer, Entferner für jede Art von Flecken, Glanz- und Duftsprays, Spezialbürstchen für Ecken und Fugen. Er trägt seinen Teil zu den 945 Millionen Euro Umsatz bei, den der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) 2015 allein bei Reinigungsmitteln verbuchte. Blöd nur, dass ihm vor lauter Einkaufen so wenig Zeit zum Putzen bleibt.

Der Umweltbewusste: Die rund 630 000 Tonnen Chemikalien, die laut Umweltbundesamt durch Waschen und Putzen in privaten Haushalten ins Abwasser gelangen, stammen bestimmt nicht aus seinem Abfluss. Besorgt wie er ist, greift der nachhaltige Typ bevorzugt zu Haushalts-Soda, Essigsäure oder Zitronensaft, um sich möglichst schonend von Schmutz zu trennen. Von ihm könnte der Pseudo-Sportler lernen: Ohne Chemiekeule braucht es nämlich mehr Muskelkraft.

Der Putzteufel: Eine ziemliche Seltenheit. Laut dem aktuellen "Putz- atlas" der Minijob-Zentrale sagten lediglich acht Prozent der Befragten ohne Haushaltshilfe, sie würden in ihrem Haushalt täglich putzen.

Putz prima planenBeim Frühjahrsputz verschätzt man sich oft mit der benötigten Zeit. Susanne Woelk von der Aktion "Das Sichere Haus" in Hamburg rät daher, die geschätzte Zeit mal 1,5 zu nehmen. Und sie empfiehlt, sich zu den einzelnen Putzaktionen Notizen zu machen: Wie lange brauche ich tatsächlich für alle Fenster? Wie viel Zeit benötige ich für alle Türrahmen? "Damit lässt sich im kommenden Jahr auf jeden Fall besser planen", sagt Woelk. (dpa)
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