Geboren in der Kälte Alaskas

Extrem dicke, ungewöhnliche Reifen. Wer will mit diesen Monstern fahren? Und macht das wirklich noch Spaß? Neugierig sind auf jeden Fall viele, die zum ersten Mal ein Fatbike sehen.

Fatbikes waren im letzten Jahr einer der größten Trends auf dem Fahrradmarkt. Diese sind zwar meist eher kurzlebig, doch es spricht einiges dafür, dass die wuchtigen Geländeräder mehr darstellen als ein vorübergehendes Phänomen. dabei handelt es sich nicht um eine Neuentwicklung. Bis in die Achtzigerjahre reichen die Wurzeln zurück, und es ist fast schon etwas verwunderlich, dass sie so lange weitgehend unbeachtet durch die Winterlandschaften Nordamerikas rollen konnten.

Schmankerl im Katalog

Ihr plötzlicher weltweiter Durchbruch scheint nun die Weisheit zu bestätigen, dass nichts so mächtig ist wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Am augenfälligsten wird das beim Blick in die Kataloge der Fahrradhersteller: Fatbikes gehören inzwischen mehr und mehr zu den Schmankerln im Sortiment vieler namhafter Hersteller.

Geboren in der klirrenden Kälte Alaskas sind Fatbikes mit ihren bis zu knapp fünf Zoll breiten Reifen wahre Winterwundermaschinen. Sie erschließen Pulverschnee für Radfahrer und verwandeln Winterlandschaften in feinstes Radterrain. Aber Fatbikes sind weit mehr als nur Spaßgeräte für den Schnee: "Der Erfolg der Breitreifenbikes liegt in ihrer Universalität begründet", meint Felix Puello, Head of Product Management bei Haibike, und folgerichtig wurden die Vorteile der dicken Walzen Ende der 2000er-Jahre auch für andere Terrains erkannt, denn wo sich das klassische Mountainbike mit den kaum 2,5 Zoll breiten Reifen in Sand, Kies oder Schlamm festfährt, rollt man mit dem Fatbike einfach weiter: ein überzeugendes Argument für den Einsatz als Expeditions-Reiserad. "Doch auch auf klassischen Mountainbike-Trails machen Fatbikes Spaß. Mit einem Luftdruck zwischen 0,4 und 1 bar sind die dicken Pneus in puncto Traktion und Komfort unschlagbar", weiß Marcus Lambertz vom deutschen Reifenhersteller Schwalbe und merkt an, dass sich Fatbikes jenseits asphaltierter Wege leichtfüßiger geben, als ihr wuchtiges Aussehen vermuten lässt. So trimmt die norddeutsche Mountainbike-Manufaktur Nicolai ihren "Argon Fat"-Rahmen auf kompromisslosen Mountainbike-Sport und bereitet ihn für den Einsatz mit Federgabel, Kettenführung und am Lenker verstellbarer Sattelstütze vor. Als "Omniterra-Nutzspielzeuge" umschreibt der süddeutsche Hersteller Velotraum die neue Radgattung treffend. Das Fatbike-Modell der Schmiede aus dem Schwäbischen, der "Pilger", dient sich Globetrottern als geduldiger Packesel an. Fatbikes geben Mountainbikern und Reiseradlern die vierte Jahreszeit zurück oder lassen sie ihre Passion neu entdecken.

"Man will es"

"Ein Fatbike braucht man nicht, man will es", ist sich Gunnar Fehlau, Leiter des pressedienst-fahrrad und Fatbike-Fan der ersten Stunde, sicher. Der Fachjournalist beobachtet in seinem Umfeld reges Interesse, wenn er beruflich oder privat auf Breitreifen unterwegs ist. "Die dicken Räder sind natürlich Effekthascher - was den ,Ausprobieren'-Faktor wie bei kaum einer anderen Radgattung nach oben treibt." Fehlau spricht einen Punkt an, der Tourismus-Destinationen aufhorchen lassen sollte. Nach Einschätzung des Experten bieten Fatbikes ein enormes Potential für touristische Angebote.

"Dank elektrifizierter Fatbikes kann das sportliche Niveau der Tour selbst reguliert werden", sage Stefan Scheitz vom US-Radhersteller Felt, der 2013 mit dem "Lebowsk-e" das erste E-Bike in dieser Kategorie präsentierte. "Man muss kein Prophet sein, um den Erfolg der Fatbikes im Radverleih beziehungsweise Tourismus zu sehen", ist sich Scheitz sicher. (dpa)
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