Für Stuntmen ist Leichtsinn gefährlich - Kein Job für Draufgänger
Das Spiel mit dem Feuer verzeiht keine Fehler

Es knallt, meterhohe Flammen schießen in die Luft. Dunkler Rauch vernebelt die Tankstellen-Attrappe. Ein Mann läuft aus der Rauchwolke. Flammen bedecken seinen Körper. Er rennt gegen einen Pfeiler, torkelt umher und bricht zusammen. "Cut!", ist später zu hören. Die Menge jubelt. Solche Auftritte gehören für den Stuntman Marcus Weber zum Beruf. Bei dem Stunt im Filmpark Babelsberg schützt ihn ein spezieller Anzug. Fehler darf er sich bei trotzdem nicht erlauben. "Feuer verzeiht nicht", sagt er.

Keine Angst, aber Respekt

"Leichtsinnige Draufgänger sind in dem Beruf fehl am Platz", erklärt Elke Schubert, Pressesprecherin der Action Concept Film- und Stuntproduktion in Hürth. Gefragt seien Teamplayer, auf die Verlass ist. "Ein Stuntman sollte keine Angst, aber Respekt vor dem Stunt haben", erzählt Weber. Übermut gefährdet alle Beteiligten am Set. Seit rund neun Jahren ist er Mitglied der Stuntcrew Babelsberg. Er hat bei Filmen wie "In 80 Tagen um die Welt" mitgewirkt. Mit Unfällen muss er allerdings auch in diesem Job rechnen. "Natürlich passieren Unfälle", erklärt Schubert. Doch auch Berufe wie Dachdecker seien nicht ungefährlich. Der Berufsalltag der Stuntleute besteht vor allem aus planerischen und handwerklichen Tätigkeiten. "Sie entwickeln und planen die Stunts im Detail, präparieren Türen, bauen Rampen." Einen spektakulären Autoüberschlag machen die Angestellten etwa einmal im Monat.

Neben dem handwerklichen Geschick gehört auch Schauspielerei zur Arbeit. Ruft der Regisseur "Action!", sind nicht nur starke Nerven gefragt. Der Job erfordert auch eine Menge Geduld. Es sei schon ärgerlich, wenn ein Stunt an Kleinigkeiten scheitere, erzählt Stuntman Weber. Ein Blick von einem Statisten in die falsche Richtung könne da schon ausreichen. Im vergangenen Jahr habe er sich 35 Mal von einem Auto anfahren lassen müssen. "Einmal, zweimal, dreimal ist okay. Irgendwann kann es aber auch schiefgehen."

Eine klassische Ausbildung zum Stuntman gibt es nicht. "Der Beruf ist nicht geschützt und kann frei ausgeübt werden", sagt René Lay vom Bundesverband Deutscher Stuntleute in Berlin. Den Einstieg in den Beruf bekommen die meisten Stuntmen über persönliche Kontakte.

Weber rät angehenden Stuntmen, sich zu spezialisieren. "Gute Karrierechancen haben diejenigen, die ein Alleinstellungsmerkmal haben", sagt er. Jeder hat sein Spezialgebiet, seine sind Feuer- und Auto-Stunts. Die meisten Stuntmen arbeiten freiberuflich. "Die Auftragslage variiert, und nicht jeder Stuntman bekommt genügend Jobs", erklärt Lay.

Ausüben können Stuntman ihren Job, solange der Körper es mitmacht. Mit einschlägiger Berufserfahrung können sie sich anschließend zu Stuntkoordinatoren weiterbilden. Dann sind sie, in enger Zusammenarbeit mit dem Regisseur, verantwortlich für die Ausführung der Stuntszenen.
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