Für Missbräuche in Politik braucht man keine Soldaten

Soldaten der Bundeswehr waren bei der Feier des Volkstrauertags am Marktplatz mit Stahlhelmen und Waffen vertreten. Bild: Huber
Zu AZ-Berichterstattung und Kommentar über die Feier zum Volkstrauertag am Marktplatz:

Seit zig Jahren steht das Programm, und nur der Text der jeweiligen Ansprache wird geändert. Die AZ behauptet, die Uniform würde zur Schau getragen, seltsamerweise nur die der Bundeswehr. Dabei symbolisiert eine Uniform die Funktion des Trägers oder dessen Zugehörigkeit zu einer Organisation. Neben der Bundeswehr waren die Polizei, das Rote Kreuz, die Knappschaftskapelle die Traditionsverbände und die Jagdbläser in der Kirche "uniformiert".

Auch die Amtskette des Oberbürgermeisters ist ein Teil einer "Uniform". Dazu gehört in der Regel eine Kopfbedeckung. Soldaten tragen natürlich lieber ein Barrett als einen Helm. Der Helm weist aber auf die Wichtigkeit dieser Veranstaltung hin. Ein glänzender Helm wäre ein besonders gutes Ziel für den Gegner, deshalb glänzen zumindest die Helme von militärischen Verbänden nie. Die Feuerwehr schützt und unterstützt auch die Fronleichnamsprozession in Uniform mit Helm, nicht um sich zur Schau zu stellen, sondern weil der Helm zum Anzug gehört. Der Hinweis auf die alten Kameraden ist auch wieder so ein Giftpfeil.

Seit Jahrzehnten pflegen hauptsächlich ehemalige Soldaten Kriegsgräber in aller Welt. In Amberg waschen Männer der Altersgruppen 60 bis 80 plus jährlich die vielen Kreuze und organisieren und finanzieren den Gräberschmuck, denn dafür gibt es weder von der Stadt noch vom Land Geld. Hier ist aber eine positive Entwicklung festzustellen. Immer öfter gibt es Geld- oder Sachspenden für unseren, den Amberger Soldatenfriedhof, von völlig unbeteiligten Bürgern. Heuer wurden sogar die Granitkreuze und die Tafel mit den Namen der osteuropäischen Opfer, die unterhalb der Aussegnungshalle ihren Platz haben, gründlich gereinigt. Weil keine andere Gruppierung, auch keine Schule, Interesse für den Amberger Soldatenfriedhof zeigte, übernahmen die ehemaligen Soldaten diese Aufgabe. Auch wenn es kaum eine Programmveränderung gebracht hätte, der richtige Zeitpunkt, um eine Änderung anzuregen, wäre die Zeit nach dem Volkstrauertag 2013 gewesen.

Nicht erwähnt wurde eine Gruppe von Menschen, die während der Veranstaltung etwas laut wurde. Ich bin überzeugt: Wäre der Volkstrauertag zumindest in allen Schulklassen einmal angesprochen worden, die Veranstaltung wäre überhaupt nicht gestört worden. Zusätzlich hätten viele Eltern erfahren, am Samstag ist Volkstrauertag. Die Vermutung, ehemalige Soldaten der Bundeswehr könnten den Volkstrauertag missbrauchen, ist ein Hirngespinst. Für Missbräuche in der Politik braucht man keine Soldaten, dafür hat man Politiker - die haben die Macht dazu.

Sepp Adamiok, Amberg
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