Für wilde Tiere gibt es eigene Autobahn-Übergänge
Über die Grünbrücke

Gerhard Klesen und Thomas Munzert (rechts) schauen sich auf dem Laptop Fotos an, die eine Infrarotkamera auf der Grünbrücke aufgenommen hat. Bild: dpa
Vermischtes DE/WELT
Deutschland und die Welt
18.09.2013
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Wen die Infrarotkameras wohl diese Nacht aufgenommen haben? Thomas Munzert klettert auf eine Leiter, holt einen kleinen Chip aus der Kamera und steckt ihn in seinen Laptop.

Er hat Glück: In den letzten Tagen haben die Kameras viele Bilder von Tieren gemacht, die abends, nachts oder in der Morgendämmerung über die Autobahnbrücke bei Schermbeck spaziert sind. Das liegt in Nordrhein-Westfalen.

"Vor zwei Tagen war eine Rehmutter mit ihrem Kind da", sagt Thomas Munzert und zeigt auf den Bildschirm. Zudem hat die Kamera einen Hirsch erwischt, der direkt in die Kamera guckt. Auf einem anderen Foto sind allerdings nur verwischte Streifen zu sehen. Aber das kennt Thomas Munzert schon.

Schnelle Schweine

"Wildschweine laufen so schnell über die Brücke, dass man auf den Fotos oft nur Streifen sieht", sagt er. Die Kameras reagieren auf Wärme und Bewegungen. Bis sie richtig ausgelöst haben, sind die Wildschweine oft längst weg.

Hier oben ist es schön ruhig. Die ganzen Autos und Lastwagen, die unter der Brücke über die Autobahn 31 fahren, hört man kaum. Der Boden der 40 Meter langen und 50 Meter breiten Brücke ist mit Gras bewachsen. Die Tiere sollen sich wohlfühlen. Thomas Munzert kommt regelmäßig hierher und schaut sich genau an, welche Tiere zu welcher Uhrzeit über die Brücke gelaufen sind. Das funktioniert nur mit den Kameras. Denn wenn er selbst auf der Brücke stehen würde, würden sich die Tiere nicht trauen.

Großes Projekt

Thomas Munzert studiert Biologie an der Uni. "Ich will herausfinden, wie die Brücke angenommen wird, welche Tiere sie benutzen, welche nicht und warum", erklärt er. Seine Forschung ist wichtig, denn die Brücke ist noch recht neu und es gibt in Deutschland noch nicht viele Autobahnbrücken für Tiere. Zurzeit sind es 39, die fertig sind. Aber in ein paar Jahren sollen es über 100 sein.

Die Tiere in Schermbeck haben es also echt gut. Das haben sie Gerhard Klesen zu verdanken. Er ist Forstdirektor beim Regionalverband Ruhr, einem Zusammenschluss der Städte im Ruhrgebiet. Gerhard Klesen hat fast zehn Jahre dafür gekämpft, dass hier eine Brücke für Tiere gebaut wird. "Es geht darum, dass die Tiere sicher von einer Seite der Autobahn auf die andere laufen können und nicht von einem Auto erwischt werden", sagt er.

Meist laufen die Tiere im Schutz der Dunkelheit über die Brücke, am späten Abend, nachts oder in der Morgendämmerung. Anschließend hat Thomas Munzert dann ein Foto von ihnen. (dpa)
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