Germanwings-Absturz
Gesetzgeber will Konsequenzen ziehen

Piloten soll es per Gesetz künftig unmöglich gemacht werden, so lange den Arzt zu wechseln, bis sie flugtauglich geschrieben werden. Fälle wie der des Germanwings-Copiloten sollen sich nicht wiederholen können. Bild: dpa

Ein psychisch kranker Pilot stürzt 150 Menschen in den Tod. Er durfte fliegen, obwohl Ärzte von seinem schlechten Gesundheitszustand wussten. Jetzt zieht der Gesetzgeber aus der Tragödie Konsequenzen.

Berlin. Es ist gut ein Jahr her, dass in den französischen Alpen eine Germanwings-Maschine zerschellt. Alle 150 Menschen an Bord sterben. Zum Absturz gebracht hat das Flugzeug nach den Ermittlungen der psychisch kranke Copilot. Mit Drogentests und einer Datenbank, die "Ärzte-Hopping" unmöglich machen soll, reagiert der Gesetzgeber nun auf die Katastrophe. Nicht nur Linke und Grüne lehnen das Gesetz im Bundestag ab, auch Piloten sind skeptisch.

Befunde in Datenbank


Künftig sollen Fluggesellschaften untersuchen, ob ein Pilot bei Dienstantritt unter dem Einfluss von "Medikamenten, Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen" steht, wenn es einen entsprechenden Verdacht gibt. Daneben sind aber auch Zufallskontrollen geplant.

Die Piloten halten davon nichts. "Irgendeiner wird den Kollegen schon mitteilen, dass eine Kontrolle stattfindet", sagt der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Markus Wahl. Wenn sich aber einmal im Kopf eines Betroffenen festsetze, dass er sich verstecken müsse, dann wende er sich im Zweifel auch nicht an Hilfsprogramme. Der Gesetzgeber setzt aber nicht nur auf Drogentests, sondern führt auch eine flugmedizinische Datenbank ein. In dieser müssen künftig Einzelbefunde und abgebrochene Behandlungen der Piloten gespeichert werden - und zwar personalisiert. Flugmediziner können sich so in gewissem Umfang über vorherige Untersuchungen informieren. Damit soll verhindert werden, dass Piloten von einem Arzt zum nächsten gehen, bis ihnen einer bescheinigt, dass sie gesund sind und fliegen dürfen ("Ärzte-Hopping"). Bei Zweifeln an der Tauglichkeit eines Piloten müssen außerdem die Behörden informiert werden.

Zulasten des Datenschutzes


Die Entscheidung, die Daten - anders als bisher - zusammen mit dem Namen des Patienten zu speichern, ist nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein bedeutender Schritt. Die Abwägung zwischen Datenschutz und Sicherheit ist sonst heftig umstritten. Obwohl sie hier zulasten des Datenschutzes der Patienten ausgegangen ist, können in diesem Fall auch die Piloten damit leben. "Wir überschlagen uns nicht vor Freude", sagt Wahl. "Aber das kann man schon so machen." Man müsse es nur richtig umsetzen, damit das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt erhalten bleibe.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.