Ganz schön ausgebufft

Sie rennen mit Keulen durch die Gegend, sind mit Muskeln bepackt und ein bisschen doof. Die Neandertaler hatten lange Zeit keinen besonders guten Ruf. Heute wissen die Forscher aber: Die Neandertaler waren schlaue Jäger. Und sie konnten Feuer machen!

Ralf Schmitz beugt sich über eine große Vitrine. "Das ist er", sagt der Fachmann und zeigt auf Knochen, die in dem Glaskasten liegen.

Da sind zum Beispiel die beiden großen und starken Oberschenkel-Knochen. Ein Stück von der rechten Schulter, die Knochen der Oberarme und einige Rippen.

Ganz besonders

Und dann ist da noch das große Knochenstück vom Schädel - mit den merkwürdigen, dicken Bögen über den Augen. Ralf Schmitz ist auf den Spuren eines engen, aber ausgestorbenen Verwandten von uns: "Das ist DER Neandertaler", sagt er. Und zwar ein ganz besonderer. Gefunden wurden die Knochen vor rund 160 Jahren im Neandertal. Das ist in der Nähe von Düsseldorf.

Die Stadt liegt im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dort machten Arbeiter damals einen sensationellen Fund: Sie fanden uralte Knochen. Die Knochen sahen zwar aus wie die eines Menschen. Aber irgendwie auch nicht. Heute liegen die Knochen in einem Museum in Bonn.

Ralf Schmitz und seine Kollegen haben eine Menge über den Neandertaler herausgefunden: Zum Beispiel gehören die Knochen einem Mann. Er war wohl 42 Jahre alt und konnte seinen linken Arm nicht mehr bewegen. Trotzdem wurde der Mann für einen Neandertaler sehr alt. "Das bedeutet, die anderen haben sich gut um ihn gekümmert und ihn versorgt. Das sagt viel über die Neandertaler aus", findet der Experte.

Überhaupt waren die Neandertaler wohl anders, als man lange dachte. Von wegen nur stark und doof! Sie lebten zum Beispiel in größeren Gruppen. Sie bauten Wohnhütten, trugen Kleidung aus Fell und machten Werkzeuge aus Stein. Sie entdeckten das Birkenpech, so eine Art Super-Kleber der Steinzeit. Und sie wussten, wie man Feuer macht!

"Außerdem waren sie clevere Jäger", erklärt der Fachmann. Sie jagten beispielsweise Rentiere, Wildpferde, Saiga-Antilopen und Riesenhirsche. Und ab und zu auch Mammuts.

Riskante Jagd

Aber die Jagd war gefährlich. Denn die Neandertaler kannten noch nicht Pfeil und Bogen. Sie hatten nur ihre etwa zwei Meter lange Wurflanze. "Das bedeutet, die Jäger mussten sehr nahe an ihre Beute heran", erklärt Ralf Schmitz. Viele wurden dabei verletzt. Das erkennen die Forscher heute an den Knochen. Viele Neandertaler hatten gebrochene Arme oder Rippen.

Schon spannend, was die Experten von Knochen alles erfahren!
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.