Führerscheine aus Syrien,dem Irak oder Afghanistan gelten in Deutschland nicht
Fahrschulen erwarten Boom durch Flüchtlinge

Hunderttausende Flüchtlinge könnten das Geschäft von Deutschlands Fahrschulen in den kommenden Jahren stark ankurbeln. Führerscheine aus Syrien, Irak und Afghanistan werden hierzulande nicht anerkannt. Bild: dpa

Führerscheine aus Syrien, Irak und Afghanistan werden hierzulande nicht anerkannt. Die Inhaber müssen sich in Deutschland erneut prüfen lassen. Die Fahrschulen rechnen daher mit vielen neuen Kunden.

Goslar. Hunderttausende Flüchtlinge könnten das Geschäft von Deutschlands Fahrschulen in den kommenden Jahren stark ankurbeln. Das erwartet der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), Gerhard von Bressensdorf. Der Grund: Auch die meisten Flüchtlinge, die bereits einen Führerschein besitzen, müssten in Deutschland erneut die theoretische und die praktische Prüfung bestehen, sagte der BVF-Vorsitzende vor Beginn des Verkehrsgerichtstages am Mittwoch in Goslar. Fahrlizenzen aus Ländern wie Syrien, Irak oder Afghanistan würden hierzulande nicht anerkannt.

Die Anpassung an deutsche Verkehrsverhältnisse werde für viele Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Nordafrika nicht leicht, vermutet der Sprecher des Automobilclubs ACE, Constantin Hack. "Denn Verkehrsregeln spielen in den Herkunftsländern teilweise eine untergeordnete Rolle." Ähnlich sieht es der ADAC: "Für viele Flüchtlinge wird es eine große Herausforderung, sich im Straßenverkehr zu bewegen", sagte Sprecher Andreas Hölzel. Der ADAC habe deshalb einen Flyer entwickelt, der den Neuankömmlingen die wichtigsten Verkehrsregeln erklärt.

Die ersten Erfahrungen mit Flüchtlingen in den Fahrschulen seien sehr unterschiedlich, sagte BVF-Chef von Bressensdorf. "Menschen aus größeren Städten tun sich weniger schwer, sich an den geordneten Verkehr anzupassen als solche aus ländlichen Regionen." Auch habe mancher Inhaber eines Führerscheins für Busse oder Lkw nur ungenügende Fähigkeiten. Eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer sehe er aber nicht, sagte von Bressensdorf. Die Fahrlehrer würden auf eine gute Schulung achten. "Und an der Prüfung kommt ja ohnehin niemand vorbei."

Erfahrene Lehrer ein Plus


Grundsätzlich sei er bei der Integration der Flüchtlinge in den Straßenverkehr optimistisch, sagte der BVF-Vorsitzende. "Unsere Fahrschulen haben große Erfahrung im Umgang mit Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind." Er denke an Gastarbeiter, Aussiedler oder Kriegsflüchtlinge aus Jugoslawien. "Die haben alle bei uns Führerscheine erworben."

Deutschlands Fahrschulen mit ihren rund 25 000 hauptberuflichen und etwa 10 000 nebenberuflichen Fahrlehrern wollten den Flüchtlingen im Übrigen auch über das Fahrtraining hinaus helfen, sagte von Bressensdorf. "Unser Verband hat allen Fahrschulen empfohlen, wo es möglich ist, Räume für Deutschkurse zur Verfügung zu stellen." Auch Infomaterial in mehreren Sprachen. "Damit sollen auch Fußgänger und Radfahrer über den Verkehr in Deutschland informiert werden."

Der BVF rechne damit, dass viele Flüchtlinge aktiv in die Fahrschulen streben werden: "Auch weil sich für alle, die selbst Auto fahren können, die Integrations-Chance deutlich erhöhen dürfte."

HintergrundBeim Deutschen Verkehrsgerichtstag (VGT) diskutieren Fachleute über aktuelle Fragen des Verkehrs und Verkehrsrechts. Juristen, Wissenschaftler und Politiker sowie Spezialisten von Automobilclubs, Ministerien, Behörden, Unternehmen und Verbänden geben dem Gesetzgeber Empfehlungen zu Neuregelungen im Straßenverkehr oder im Verkehrsrecht. In diesem Jahr werden zur 54. Auflage des Expertenkongresses erneut bis zu 2000 Teilnehmer in Goslar erwartet. Diskutiert werden soll, ob der sogenannte Idiotentest schon nach Alkoholfahrten mit 1,1 Promille angeordnet werden soll (bisher 1,6). Themen sind außerdem der Einsatz von Aufnahmen sogenannter Dashcams auf dem Armaturenbrett von Autos als Beweismittel in Prozessen, die mögliche Abschaffung der Blutprobe bei Promillesündern und Möglichkeiten, Verkehrsprozesse zu beschleunigen. (dpa)
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